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Vollbild | Beitrag vom 18.08.2018

Kino-Kolumne Top Five Die besten Filme von Spike Lee über Rassismus

Von Hartwig Tegeler

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John David Washington als verdeckter Ermittler Ron Stallworth in Spike Lees neuer Film "BlacKkKlansman" (imago / Focus Features)
John David Washington als verdeckter Ermittler Ron Stallworth in Spike Lees neuem Film "BlacKkKlansman". (imago / Focus Features)

In der nächsten Woche kommt "BlacKkKlansman" ins Kino. Darin erzählt Spike Lee von einem afroamerikanischen Polizisten, der einst den Ku Klux Klan infiltrierte. Hartwig Tegeler erinnert an die Filme des Regisseurs, die dem Rassismus in den USA einen Spiegel vorhalten.

Platz 5 - "Nola Darling" (2017 – auf Netflix)

Mit der Netflix-Serie hat Spike Lee die Geschichte der Afroamerikanerin aus Brooklyn aus "She´s Gotta Have It" – Urgestein des New Black Cinema von 1986 – weitergeschrieben. Nola ist eine selbstbewusste junge schwarze Frau, aber ihre Selbstvergewisserung wird durch Sexismus und Rassismus immer wieder in Frage gestellt. Im Film von 1986 wurde sie am Ende vergewaltigt, am Ende der ersten Episode der Serie kann sie sich aus einer gefährlichen Situation gerade noch befreien, aber die Verstörung, die Erschütterung ihres Selbstbewusstseins wird sie nie mehr verlassen.

Platz 4 -"Chi-Raq" (2015 – auf Amazon Prime)

Die universelle Parabel von Aristophanes´ Stück "Lysistrata" trifft hier auf die US-amerikanische Gegenwart. Entweder ihr hört mit dem Krieg auf, sagten die Frauen in der griechischen Tragödie, oder es gibt keinen Sex. Entweder ihr hört mit der Selbstzerstörung, mit der Gewalt, mit dem Morden in der South Side von Chicago auf,  oder, eben, gleiche Konsequenz: kein Sex. "Chi-raq" ist ein Kofferwort - "Chicago" - "Iraq". Was darauf anspielt, dass in Chicago seit Beginn des Jahrtausends mehr Tote durch Morde zu verzeichnen waren als im Afghanistan- und Irakkrieg zusammen. Spike Lee knallt die Absurdität der Selbstzerstörung der black community seinen Landsleuten mit Komik, Satire und deftiger Musik um die Ohren.

Spike Lee präsentiert bei der Berlinale 2016 seinen Film "Chi-Raq". (picture alliance / dpa / Ralf Hirschberger)Den Film "Chi-Raq" präsentierte Regisseur Spike Lee bei der Berlinale 2016 (picture alliance / dpa / Ralf Hirschberger)

Platz 4 - "When the Levees Broke" (2006 auf DVD)  

Der Titel der vier Stunden langen Dokumentation ist eine Reminiszenz an Kansas Joe McCoys und Memphis Minnies Song "When the Levee Breaks" - "Wenn der Damm bricht" - über die Mississippi Flut von 1927. 78 Jahre später. 2005. Hurrikan Katrina und die Folgen für die Menschen in New Orleans und den Golf Staaten: ein Konglomerat von behördlicher Inkompetenz, Gleichgültigkeit und Chaos. Drei Monate danach interviewte Spike Lee Menschen, die die Flut überlebt haben. Die Evakuierung der Flutopfer war eine brutale Erinnerung an die Zeit der Sklaverei, sagt einer in der Doku. Familien wurden getrennt, Kinder ihren Müttern entrissen. Ein düsteres Bild einer Gesellschaft, in der "black lives don´t matter".

Platz 2 - "Rodney King" (2017 auf Netflix)

Rodney King, am 3. März 1991 von Polizisten zusammengeprügelt. Nach dem Freispruch der Prügel-Polizisten die "riots" in Los Angeles. Roger Guenveur Smith, Stammschauspieler von Spike Lee, hat das Ein-Mann-Stück "Rodney King" geschrieben; Spike Lee hat es abgefilmt. Schlicht, einfach, eindrucksvoll – dieses Porträt des Mannes, der zur Ikone wurde und 2012 in seinem Pool ertrank. In seinem Blut Alkohol und mehrere Drogen. Nirgendwo steht geschrieben, dass der Kampf gegen Rassismus widerspruchsfrei ist.

Platz 1 - "Pass Over" (2018 auf Amazon Prime)

Worauf warteten Estragon und Wladimir? Auf Godot. Worauf warten die beiden Freunde Moses und Kitch, die Tag für Tag an einer Straßenecke abhängen? Wovon träumen sie? Vom  Paradies? Spike Lee hat eine Inszenierung der Steppenwolf Theatre Company aus Chicago abgefilmt. Moses und Kitch hängen ab, dann taucht ein Fremder auf und dann ein Polizist. Ein Schock zu sehen, wie die beiden sich auf die Erde werfen und die Hände über den Kopf reißen. Ein Moment, in dem schmerzhaft spürbar wird, wie Polizeigewalt Ausdruck eines rassistischen Systems ist, bis in die Reflexe hinein. Moses und Kitch träumen, vielleicht auch von einer Veränderung. Aber dass die Hand eines US-Präsidenten auf der Lincoln-Bibel etwas wirklich ändern kann an einer rassistischen Gesellschaft, dieser Traum ist zerstoben.



Hören Sie hier auch ein Gespräch mit Filmkritiker Patrick Wellinski über "BlackKkansman" von Spike Lee.
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(Deutschlandfunk, Kultur heute, 13.08.2018)

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