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Interview / Archiv | Beitrag vom 17.06.2016

Kinder- und Jugendärztetag "Kinderrechte gehören ins Grundgesetz"

Josef Kahl im Gespräch mit Frank Meyer und Katja Schlesinger

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Ein Fünfjähriger steht verzweifelt in einem Tunnel (imago/Roland Mühlanger)
Gewalt gegen Kinder und Jugendliche gehört immer noch zum deutschen Familienalltag (imago/Roland Mühlanger)

Mit 139 Kindstötungen ist die Zahl dieser Verbrechen 2015 sogar gestiegen. Josef Kahl fordert deshalb im Namen des Verbandes der Kinder- und Jugendärzte, die Kinderechte endlich im Grundgesetz zu verankern.

Einen besseren Kinderschutz forderte der Vorstand des Verbandes der Kinder- und Jugendärzte, Josef Kahl im Deutschlandradio Kultur anlässlich des Kinder- und Jugendärztetags in Berlin. Das 2012 verabschiedete neue Kinderschutzgesetz sei zwar ein richtiger Schritt in die richtige Richtung, reiche aber nicht aus.

Dank des Gesetzes habe sich die Einstellung vieler Erwachsener gegenüber der Prügelstrafe verändert und die Zahlen seien zurückgegangen, sagte Kahl. "Was allerdings noch nicht zurückgegangen ist, sind diese harten Fälle von Kindesmisshandlung, Tötung von Kindern, Ermordung von Kindern, sexueller Missbrauch." Es gebe vielleicht einen leichten Rückgang, aber die Dunkelziffern seien laut Studien immer noch extrem hoch.

Petition blieb bislang im Bundestag unbeachtet

"Wir sagen ja auch, die Kinderrechte gehören ins Grundgesetz", sagte Kahl. Das sei eine langjährige Forderung des Verbandes, ebenso wie der Ruf nach einem Kinderbeauftragten im Deutschen Bundestag. Eine Petition mit mehr als 100.000 Unterschriften sei bisher vom Parlament nicht ordentlich bearbeitet worden. "Wir würden uns auch wünschen, dass in den Vorsorgeuntersuchungen bessere Früherkennungsinstrumente eingebaut wären, damit wir diese Familien auch frühzeitig erkennen und ihnen Hilfe anbieten können."

Direkter Draht zur Jugendhilfe nötig  

"Das ist eine Katastrophe", sagte Kahl zu der Zahl von 130 Kindstötungen für das Jahr 2015, die mit 22 getöteten Kindern über der des Vorjahres lag. Der Verband der Kinder- und Jugendärzte fordere deshalb unter anderem eine bessere Vernetzung zwischen Kinderärzten und Jugendhilfe. Es sei wichtig, dass Ärzte lokal auch nach 16 Uhr und am Abend jemanden bei der Jugendhilfe erreichen könnten, um kurzfristig helfen zu können. "Da liegt ein großer Hemmschuh noch." Wenn Gefahr im Verzug sei, müsse ohnehin die Polizei eingeschaltet werden.

Der Kinderschutz steht im Mittelpunkt des Kinder- und Jugendärztetags, der in Berlin tagt. Vorgestellt werden unter anderem neue Studien zu Anzeichen von Misshandlungen.

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