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Profil / Archiv | Beitrag vom 10.04.2007

Kino für die Ohren

Die norwegische Musikerin Hanne Hukkelberg

Von Bettina Ritter

Es geht um den wilden Nordwind, der alles umweht. Oder um einen Piraten, den das tiefe Meer auf den Boden hinunterzieht. (AP)
Es geht um den wilden Nordwind, der alles umweht. Oder um einen Piraten, den das tiefe Meer auf den Boden hinunterzieht. (AP)

Sie beginnt ihre Lieder mit dem Geräusch einer Schreibmaschine, mit klirrendem Glas oder rumpelnden Topfdeckeln. Wegen ihrer klassischen hohen Stimme wird Hanne Hukkelberg mit Billie Holliday oder Björk verglichen. Vor kurzem hat sie ihr zweites Album herausgebracht und tourt zurzeit durch Deutschland.

Hanne Hukkelberg: " Für mich macht es keinen Unterschied, ob es ein Instrument ist, ein Kessel, ein Fenster oder ein Fahrrad. Wenn ich das Geräusch mag, benutze ich es. (…) Ich finde es sogar aufregender, keine Instrumente zu benutzen, sondern Dinge aus dem alltäglichen Leben, weil sie sehr konkrete Gedanken oder Gefühle in den Leuten erzeugen. Zum Beispiel, wenn sie eine Schreibmaschine hören, haben sie sofort ein Bild vor Augen. Ich finde es sehr aufregend, damit zu experimentieren. "

Kino im Kopf, das möchte Hanne Hukkelberg mit ihren Liedern erreichen. Eine Schreibmaschine, ein Beutel voll Altglas, ein paar Töpfe und Tassen, oder auch einfach eine Straßenbahn und vorbeifahrende Autos. Damit kreiert sie sofort kleine Szenen.

Die 28 Jahre alte Norwegerin ist klein und blass mit einem aufmerksamen Blick aus großen, blauen Augen. Ungeschminkt, braune, glatte Haare zum Pferdeschwanz gebunden, sehr natürlich. Sie erzählt vorsichtig und langsam, wirkt schüchtern.

" Schon als kleines Mädchen hatte ich den Traum, Sängerin zu werden. Aber ich habe es niemandem erzählt, es war sehr geheim. (…) Ich habe schon immer Musik gemacht, das ist ein ganz großer Teil von mir. Es war einfach immer so. Ganz natürlich. Ich habe nie gedacht, jetzt werde ich Musikerin. "

Ihre Anfänge: Klassisch. Ihr Vater ist Kirchen-Organist, ihre Mutter Pianistin. Mit drei Jahren fängt Hanne an, Klavier zu lernen und geht in einen Kinder-Chor. Sie besucht den musischen Zweig der Schule, später schafft sie es auf die Königlich-Norwegische Musikakademie in Oslo. Hier studiert sie vier Jahre lang Jazz, aber in ihrer Freizeit singt sie in einer Rock-Band.

" Alternativem Rock fühle ich mich sehr nah: Nirvana, Soundgarden und Pixies. (…) Als ich auf dem Gymnasium war, habe ich sogar in einer Doom-Metal-Band mit dem Namen "Funeral"- Beerdigung - gesungen. Die Metal-Typen hatten bemerkt, dass ich eine klassische, sehr hohe Stimme hatte. Das war damals in der Metal-Szene modern. Also haben sie mich gefragt, ob ich bei einigen ihrer Stücke mitsinge. Das habe ich gemacht, und es war eine gute Erfahrung. "

Vor drei Jahren veröffentlichte Hanne Hukkelberg ihr Debüt-Album, "Little Things". Seitdem wird sie von Kritikern mit Billie Holliday oder auch gern mit Björk verglichen.

" Ich bin sehr stolz auf diesen Vergleich. Björk und Billie Holliday sind große Künstlerinnen und Sängerinnen. Aber inzwischen bin ich es leid, dass ich nur mit Frauen verglichen werde. Ich fühle mich auch männlichen Sängern und Komponisten sehr nah. Also, warum immer der Vergleich nur mit Frauen. Musik hat doch kein Geschlecht. "

Hanne Hukkelberg lebt in Oslo. Ob allein, verheiratet oder mit Kindern? Diese Fragen möchte sie nicht beantworten. Zu privat, sagt sie, und wird rot. Allein in ihrer Musik öffnet sie sich. Die Lieder erzählen richtige Geschichten. Es geht um den wilden Nordwind, der alles umweht. Oder um einen Piraten, den das tiefe Meer auf den Boden hinunterzieht. Kino im Kopf. Ihre Stücke nennt sie "cinematisch".

Hanne: " Wenn ich Musik höre und mache, denke ich oft in Bildern. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich die Musik malen kann, oder dass ich mich in einer bestimmten Form dazu bewegen will. Das meine ich, wenn ich sage, dass Musik cinematisch ist. "

Nur konsequent, dass sie deshalb auch angefangen hat, Musik für die Leinwand und fürs Fernsehen zu komponieren. Darauf ist sie auch angewiesen, denn von ihren Platten allein kann sie nicht leben.

" Ich würde gern Filmmusik komponieren. Ich habe noch nie Musik für einen langen Film gemacht, nur für einen Kurzfilm. Das war toll. (…) Außerdem hoffe ich, dass ich irgendwann gut genug bin, um als Produzentin zu arbeiten. Das ist mein Traum. "

Service: Am 10. April 2007 beginnt Hanne Hukkelberg ihre Deutschland-Tour in Hamburg, am 11.4. ist sie in Berlin, danach in Köln, München, Dortmund, Erlangen und Marburg.

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