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Lesart / Archiv | Beitrag vom 04.11.2007

Keine Angst vor dem Klimawandel

Dirk Maxeiner: "Hurra, wir retten die Welt"

Rezensiert von Burkhard Müller-Ullrich

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Damit der Schnee nicht schmilzt, wird die Zugspitze mit Plastikmatten ausgelegt. (AP)
Damit der Schnee nicht schmilzt, wird die Zugspitze mit Plastikmatten ausgelegt. (AP)

Kann der Klimawandel wirklich vorhergesehen und wissenschaftlich belegt werden? Und würde die Erwärmung wirklich dramatische Folgen haben? - In dem Sachbuch "Hurra, wir retten die Welt" hinterfragt Dirk Maheimer die Klimaprognosen von Wissenschaftlern und warnt vor allzu großer Panik.

Dirk Maxeiner hält es mit der Skepsis. Sein Buch - er sagt es selbst im Vorwort - ist keine Abrechnung à la "Die Klimalüge" oder "Der Klimaschwindel". Denn auch das wäre eine falsche Gewissheit. Ein Skeptiker hingegen ist jemand, der den Mut hat, den Satz "Ich weiß es nicht" auszusprechen.

"Wie wird das Klima auf der Erde in einhundert oder zweihundert Jahren sein? Ich weiss es nicht. Ich glaube auch nicht, dass ich es wissen kann. Und ganz wichtig: Ich glaube nicht, dass es überhaupt jemand wissen kann."

Für diese Ungläubigkeit gibt es allerdings handfeste Gründe. Um sie zu explorieren, führt Maxeiner den Leser weit herum: zum heißesten und kältesten Ort der Erde, Death Valley in der Wüste von Nevada und Oimjakon im Nordosten Sibiriens sowie zu zahlreichen Wissenschaftlern und Forschungsinstituten rund um den Globus.

Es sind oft angesehene Leute, die auf ihren Fachgebieten Großes geleistet haben, und die in den gängigen Klimamodellen entscheidende Fehler entdecken. Doch gegen die Phalanx der Klimakatastrophenkrieger kommen sie kaum an. Medien und Politik haben sich zu Verbündeten einer fragwürdigen Theorie gemacht, die von einer äußerst autoritär auftretenden Expertentruppe verfochten wird.

"Um Missverständnisse zu vermeiden: Die Politik hat die 'Klimakatastrophe' nicht erfunden. Es gibt keine finstere Verschwörung. Die Besorgnis vor einer globalen Erwärmung durch Treibhausgase kam aus der Wissenschaft und hat sich dort über Jahrzehnte entwickelt. Die Politik hat das Thema dann allerdings ziemlich willkürlich unter vielen anderen Besorgnissen der Menschheit herausgegriffen und beutet es nun für ihre Zwecke aus."

So hat jeder seine Gründe, um das Gespenst der Klimakatastrophe an die Wand zu malen: Selbst als gescheiterter US-Präsidentschaftskandidat kann man einen vorn und hinten fehlerhaften Film darüber machen und bekommt dafür den Friedensnobelpreis. Und die Klimaforscher ihrerseits haben wohl kaum ein Interesse daran, jemals Entwarnung zu geben. Denn zur Erforschung einer nichtvorhandenen oder auch nur vagen Bedrohung würden die Fördermittel nicht so reichlich fließen.

Freilich sind das alles keine Argumente für oder gegen die inhaltliche Richtigkeit der These von der menschengemachten Erderwärmung. Sie jedoch steht im Zentrum von Maxeiners Buch. Und sie lässt sich auf drei Ebenen diskutieren: Erstens: Wird es wirklich wärmer? Zweitens: Wenn es wärmer wird, liegt es wirklich an der menschlichen Zivilisation? Und drittens: Wäre eine Erwärmung wirklich so katastrophal, wie sie dargestellt wird?

Schon bei der ersten Frage tauchen lauter Ungereimtheiten auf. Was ist die Globaltemperatur, die angeblich ständig steigt? So etwas wie die durchschnittliche Telefonnummer, die man aus dem Telefonbuch einer Stadt errechnen kann? Werden Temperaturen besser am Boden oder in Brusthöhe gemessen, um gültig zu sein? Und sind die Mess-Stationen auch ganz gleichmäßig über alle Land- und Wassermassen unseres Planeten verteilt? Natürlich ist dem nicht so, und Maxeiner zeigt, welche Auswirkungen allein die Meßmethoden auf die Ergebnisse haben können.

Außerdem sagt die Globaltemperatur gar nichts über das Klima, wie es sich an verschiedenen Orten konkret gestaltet, aus. Das Klima könnte sich geradezu auf den Kopf stellen, Sibirien könnte sich erwärmen und die Wüste von Nevada abkühlen, ohne dass der globale Durchschnittswert eine Änderung erführe. Das zeigt: Die Klimadebatte beruht im Wesentlichen auf wirklichkeitsfremden Abstraktionen.

"Das Klima lässt sich ganz gut mit einem gigantischen Poolbillardspiel vergleichen. Schon eine winzige Änderung beim Anstoß kann die Konstellation vollkommen verändern, unzählige Einflussgrößen stoßen sich gegenseitig an und wirken aufeinander zurück. Der Versuch, einen solchen Spielverlauf vorauszuberechnen, ist ziemlich kühn. Beim Klima wissen die Forscher ja nicht einmal, wie viele Kugeln tatsächlich im Spiel sind. Von anderen Kugeln wissen sie zwar, dass sie vorhanden sind, aber nicht wie sie sich verhalten - siehe die Wolkenbildung."

In der Tat lassen sich das Verhalten des Wasserdampfes und die Wolkenbildung auch mit den stärksten Computern der Welt - und einige davon sind für die Klimaforschung im Einsatz - nicht simulieren, denn je nach Höhe können Wolken kühlend wirken oder aufheizend. Und überhaupt ist es mit Computersimulationen so eine Sache:

"Wenn man Klimamodelle rückwärts laufen lässt, müssten sie irgendwann eine Eiszeit produzieren. Bedauerlicherweise tun sie das aber nicht."

Auch mit dem Kohlendioxidausstoß auf der Erde sind die bisherigen Klimaschwankungen schwer zu synchronisieren. Es bleibt also weiter unsicher, ob dieser Parameter wirklich die ursächliche Kraft ist, als die er von den Treibhausgaspropheten dargestellt wird.

Wie zuverlässig technische Prophezeiungen generell sind, beleuchtet Maxeiner an vielen hübschen Beispielen. Das hübscheste stammt aus New York, wo Ende des 19. Jahrhunderts die vielen Pferde auf den Straßen ein großes Problem darstellten, und Fachleute alarmierende Hochrechnungen anstellten.

"So wie die New Yorker einst befürchteten, sie würden am Pferdemist ersticken, so ist die Menschheit heute in Sorge, das Kohlendioxid werde in der Atmosphäre gleichsam 'bis zum Fenstersims' akkumulieren und unseren Planeten unbewohnbar machen. Die Annahme erscheint genauso nachvollziehbar und begründet wie seinerzeit die Pferdemist-Prognose - und ist auch mit genauso viel Vorsicht zu genießen."

Es ist dieser Ton ruhiger Gelassenheit, der Maxeiners Buch so lesenswert und erfreulich macht - gerade vor dem Hintergrund so vieler hysterischer Traktate, die natürlich nach der alten publizistischen Devise funktionieren:

"Extrem ist immer genehm."

Dirk Maxeiner: Hurra, wir retten die Welt. Wie Politik und Medien mit der Klimaforschung umspringen
Wolf Jobst Siedler, Berlin 2007

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