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Vollbild | Beitrag vom 04.05.2019

Kino-Kolumne Top FiveFunny People - Komiker im Film

Von Hartwig Tegeler

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Jerry Lewis und Robert De Niro in "The King of Comedy" von Martin Scorsese aus dem Jahr 1982: Als Showmaster Jerry Langford den hartnäckigen Rupert Pupkin rausschmeißt, entführt er ihn und verlangt als Lösegeld einen Auftritt in dessen Show. (picture alliance/United Archives)
Jerry Lewis und Robert De Niro in "The King of Comedy" von Martin Scorsese aus dem Jahr 1982: Als Showmaster Jerry Langford den hartnäckigen Rupert Pupkin rausschmeißt, entführt er ihn und verlangt als Lösegeld einen Auftritt in dessen Show. (picture alliance/United Archives)

Sie sind nicht immer zum Brüllen, und manchmal nicht mal komisch. Es ist viel eher die Ambivalenz des Charakters und der individuelle Irrsinn der Person, die Filme mit Komikern zum Vergnügen machen. Hier unsere Besten-Auswahl.

Platz 5: "Wie das Leben so spielt" von Judd Apatow (2009)

Am Anfang bekommt der erfolgreiche Comedian George – gespielt von Adam Sandler -, die Krebsdiagnose. Geschockt will George, der veritable Zyniker, sein Leben umkrempeln. Den jungen Stand-Up-Comedian Ira – Seth Rogen -  stellt er als Assistenten ein. Dann wird George geheilt und entwickelt sich zurück zum alten Mistkerl. Ira kommentiert das mit den Worten: "Du bist der einzige Mensch, von dem ich gehört habe, dass er aus seiner Fasttod-Erfahrung nichts gelernt hat. Du hast dich zurückentwickelt. Du bist noch fieser." Und Judd Apatow belegt – möglicherweise eine Binsenweisheit, aber gerne vergessen -, dass ein Comedian, der sein Publikum zum Lachen bringt, kein guter Mensch sein muss.

Platz 4: "Top Five" von Chris Rock (2014)

Ein Comedian muss auch nicht zufrieden sein, nicht unbedingt in sich ruhend. Andre, der afroamerikanische Komiker und auch Schauspieler, sehr erfolgreich, hadert mit sich und dem Klamauk-Geschäft. Und bei aller Brillanz, bei allem Wortwitz, den Chris Rock – selber Komiker – in "Top Five" inszeniert, zeigt er den Comedian als Menschen, der unter einer großen Qual leidet: dem Selbstzweifel. Bin ich witzig? Bin ich gut? Und warum soll ich eigentlich witzig sein?

Platz 3: "The Marvelous Mrs. Maisel" (2 Staffeln seit 2017)

Eher zufällig, leicht betrunken und frustriert davon, dass ihr Mann sie mit seiner Sekretärin betrügt, landet Midge Maisel, reiche jüdische Hausfrau und Mutter, auf der Kleinkunst-Bühne, schnappt sich das Mikrofon und lädt zum Erstaunen und Vergnügen der Zuschauer in einem brillanten Auftritt allen Frust ab und entblößt am Ende gar ihre Brüste. Was Ende der 1950er in New York die Ordnungshüter auf den Plan ruft. Und die Nacht im Gefängnis steht bevor. Trotzdem: Die Arbeit der Komikerin wird für die junge Frau zum Befreiungsschlag, das Lachen als Ausbruch aus der spießigen Enge. "Lieben Sie es? - Was meinen Sie? - Comedy. Lieben Sie es? - Ist das Ihr Ernst?", fragt die fiktive Midge Maisel in der Serie den Stand-up-Comedian, der mit ihr zusammen verhaftet wurde, und den sie sie bewundert. Sein Name: Lenny Bruce. Den gab es wirklich.

Platz 3: "Lenny" von Bob Fosse (1974)

Die Kunst von Lenny Bruce, diesem genialen Komiker, geboren 1925, 1966 gestorben, liegt im systematischen Überschreiten der gesellschaftlichen Tabuthemen der 1950er und 60er Jahre. Inklusive der Reaktion der Ordnungsbehörden. Dustin Hoffman spielt Lenny in Bob Fosses Biopic als Komiker, der an seiner Welt und seiner Zeit verzweifelt. Deswegen hält er ihr einen obszönen Spiegel vor. Und behält auch im Scheitern – am Ende verreckt er an einer Überdosis – Würde. Es ist diese Mischung aus gleißender Wut und kindlicher Freude am Lachen der anderen, die diese Figur so komplex macht. Die Leichtigkeit, das Komödiantische, das Vergnügliche, mit dem Midge Maisel auf die Bühne geht, das bietet uns Bob Fosses Schwarz-Weiß-Film nicht. "Lenny" zeigt Abgründe des Komödiengeschäfts. Der Ton ist der der Tragödie.

Platz  1: "The King of Comedy" von Martin Scorsese (1982)

Am Ende hat Rupert Pupkin alias Robert De Niro es geschafft, als neuer Star tritt er auf die Bühne, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen ist. Zunächst versuchte der Möchtegernkomiker, sein Vorbild Jerry Langford – gespielt von Jerry Lewis – mit allerlei Tricks und penetrantem Stalking von der eigenen Genialität zu überzeugen. Als Jerry ihn abwimmelt, entführt Rupert sein großes Idol und erzwingt so einen Auftritt in dessen Show. Martin Scorsese zeichnet das Showbusiness, die Welt der Komik, als traurig-düsteres Gewerbe, das in seiner Gier nach Ruhm und Gier vor allem von Lügen und Einsamkeit gekennzeichnet ist. Ein Geschäft voller Wahnsinn, dem nur ein Credo heilig ist: "Die Show muss weitergehen." Egal, wie viele Leichen den Weg pflastern.

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