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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 30.10.2019

Kindheit in Ost und West"So verschieden waren wir nicht"

Von Lydia Heller und Christine Watty

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Die Sandmänner aus Ost- und Westdeutschland schauen sich tief in die Augen. (picture alliance / dpa / ZB Fotoreport / Matthias Hiekel)
Klassenfeinde oder gute Kumpel? Die Sandmänner aus West- und Ostdeutschland (rechts). (picture alliance / dpa / ZB Fotoreport / Matthias Hiekel)

Christine Watty ist in der Bundesrepublik aufgewachsen, im Odenwald, Lydia Heller in Mecklenburg, in der DDR. Beide haben Kindheit und Jugend auf dem Land erlebt und fragen sich heute: Waren unsere Kindheiten wirklich so verschieden?

Kindheit in der DDR, Kindheit in der BRD: Wie viele Ähnlichkeiten gab es im deutsch-deutschen Alltag jenseits des ideologischen Antagonismus? Ost und West. Kapitalismus - Sozialismus. Freiheit - Diktatur. Wirtschaftswunder - Versorgungsmängel.

Die Erinnerung an die Zeit des Kalten Krieges ist bis heute geprägt von den gegensätzlichen Weltanschauungen, Systemen und Lebensverhältnissen. War wirklich alles so verschieden "hüben und drüben"?

Diese Frage beschäftigt die beiden Autorinnen, seitdem sie sich ihre Kindheitsgeschichten erzählt haben. Beide sind alt genug, um "den Osten" beziehungsweise "den Westen" erlebt zu haben – und jung genug, um im vereinten Deutschland unvoreingenommen ins Erwachsenenleben gestartet zu sein.

Kleinstadtjugend in Ost und West

"Erinnerst Du Dich noch, wie wir das erste Mal festgestellt haben, dass wir uns beide mit ganz ähnlichen Gefühlen an unsere Kindheit erinnern? Und an die Orte, aus denen wir kommen?" – Lydia Heller. Geboren 1973 in Schwerin, aufgewachsen in Gadebusch. Damals eine Kleinstadt im Nordwesten der DDR, keine zwanzig Kilometer von der innerdeutschen Grenze entfernt.

"Ich erinnere mich vor allem daran, dass wir beide damals ganz erschrocken über diese Feststellung waren." – Christine Watty. Geboren 1976 in Buchen und dort aufgewachsen. Eine Kleinstadt im Odenwald, aufgeräumte westdeutsche Provinz.

Lydia Heller: "Naja klar! Ich bin schließlich ‚hinter dem Eisernen Vorhang‘ groß geworden. Und du in der Freiheit!"

Mutter und Schulanfänger mit Zuckertüte im Auto (Leipzig, etwa 1978) (dpa / image Broker)Die Schultüte in der Hand und ziemlich aufgeregt: Fotos vom erste Schultag sahen in Ost und West ziemlich ähnlich aus. Hier eine Aufnahme aus Leipzig (etwa 1978). (dpa / image Broker) 
Christine Watty: "So ist immer das offizielle Bild, ja! Deswegen ja auch sofort der Reflex: Man kann DDR-Jugend nicht mal eben so einfach mit BRD-Jugend vergleichen."

Heller: "Da verherrlicht man am Ende eine Diktatur – das war meine Sorge dann immer."

Watty: "Und ich dachte bei jedem aufkeimenden ‚Das war bei uns auch so‘-Gedanken, dass mir der sozusagen gar nicht zusteht – als die mit der West-Vergangenheit."

Kindheitsgeschichten jenseits ideologischer Muster

Die Reise der beiden Autorinnen führt zu den Orten ihrer Kindheit und frühen Jugend, in Ost und West. Es ist eine Reise in die Vergangenheit.

Ehemalige Freunde und Weggefährten besuchen. Sich gegenseitig vom Aufwachsen erzählen. Davon, was den Alltag bestimmt hat, damals, in den 80ern, in Buchen und in Gadebusch. Welche Musik und welche Klamotten wichtig waren. Ob Politik interessiert hat. Welche Träume man hatte. Und: welche Grenzen. Deutsch-deutsche Kindheitsgeschichten - jenseits ideologischer Muster erzählt.

Produktion: Friederike Wigger
Redaktion: Jana Wuttke / Winfried Sträter

Das Feature wurde erstmals am 7. Oktober 2015 gesendet. Das vollständige Manuskript zur Sendung erhalten Sie hier.

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