Seit 07:20 Uhr Politisches Feuilleton

Montag, 16.12.2019
 
Seit 07:20 Uhr Politisches Feuilleton

Konzert / Archiv | Beitrag vom 16.01.2019

Kerem Hasan in KopenhagenTrau‘ keinem über 30

Moderation: Volker Michael

Der Dirigent Kerem Hasan (Tristan Fewings/KD Schmid)
Der Dirigent Kerem Hasan (Tristan Fewings/KD Schmid)

Ganz jung sind Dirigent und Solisten in diesem Konzert, das das Sinfonieorchester des Dänischen Rundfunks im vergangenen November gespielt hat. Kerem Hasan und die Jussen-Pianoduo-Brüder sind Mitte zwanzig und dennoch schon gut bekannt.

In diesem Konzert des Dänischen Radio-Sinfonieorchesters gilt die altbekannte Regel uneingeschränkt, dass man keinem Menschen trauen solle, der die magische Altersgrenze von dreißig Jahren überschritten hat. Sowohl der englische Dirigent Kerem Hasan als auch die beiden niederländischen Pianisten Arthur und Lucas Jussen sind Mitte Zwanzig und gleichwohl schon etabliert im internationalen Musikgeschäft.

Jung und nicht ungestüm

Doch man sollte von derart jungen Künstlern keinen ungestümen Musikgeschmack oder revolutionäre Programme erwarten. Lieber setzen sie auf das Bewährte. Im Fall des Konzerts im Kopenhagener Koncerthuset des Dänischen Rundfunks im vergangenen November waren das Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Dmitrij Schostakowitsch.

Das Konzerthaus des Dänischen Rundfunks in Kopenhagen (Volker Michael)Das Konzerthaus des Dänischen Rundfunks in Kopenhagen (Volker Michael)

Schwarm für Freiheit

Die Jussen-Brüder spielten nach der Titus-Ouvertüre von Wolfgang Amadeus Mozart dessen Konzert für zwei Klaviere KV 365 und gerieten anschließend ins Schwärmen ob der musikalischen Freiheiten, die sie im Zusammenspiel mit dem dänischen Orchester genießen und ausreizen konnten.

Neuer Chef in Tirol

Kerem Hassan, der frisch gebackene Chefdirigent des Tiroler Sinfonieorchesters in Innsbruck, hat schon viele renommierte Orchester wie das Concertgebouw Amsterdam und das Orchester des ORF in Wien geleitet. Er nahm in Kopenhagen wesentlichen Einfluss auf Art und Umfang dieser von den Jussens empfundenen Freiheit, genauso wie er dann für mitreißende Perfektion in einer Orchestersuite von Dmitrij Schostakowitsch sorgte. Die hat der US-amerikanische Dirigent James Conlon für den Konzertgebrauch aus der bitterbös-sozialkritischen Oper "Lady Macbeth von Mzensk" zusammengestellt.

Chaos statt Musik

Schostakowitschs Oper ist in die Geschichte eingegangen, weil sie den Diktator Stalin wahrscheinlich höchstselbst zu einem Prawda-Artikel angeregt hat. Dieser Artikel mit dem Titel "Chaos statt Musik" stellte aber nicht nur die schlechte Laune des Politikers heraus, sondern zugleich für den Komponisten eine immense Gefahr dar. An der daraus resultierenden Angst wäre Schostakowitsch beinah zerbrochen, hätte er nicht das Komponieren als befreiendes und selbstbehauptendes Ventil nutzen können.

DR Koncerthuset Kopenhagen
Aufzeichnung vom 22. November 2018

Wolfgang Amadeus Mozart
Ouvertüre zur Oper "La clemenza di Tito" KV 621
Konzert für zwei Klaviere und Orchester Es-Dur KV 365

Dmitrij Schostakowitsch
Sinfonische Suite aus der Oper "Lady Macbeth of Mzensk" op. 29a
(arrangiert von James Conlon)

Arthur Jussen, Klavier
Lucas Jussen, Klavier
Dänisches Radio-Sinfonieorchester
Leitung: Kerem Hasan

Mehr zum Thema

"Lady Macbeth von Mzensk" in München - Hysterie und Radau in der Fabrikhalle
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 28.11.2016)

Julian Barnes: "Der Lärm der Zeit" - Der Komponist im Treppenhaus
(Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik, 21.02.2017)

Franz Schmidts monumentales Oratorium - Das Buch mit sieben Siegeln
(Deutschlandfunk Kultur, Konzert, 01.02.2018)

András Schiff in Dänemark - Multitasking in Bedrängnis
(Deutschlandfunk Kultur, Konzert, 27.11.2016)

Drei Violinkonzerte mit Leonidas Kavakos - Der Bach, der Berg und der Brahms
(Deutschlandfunk Kultur, Konzert, 17.01.2017)

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur