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Konzert / Archiv | Beitrag vom 27.07.2017

Kent Nagano und die BR-Ensembles bei den Salzburger FestspielenKosmische Visionen

Aufzeichnung aus der Felsenreitschule

Kent Nagano (Felix Broede)
Kent Nagano (Felix Broede)

Es war ein Abend der Extreme: Oliver Messiaens Verklärungs-Fantasie "La Transfiguration" fordert rund 200 Mitwirkende über knapp zwei Stunden, und György Ligetis "Lux aeterna" gilt wiederum als eines der schwierigsten a-cappella-Chorstücke überhaupt.

Aber die Klangkörper des Bayerischen Rundfunks und Kent Nagano sind nicht so leicht zu verschrecken und haben das Programm vor einigen Wochen in München schon einmal bewältigt, so dass jetzt in Salzburg ein neuer Abend kosmischer Visionen anstehen könnte. Denn über die Grenzen von Raum und Zeit hinweg und in transzendente Bereiche hinein dachten beide Komponisten – der strenggläubige und dabei glühend fantasievolle französische Katholik wie der im amtskirchlichen Sinne eher skeptische, aber ebenfalls immer auf die großen, geschichts- und manchmal auch menschheitsübergreifenden Weltzusammenhänge orientierte Exil-Ungar.

Beide erklingenden Werke entstanden in der Mitte der 60er Jahre – mit dem Unterschied, dass Ligeti seine ätherisch-zerbrechliche Klangwolke in relativ kurzer Zeit niederschrieb, während Messiaen rund fünf Jahre lang mit der gewaltigen Aufgabe rang, aus seiner  individuellen Sicht der Verklärung Christi – gemäß der Berichten der Evangelien quasi ein früher, antizipatorischer Einbruch des Jenseitigen in das irdische Leben – eine ganzheitliche, weit über das Einzelereignis hinausgehende Glaubensvision zu formen. Das Ergebnis, verglichen Ligeti in Klanggestalt wie zeitlicher Ausdehnung wesentlich opulenter, wirkt wie eine monumentale musikalische Meditation, auf die man sich als Hörer bewusst einlassen muss – die dann aber auch die Kraft hat, uns für einige Zeit aus dem Getriebe des durchtechnisierten und -digitalisierten Alltags herauszuheben.

Salzburger Festspiele
Felsenreitschule
Aufzeichnung vom 21. Juli 2017

György Ligeti
"Lux aeterna" für 16-stimmigen gemischten Chor a cappella

Olivier Messiaen
"La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ" für gemischten Chor, sieben Instrumentalsolisten und Orchester

Pierre-Laurent Aimard, Klavier
Chor des Bayerischen Rundfunks
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Leitung: Kent Nagano

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