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Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.07.2013

"Kein Theater ist auch keine Lösung"

Proteste gegen Kulturkürzungen in Sachsen-Anhalt

Von Christoph Richter

In Magdeburg demonstrierten Kulturschaffende gegen Kürzungen (dpa / picture alliance / Jens Wolf)
In Magdeburg demonstrierten Kulturschaffende gegen Kürzungen (dpa / picture alliance / Jens Wolf)

In Sachsen-Anhalt plant die Große Koalition unter Ministerpräsident Reiner Haseloff einen harten Sparkurs. Im Kulturbereich sind Kürzungen von etwa fünf Millionen Euro geplant - entgegen der Empfehlung des Kulturkonvents, der sogar eine leichte Anhebung fordert. Nun stellte das Kabinett in Magdeburg den Haushalt vor.

Heute Morgen: Noch bevor überhaupt das Magdeburger Kabinett zusammen kam, um den Haushaltsplan für das kommende Jahr abschließend zu beraten, demonstrierten schon Schauspieler und Angestellte der Landesbühne Eisleben vor der Staatskanzlei. Das taten sie mit einem symbolischen Thesenanschlag à la Martin Luther, um auf die in ihren Augen existenzbedrohenden Kürzungsbeschlüsse aufmerksam zu machen.

Denn knapp sieben Millionen Euro will die Magdeburger Landesregierung den sachsen-anhaltischen Theatern und Orchestern ab 2014 weniger zur Verfügung stellen. Einer der Protestierer war Ulrich Fischer, Intendant der Landesbühne Eisleben.

"Wir haben allerdings nicht vor, die Tür hier zu demolieren. Wir bringen unsere eigene Kirchentür mit. Und die Thesen sind zusammengetragen von ganz vielen Zuschauern und von Theatermitarbeitern, die formuliert haben, warum denn Kultur und Theater wichtig ist. Auch gerade in diesen Zeiten."

"Kultur ist Menschenrecht" und "Kein Theater ist auch keine Lösung", so in etwa lautete die Quintessenz der insgesamt 95 Thesen. Eine Aktion mit Erfolg, wie es scheint. Denn kurz darauf trat SPD-Kultusminister Stephan Dorgerloh vor die Mikrofone und verkündete die Förderung für ein kleines im Südharz angesiedeltes Provinztheater mit zwölf Schauspielern - die Landesbühne Eisleben - doch nicht auf Null herunterzufahren. In den nächsten zwei Jahren soll es - auch weil die Gesellschafter und der Landkreis die Förderung erhöhten - jeweils noch 750.000 Euro aus dem Landesetat erhalten.

"Danach muss aber die Fusion mit dem Nordharzer Städtebundtheater passieren, und dann wird gesehen, wie sich der Etat weiter entwickelt."

Während es für Eisleben noch mal glimpflich ausging, das Theater erstmal gerettet wurde, sieht es in den Augen der Beteiligten für die Theater in Dessau und Halle weitaus bedrohlicher aus. So muss das Anhaltische Theater Dessau - mit 1000 Plätzen eines der größten aber auch ältesten Theater Deutschlands - zukünftig mit 2,9 Millionen Euro weniger auskommen.

"Wir sind einfach am Ende"

Die Schauspielsparte und das Ballett würden damit zur Disposition stehen, vermuten Experten. Halle muss mit 2,8 Millionen Euro weniger auskommen. Das würde nach Angaben des Geschäftsführers der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle Rolf Stiska bedeuten, dass man durch die Kürzungsbeschlüsse kurz vor der Insolvenz stehe. Für 2014 rechnet er mit einer Finanzierungslücke von etwa 6 Millionen Euro.

"Wir sind einfach am Ende. Und wenn ich dann höre, dass der Haushaltsentwurf wohl vorsieht, eine Absenkung der Ausgaben, dann ist das einfach der Tod unserer Einrichtung. Und meine große Sorge ist, dass wir tatsächlich kaputtgehen. Insolvenz anmelden müssen, weil ja die Stadt Halle nicht in der Lage ist, fehlende Landesmittel durch eigene Zuschüsse auszugleichen."

Stattdessen soll Dessau erstmalig ein eigenständiges Bauhaus-Museum bekommen, das 2018 fertig gestellt werden soll, wovon man sich Strahlkraft gerade für Fachleute und Kunstliebhaber verspricht. Das Land wird dafür zwölf Millionen zahlen, als Architekten seien nach Angaben des Kultusministeriums Daniel Libeskind oder David Chipperfield im Gespräch.

Auch in Bad Lauchstädt profitiert man vom aktuellen Haushaltsentwurf. Zur Sanierung des einzig erhaltenen Theaterensembles aus der Goethezeit erhalten die Verantwortlichen einmalig sechs Millionen Euro.

Die Kabinettsvorlage für den Landesetat 2014 der Großen Koalition in Magdeburg bringt gerade kulturpolitisch eine deutliche Akzentverschiebung zum Vorschein. Indem man weniger Geld für die Theater ausgibt, stattdessen aber mehr für die Erhaltung alter Kulturstätten beispielsweise Museen investiert, kristallisiert sich heraus, dass man - nüchtern betrachtet - in Sachsen-Anhalt zukünftig größeres Augenmerk auf die Musealisierung der Kulturlandschaft Sachsen-Anhalts legt. Während man es sich im Gegenzug glaubt leisten zu können, eine noch lebendige Theaterlandschaft deutlich zu schwächen.

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