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Interview / Archiv | Beitrag vom 18.02.2014

KinderpornografieNicht einfach nur ein "schönes Angucken"

Leiterin der Beratungsstelle KiZ fordert klare Regeln auch für Posing-Fotos

Sigrid Richter-Unger über die Grenzbereiche von Kinderpornografie

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Strandkorb und Sandburg in St. Peter-Ording an der Nordsee. (Jan-Martin Altgeld)
Um harmlose situative Familienfotos geht es nicht bei der Diskussion um Kinderpornografie, sagt Sigrid Richter-Unger. (Jan-Martin Altgeld)

Ab welchem Zeitpunkt werden Fotos unbekleideter Kinder problematisch? Die Leiterin der Beratungsstelle "Kind im Zentrum", Sigrid Richter-Unger, sieht Nachholbedarf bei Gesetzen zu Kinderpornografie und Posing-Fotos.

In der Edathy-Affäre hat es die ersten politischen Konsequenzen gegeben, die Große Koalition muss eine Vertrauenskrise bewältigen. In der Debatte kommen die eigentlich Betroffenen selbst kaum zu Wort – die Kinder. Im Deutschlandradio Kultur äußerte sich die Leiterin der Beratungsstelle "KiZ Kind im Zentrum" des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerkes, Sigrid Richter-Unger.

In der Debatte geht es auch um die Strafbarkeit von sogenannten Posing-Fotos, auf denen Kinder unbekleidet zu sehen sind. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung wünscht sich eine Verschärfung der Gesetze im Bereich Kinderpornografie. Die Gesetze hierzulande seien gut, so Richter-Unger, aber es gebe Nachholbedarf: Es müsse klare Regelungen auch für das Beziehen von Bildern geben. Es sei nicht einfach nur ein "schönes Angucken", wenn man Bilder nackter Mädchen und Jungen sammle.

Klarer Unterschied zu harmlosen Familienfotos

Problematisch würden Fotos von Kindern, so Sigrid Richter-Unger in dem Moment, wenn Kinder gezielt gestellt und bewusst unbekleidet abgelichtet würden. Da gebe es einen klaren Unterschied zu harmlosen situativen Familienfotos.

In den meisten Fällen würde Kindern es auffallen, dass etwas Merkwürdiges, Verbotenes geschehe: "wenn Erwachsene etwas Bestimmtes von ihnen wollen und an bestimmten Sachen interessiert sind, oder aber auch nur an bestimmten Posen interessiert sind, wie sie stehen, dass sie unbekleidet sind."

Dabei könne man nicht sagen, welche Altersgruppe besonders gefährdet sei, so Richter-Unger. Das hänge von den sexuellen Interessen der Täter ab.

Hilfe suchten in den meisten Fällen Erzieherinnen oder Mütter, "weil ihnen an den Kindern etwas aufgefallen ist, weil sie Situationen beobachtet haben, weil sie vielleicht auch das Gefühl haben, wenn jemand aus dem Bekanntenkreis kommt: 'der benimmt sich oft so komisch den kindern gegenüber'." Oft gebe man den Hilfesuchenden Tipps für offene Gespräche mit den Kindern. Man müsse den Kleinen klar machen: "Wenn dir etwas nicht gefällt, sag' es mir und ich schimpfe auch nicht". Wichtig sei dann, das auch einzuhalten, nicht zu schimpfen, sondern lediglich seine Besorgnis zu äußern.

Weiterführende Information

Link zur Webseite der Beratungsstelle:
"KiZ Kind im Zentrum"

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