Mittwoch, 25.11.2020
 

Tonart | Beitrag vom 19.11.2020

King Gizzard & The Lizard Wizard: "K.G."Ein Album für Pop-Abenteurer

Von Christian Lehner

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Die australische Psychedelick-Rock-Band King Gizzard & the Lizard Wizard im März 2018 in Kopenhagen (Gonzales Photo - Simon Skipper 7 picture alliance / Photoshot)
Gitarrist und Sänger Stu Mackenzi im März 2018 in Kopenhagen: „Die Tonsprünge auf westlichen Instrumenten sind starr.“ (Gonzales Photo - Simon Skipper 7 picture alliance / Photoshot)

King Gizzard & The Lizard Wizard haben zig Genres im Repertoire und sind ungeheuer produktiv. Auf ihrem 17. Album "K.G." geben sich die Erben Frank Zappas dystopisch. Doch auch ein Love-Song ist dabei.

"Die Ideen sind da, bevor ich eine Gitarre in die Hand nehme und bevor ich den Mund aufmache. Es geht darum, etwas zu schaffen, das es noch nicht gibt."

Musik, die gegen den Stream schwimmt: Alles, was King Gizzard & The Lizard Wizard anstellen, verstößt gegen die neuen Regeln der Popmusik. Das beginnt bei dem lustig komplizierten Bandnamen, der sich wie ein Zungenbrecher liest und nur schwer vermarktbar ist. Das endet bei einer Musik, die viel zu sprunghaft ist für die auf Gleich- und Wohlklang ausgerichteten Playlists dieser Welt.

Eigenes Festival "Gizzfest" 

Nur der viel kritisierten Aufforderung von Spotify-Mitgründer Daniel Ek, Musiker und Musikerinnen sollten gefälligst ununterbrochen produzieren, kommt die Rockband rund um Sänger und Songschreiber Stu Mackenzie gerne nach.(*) In zehn Jahren hat die Band aus Melbourne 16 Studioalben veröffentlicht – dazu jede Menge Live-Alben und Konzertfilme. Mit dem "Gizzfest" hat die Rockband sogar ein eigenes Festival ins Leben gerufen.

"Fragen Sie meine Frau, die denkt ich bin ein Maniac. Wir sind einfach happy, wenn wir produzieren. Die Leute denken, wir hauen eine Platte nach der anderen raus. Das stimmt aber nicht. Auch wir benötigen für ein Album gut ein bis zwei Jahre. Der Unterschied: Wir arbeiten gleichzeitig an mehreren Alben und wir arbeiten in einem fort. Vielleicht liegt der große Output auch an unserer Dankbarkeit. Ich bin so dankbar, dass ich diese Musik machen darf und davon leben kann."

Der Stil von King Gizzard & The Lizard Wizard ist so abenteuerlich wie die Veröffentlichungsgeschichte der Band. Der Sound variiert stark: Psychedelic Rock, Dance Beats, Heavy Metal, Folk, Weltmusik und Jazz schwappen wie Wellen von Album zu Album. Bestimmte Gitarrenriffs und Themen tauchen ein paar Alben später als Signaturen wieder auf. Trotz Retro-Sounds erlaubt die Veröffentlichungsdichte Kommentare zu aktuellen Ereignissen.

"Das Album ist den Zeiten entsprechend finster und pessimistisch. Es gibt aber auch optimistische Momente wie im Lockdown-Love Song 'Honey'. Das ist pure, süße Liebe mit viel Vitaminen: Honey, die Welt ist down, aber du machst mich glücklich in diesem Moment."

Dystopische Märchen über unsere Zeit

King Gizzard And The Lizard Wizard erzählen ihre Geschichten über Klimawandel, Rassismus und Ausbeutung häufig als Science Fiction-Fabeln oder dystopische Märchen.

Das neue Album "K.G." ist ein stilistischer Überblick über zehn Jahre King Gizzard & The Lizard Wizard. Musiktechnisch greift die Band auf das Konzept der mikrotonalen Musik zurück, das bereits auf dem 2017er-Album "Flying Microtonal Banana" zur Anwendung gekommen ist. Dabei wird das bestehende Tonsystem um Zwischentöne erweitert, die man in der Popmusik eher selten zu hören bekommt.

"Die Tonsprünge auf westlichen Instrumenten sind starr, in anderen Kulturen sind sie häufig flexibel. Ich habe mir die Technik der mikrotonalen Musik während eines längeren Türkeiaufenthaltes angeeignet und ein Baglama gekauft, das ist eine türkische Laute. Um mikrotonale Effekte zu erreichen, haben wir unsere Gitarren umgebaut und am Griffbrett neue Bünde eingezogen. Auf dem neuen Album haben wir das Konzept nun auf die Spitze getrieben."

Obwohl sich King Gizzard & The Lizard Wizard mit Songs wie "Honey" und "Straws in the Wind" durchaus dem Format "Popsong" annähern, wird das zehn Stücke umfassenden Album wohl auch dieses Mal nicht die Charts hinaufklettern.

Man kann sich aber schön verlieren und auch verirren in dieser Musik. "K.G." ist ein Album für Popabenteurer, die weder Titel wie "The Hungry Wolf of Fate" fürchten noch das stilistische Dickicht dieser mikrotonalen Psychedelika. Vorbild Frank Zappa hätte seine Freude an seinen musikalischen Erben.

*Redaktioneller Hinweis: Wir haben den Namen und die Rollenbezeichnung korrigiert.

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