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Vollbild | Beitrag vom 15.09.2018

Kino-Kolumne Top FiveDie besten Frauenrollen beim Filmfestival in Toronto

Von Anna Wollner

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Viola Davis bei der Pressekonferenz zu Widows auf dem 43. Toronto International Film Festival im TIFF Bell Lightbox. Toronto, 09.09.2018 *** (imago stock&people)
Viola Davis bei der Pressekonferenz zu "Widows" auf dem 43 Toronto International Film Festival. (imago stock&people)

121 Filme von Frauen waren beim Filmfestival in Toronto zu sehen. Zudem stellten auch viele männliche Regisseure Streifen mit starken Heldinnen vor. Unsere Top Five der eindrücklichsten Protagonistinnen, die lange im Gedächtnis bleiben werden.

Platz 5: Keira Knightley in "Colette"

"Colette" ist ein flotter Kostümfilm über die französische Schriftstellerin und Varietékünstlerin Colette; feministische Vorreiterin und Urheberin der autobiographisch geprägten Geschichten um das Mädchen Claudine, veröffentlicht unter dem Pseudonym ihres Mannes. Es ist aber auch der Kampf einer jungen Frau um Anerkennung ihres geistigen Eigentums, die den Mund aufmacht gegen ihren Mann. Knightley spielt sie verschmitzt und aufrührerisch – eine historische Vorläuferin der heutigen #metoo-Bewegung.

Platz 4: Sienna Miller in "American Woman"

Stehaufmännchen. Oder eher -Weibchen – anders lässt sich Sienna Miller als Debra nicht beschreiben. Sie selbst lässt sich mit 16 schwängern, die Beziehung zum Vater ihres Kindes hielt zwei Tage, danach verschwand er. Ihre eigene Tochter Bridget bekommt ebenfalls mit 16 ein Kind, als das Baby ein knappes Jahr alt ist, verschwindet Bridget spurlos. Es dauert mehrere Jahre, bis das Verbrechen aufgeklärt ist, Debra hat zwischendrin ihren Enkel groß gezogen, ist immer an die falschen Männer geraten, führt eine Dauerfehde mit ihrer Mutter, eine Hass-Liebesbeziehung zu ihrer Schwester, holt ihren College-Abschluss nach und arbeitet sich von einer Kellnerin zur Managerin eines Seniorenheimes los und verliert auf dem Weg erwachsen zu werden nie das, was ihr am wichtigsten ist: Ihre Würde.

Platz 3: Julianne Moore in "Gloria Bell"

Erinnern Sie sich noch an "Gloria", das wunderbare Frauenporträt GLORIA von Sebastian Lelio über eine geschiedene Endfünfzigerin auf Partnersuche in Seniorenbars. Lelio geht das Wagnis ein, seinen eigenen Film zu noch einmal zu drehen, statt chilenischer Gegenwart jetzt mit amerikanischer, und mit Julianne Moore statt Paulina Garcia. Es ist die gleiche Geschichte, die gleiche Ausgangsituation und doch ein ganz anderer, genauso wunderbarer Film. Wenn Julianne Moore alleine auf der Tanzfläche steht und zu achtziger Jahren Popsongs tanzt, hat man das Gefühl, die Welt da draußen außerhalb der Kinoleinwand sei wieder in Ordnung. "Wenn die Welt untergeht, tanze ich dabei hoffentlich", sagt sie beim Abendessen mit Freunden. Vielleicht ist es diese wunderbare Lebenseinstellung von Gloria Bell, die wir alle gerade bräuchten.

Platz 2: Melissa McCarthy in "Can you ever forgive me?"

Eigentlich ist Melissa McCarthy auf zotige und derbe Komödien unter der Gürtellinie abonniert. Endlich darf sie auch mal ihre ernste Seite zeigen. Oder naja, fast ernste. Auf einer wahren Begebenheit beruhend spielt sie die erfolglose Schriftstellerin Lee Israel, die Anfang fünfzig eine neue Berufung findet und literarische Briefe bekannter Schriftsteller fälscht. Im großen Stil. McCarthy spielt diese Antiheldin mit großem Spaß, ihre Israel verkommt nie zur Karikatur, sondern McCarthy hat trotz der Verschrobenheit immer den nötigen Respekt vor der Figur. Ein Fest der Grummeligkeit.

Platz 1: Viola Davis in "Widows – Tödliche Witwen"

Immer wieder sind es ihre Augen, die Steve McQueen in seinem Heist-Thriller in Großaufnahme in Szene setzt. Die Augen von Viola Davis als Veronica, Witwe eines Kriminellen, die das zu Ende führt, was ihr Mann begonnen hat und mit zwei andere Witwen das letzte Ding ihrer verstorbenen Männer zu Ende macht. Zu Ende machen muss. Die Frauen sind hier nicht getrieben von Gier, sondern vom reinem Überlebenswillen, sie handeln rational, kühl und effektvoll in einer korrupten Welt aus Macht, Geld, Klassenunterschieden und Rassenkonflikten. "Widows" ist der Film, der schon Oceans 8 hätte sein können, sein müssen. Denn Frauen sollte man niemals unterschätzen.

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