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Im Gespräch | Beitrag vom 20.07.2021

Kinder- und Jugendbuchautorin Annette Herzog"Du lernst Dänisch!"

Moderation: Katrin Heise

Annette Herzog (Simon Bruun Fals)
"Dänemark ist in den letzten 20 Jahren immer ausländerfeindlicher geworden", sagt Autorin Annette Herzog. (Simon Bruun Fals)

Die dänische Sprache wurde Annette Herzog in der DDR als Studienfach zugeteilt. Traurig ist sie darüber nicht. Inzwischen lebt sie in Kopenhagen, schreibt Bücher auf Dänisch und hat dafür auch Preise gewonnen. Nur Dänin zu werden, war schwierig.

Eigentlich wollte Annette Herzog Englisch und Schwedisch studieren. Doch an der Uni Greifswald, in der ehemaligen DDR, wo die 1960 geborene Brandenburgerin eingeschrieben war, konnte man das nicht selbst entscheiden: "Wir durften gar nicht wählen, sondern wurden eingeteilt. 'Du lernst Dänisch!'" Das war zwar nicht ihre Wunschsprache, aber immerhin nicht Finnisch: "Finnisch hat 16 grammatische Fälle und das wollte keiner." Nach dem Fall der Mauer verlässt sie mit Mann und vier Kindern ihre alte Heimat. Durch einen Zufall stößt sie auf ein Job-Angebot in Dänemark.

"Bei dänischen Kinderbüchern gibt es keine Tabus"

Inzwischen lebt Herzog seit 30 Jahren in Kopenhagen. Ihre Kinder- und Jugendbücher schreibt sie sowohl auf Deutsch als auch auf Dänisch - angepasst an den jeweiligen Buchmarkt: "In Deutschland sind das bei den leicht lesbaren Büchern eher niedliche Themen, über Drachen, Einhörner, Freundschaften, Detektivgeschichten und so weiter. In Dänemark sind die Themen oft ernster, herausfordernder, das kann mal von Kindersoldaten handeln, Kindern im Krieg, ernstem Mobbing, da kann auch mal ein Kind sterben. Es sind oft recht barsche Themen, und es gibt keine Tabus."

Dass sie auf Dänisch schreibt, ihre Bücher in Dänemark im Schulunterricht verwendet und bereits mehrfach ausgezeichnet wurden, reichte der Einwanderungsbehörde allerdings nicht aus, ihr die Sprachfähigkeit für die dänische Staatsbürgerschaft zuzutrauen. "Ich habe eine Liste der Bücher geschickt, und auch eine Liste der Preise, die ich erhalten habe. Ich hatte auch einen dänischen Hochschulabschluss. Zu meiner Überraschung hat das alles nicht gereicht." Erst als ihr Fall öffentlich wird, "weil er so grotesk war", bewegt sich die Bürokratie. Seit Kurzem ist sie offiziell Bürgerin Dänemarks.

Andere, die diese öffentliche Aufmerksamkeit nicht haben, hätten es da schwerer. "Das hat etwas damit zu tun, dass Dänemark in den letzten 20 Jahren immer ausländerfeindlicher geworden ist", erklärt Herzog.

Dänen die DDR erklären

Neben Bilder- und Kinderbüchern hat sie auch zwei Graphic Novels für Jugendliche veröffentlicht, "Pssst" und "Herzsturm/Sturmherz", die sehr erfolgreich sind und in verschiedene Sprachen übersetzt wurden. Jetzt ist ihr erstes Buch für Erwachsene erschienen - eine Geschichte der DDR: "Es ist eine Sammlung von Anekdoten geworden. Sie sollen das Leben in der DDR von verschiedenen Seiten beleuchten, sowohl das, was gut war, als auch das, was furchtbar war."

Dieser Einblick bleibt vorerst den Dänen vorbehalten, die sie auch beim Schreiben des Buches im Kopf hatte: "Es war so, dass die Dänen immer großes Interesse für die DDR hatten und immer neugierig waren."

(mah)

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