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Ortszeit / Archiv | Beitrag vom 02.01.2014

KiffenUS-Staat Colorado erlaubt Marihuana-Verkauf

Kundenansturm auf Coffeeshops

Von Nana Brink

Eine Marihuana-Aufzucht in Denver, Colorado (dpa / pa / Watlington)
Eine Marihuana-Aufzucht in Denver, Colorado (dpa / pa / Watlington)

Bislang konnte man Marihuana in 20 US-Bundesstaaten allein zu medizinischen Zwecken kaufen. Jetzt ist Cannabis in Colorado und Washington frei im Handel erhältlich. Und der Charme des Illegalen weicht knallhartem Business.

Viele in den USA vergleichen die Freigabe von Marihuana mit der Aufhebung der Prohibition 1933. Vor allem die Konsumenten natürlich, die in Denver schon Stunden vor Öffnung der ersten Läden vor den Stufen sitzen. Noch ohne Joint.

"Wir sind Pioniere, wie wollen die ersten sein, wir haben 35 Jahre gewartet", sagt Kathy, die sich in eine lange Schlange eingereiht hat. Bislang konnte man Marihuana in 20 Bundesstaaten allein zu medizinischen Zwecken kaufen. Jetzt ist Cannabis in Colorado und Washington frei im Handel erhältlich. In Denver, der Hauptstadt von Colorado, hat sich schon seit Monaten ein regelrechter Markt entwickelt mit Unternehmen, die sich auf die Herstellung von Cannabis eingerichtet haben. Ganz legal.

3,5 Gramm für 45 Dollar

"Wir haben wir eine imposante Ausstellung eingerichtet. Um zu zeigen, das ist eine Industrie, kein Untergrund-Business". Andy Williams ist der Gründer von "Medicin Man" – übersetzt "Medizin-Mann", eines der neuen Unternehmen auf dem Marihuana-Markt. Mit Schlipps und Kragen gibt Williams seit Tagen rund um die Uhr Interviews. Seine Firma, mitten in Denver, gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Draußen vor der Tür bewaffnete Sicherheitskräfte - innendrin arbeiten 25 neue Mitarbeiter in den Gewächshäusern.

"Die Kunden wollen es nicht so blättrig, eher fest und dicht", sagt Andy Williams, der Medizinmann.

Eine Packung "Gipsy Girl" – übersetzt etwas beschwipstes oder besser bekifftes Mädchen – gibt es schon für 45 Dollar. Darin enthalten sind 3,5 Gramm. Insgesamt darf jeder Einwohner von Colorado pro Tag eine Unze, ungefähr 28 Gramm, einkaufen. Über 600 Millionen Dollar Umsatz erwarten die Investoren allein in Colorado. Bundesweit soll der Anbau und Verkauf dieses Jahr um 64 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar wachsen.

Die Branche legt großen Wert auf Seriosität

Das Geschäft mit Marihuana zählt zu der am schnellsten wachsenden Branche in den USA. Erst recht, seit es clean ist. Was bedeutet: Der Charme des Illegalen ist knallhartem Business gewichen. Mit allen Auflagen: Die Firmen werden regelmäßig kontrolliert, der Anbau und die verbrauchsfertigen Waren unterliegen strikten Regelungen. Bislang haben auch nur 14 von über 200 Unternehmen in Colorado eine staatliche Lizenz erhalten. Die Branche legt großen Wert auf Seriosität, so Bruce Walter von "Arcview", einer Lobbyorganisation:

"Es ist immer noch illegal, zu fahren unter Marihuana-Einfluss, das Produkt außerhalb des Bundestaates zu bringen, es wieder zu verkaufen oder es an jemand unter 21 Jahren zu geben."

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup befürworten 58 Prozent aller Amerikaner die Freigabe von Cannabis. Zwar warnte die US-Drogenkontrollbehörde vor der "Verharmlosung" der Droge, die meisten aber sehen das gelassen.

"Das ist ein gutes Gesetz, und wenn wir verantwortlich damit umgehen, dann wird es auch funktionieren." Die Zeiten, als ein Joint noch etwas Aufregendes, weil Illegales war, sind längst vorbei. Sogar die Polizei ist gelassen, wie Jamie Kilray von der Denver State Police.      

"Wir haben keinen negativen Einfluss gesehen nach zehn Jahren Freigabe für das medizinische Marihuana, und wir erwarten das auch jetzt nicht."

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