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Fazit / Archiv | Beitrag vom 28.05.2014

KinoIntrigenspiel um Macht und Abhängigkeiten

Hossein Amini schafft mit "Die zwei Gesichter des Januars" einen eleganten Thriller

Von Anke Leweke

Der iranische Regisseur Hossein Amini (l), der dänisch-US-amerikanische Schauspieler Viggo Mortensen und die britische Schauspielerin Daisy Bevan kommen in Berlin zur Premiere des Films «The Two Faces of January (Die zwei Gesichter des Januars)» während der 64. Internationalen Filmfestspiele. (dpa picture alliance/ Britta Pedersen)
Regisseur Hossein Amini, Viggo Mortensen und Daisy Bevan bei der Premiere von "Die zwei Gesichter des Januars" in Berlin. (dpa picture alliance/ Britta Pedersen)

Es geht um die Rivalität zweier Männer: Mit Viggo Mortensen und Oscar Isaac hat Hossein Amini Schauspieler gefunden, die mit minimalistischen Mitteln grandios gegeneinander antreten. Patricia Highsmiths Roman ist spannend umgesetzt. Der Zuschauer wird mit den Abgründen von Menschen in moralischen Grauzonen konfrontiert.

Ein unvergessener Kino-Moment: Alain Delon auf einer Segeljacht auf dem Mittelmeer. Nun hält er endlich das Steuer in der Hand, nun hat er die Identität angenommen, die er sich immer schon gewünscht hatte. Sein Rivale liegt tot auf dem Meeresboden. Oder doch nicht?

Patricia Highsmiths Krimi "Nur die Sonne war Zeuge" ist schon mehrmals verfilmt worden. Tatsächlich bekommt man es bei dieser Autorin mit psychologischen Thrillern im wahrsten Sinne des Wortes zu tun. Es geht weniger um äußere Spannung, vielmehr um Erkundungen angeschlagener Innenleben, schizophrener Charaktere, die immer wieder mit neuen Gesichtern überraschen. Man wird mit den Abgründen von Menschen konfrontiert, die sich in moralischen Grauzonen bewegen.

Athen der 60er Jahre der perfekte Schauplatz

Auch in der Highsmith-Verfilmung von "Die zwei Gesichter des Januars" geht es um die Rivalität zweier Männer, die beide etwas zu verbergen haben, die beide immer mehr in ein hintersinniges Intrigenspiel um Macht, Abhängigkeiten und Konkurrenz geraten. Das Athen der 60er-Jahre mit seinen antiken Sehenswürdigkeiten, die die Erinnerung an die großen griechischen Tragödien wachrufen, spielen sich niemals pittoresk in den Vordergrund, sondern sind der perfekte Schauplatz für diesen eleganten Thriller.

Der Amerikaner Rydal (Oscar Isaac) hält sich mehr schlecht als recht als Fremdenführer in Athen über Wasser. Warum er ausgerechnet den Kontakt zu seinen Landsleuten, dem Touristenpaar Chester (Viggo Mortensen) und Colette MacFarland (Kirsten Dunst) sucht, wirft die ersten Fragen auf. Fühlt er sich zu Colette hingezogen, die in seinem Alter ist? Warum baut er gegen den älteren Chester von Beginn an ein Konkurrenzverhältnis auf? Was provoziert ihn an dessen Persönlichkeit? Wen erkennt er in diesem Mann wieder? Warum hilft er Chester bei allen Vorbehalten, eine Leiche zu entfernen?

Minimalistische Mittel begeistern

Mit Mortensen und Issac hat Amini zwei Schauspieler gewonnen, die mit minimalistischen Mitteln gegeneinander antreten, die wissen, wie sie ihre Karten auszuspielen haben und wann sie besser wieder in Deckung gehen. Manchmal glaubt man sich als Zuschauer in einer Pokerrunde. So kühl und kalt wie seine Helden agiert auch der Film. Und für spannende Verfolgungsjagden braucht es nicht immer digitale Effekte, manchmal reicht es, die Angst, die Getriebenheit der Figuren auf der Flucht, in Szene zu setzen.

"Die zwei Gesichter des Januars"
USA , Großbritannien , Frankreich;
Regie: Hossein Amini; Darsteller: Viggo Mortensen, Kirsten Dunst, Oscar Isaac;
97 Minuten; Altersfreigab ab 12 Jahren

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