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Tonart | Beitrag vom 30.06.2021

Khasi-Cymru Collective: "Sai-thaiñ ki Sur"Vom Verschmelzen der Kulturen

Von Juliane Reil

Rani Maring und Gareth Bonello vom Khasi-Cymru Collective: Die beiden spielen gerade auf der viersaitigen Duitara. (Kerme Lamare)
Rani Maring und Gareth Bonello vom Khasi-Cymru Collective: Die beiden spielen gerade auf der viersaitigen Duitara. (Kerme Lamare)

Walisischer Folk trifft Fünf-Ton-Musik aus den ostindischen Bergen: Genau das passierte vor bereits mehr als 150 Jahren. Das Album "Sai-thaiñ ki Sur" spürt diesen speziellen musikalischen Folgen des Kolonialismus nach.

Wer hätte gedacht, dass walisische Folksongs bereits vor langer Zeit im nordöstliche Indien ihre Spuren hinterlassen haben? Das Album "Sai-thaiñ ki Sur" des Khasi-Cymru Collective deckt diese hörbaren Folgen der britischen Kolonial- und Missionsgeschichte auf.

Mitte des 19. Jahrhunderts kamen christliche, walisische Missionare in die Khasi Hills im Nordosten Indiens, um die dortige Bevölkerung zu missionieren. Dabei bedienten sie sich nicht zuletzt der Musik.

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Der walisische Singer-Songwriter Gareth Bonello reflektiert die Folgen dieser Christianisierung für die Musikgeschichte der ost-indischen Khasi Hills:

"Die mündliche Kultur der Khasi ging verloren oder veränderte sich zumindest dramatisch, weil die Missionare sie als Kultur von Heiden – von Nicht-Christen – ansahen. Das Gleiche hatten sie bereits in ihrer walisischen Heimat gemacht. Folksongs wurden zum Beispiel zu Gebets- und Kirchenliedern. Das war ein Effekt, den sie gleichsam in die Khasi Hills exportierten."

Ein sehr liebevolles, kreatives Album

Die Missionare etablierten ein Buch mit Khasi-Hymnen, die heute noch von den Khasi gesungen werden. Aber die Khasi haben diese Hymnen nie mit ihren traditionellen Instrumenten gespielt, also nicht mit der Duitara, einem viersaitigen gitarrenähnlichen Instrument. Das war verpönt.

Genau das passiert jetzt aber auf dem Album "Sai-thaiñ ki Sur". Gitarre und Duitara sind gleichzeitig zu hören. "Und das ist ein Statement: die Kulturen stehen gleichberechtigt nebeneinander", sagt unsere Kritikerin Juliane Reil.

"Sai-thaiñ ki Sur" ist insofern ein sehr liebevolles, kreatives Album, das vom Verschmelzen der Kulturen handelt. Es zeichnet sich durch einen sensiblen Umgang mit Geschichte aus und zeigt, dass ein echter Dialog zwischen den Kulturen entstehen kann.

"Ein wunderschönes und außergewöhnliches Projekt", meint Reil.

(huc)

Das Album des Khasi-Cymru Collective ist bei Naxos World erschienen. Es ist außerdem auf Bandcamp erhältlich. Weitere Informationen finden sich auf der Website von Gareth Bonello.

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