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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 18.01.2016

Katja Lange-MüllerHumor als Notwehr

Moderation: Susanne Führer

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Die Berliner Autorin Katja Lange-Müller liest an einem Mikrofon (dpa/picture alliance/Paul Zinken)
Die Berliner Autorin Katja Lange-Müller (dpa/picture alliance/Paul Zinken)

Die Berliner Autorin Katja Lange-Müller ist die Tochter zweier DDR-Funktionäre - und war aus der Systemperspektive ein eher schwieriges Kind. Einer Lehrerin biss sie in die Hand, wegen der Imitation von Walter Ulbricht flog sie von der Schule. Was sie gelernt hat? Nie der Fassade vertrauen.

"Ich schreibe nur, wenn mir klar ist: Das kann keiner außer mir erzählen", sagt Katja Lange-Müller. Für ihre Bücher braucht die Schriftstellerin manchmal Jahre. Aber dann sitzt jedes Wort. Die Tochter zweier DDR-Funktionäre hat ihre frühe Kindheit in einer sogenannten Wochenkrippe verbracht und kannte ihre Eltern kaum. Sie hat als Grundschülerin der Lehrerin, die sie zum Schreiben mit Rechts zwingen wollte, in die Hand gebissen und ist später von der Schule geflogen, weil sie Walter Ulbricht imitierte.

Erste literarische Erfolge in Westdeutschland

Lange-Müller lernte Schriftsetzerin, machte eine Ausbildung zur Krankenschwester in der Psychiatrie und arbeitete ein Jahr in einer Textilfabrik in Ulan Bator. 1984 reiste sie in den Westen aus. Dabei habe sie sich befreit gefühlt und sei "von den Socken" gewesen, berichtete die Autorin im Deutschlandradio Kultur. Westberlin war für sie ein "Abenteuerspielplatz".

Bald feierte sie mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ihren ersten großen literarischen Erfolg. Ihr sei im Westen zugute gekommen, dass sie die Menschen zum Lachen bringen konnte, sagte Lange-Müller. Dabei hat sie ein reflektiertes Verhältnis zu dem, was lustig ist. Humor ist für sie Notwehr und etwas nur dann wirklich komisch, wenn es tatsächlich hochdramatisch ist: "Die besten Witze sind schaurige Dramen."

Humoristen sind eher schwermütig als frohgemut

Humoristen, weiß sie, sind der "schwarzen Schwermut eher zugeneigt denn dem ewigen Gelächter". Dazu passt, dass sie davor warnt, das Sichtbare als Wahrheit zu nehmen:

"Man soll nie der Fassade vertrauen. Was der Mensch nach außen hin zu sein scheint, ist die Maske, die er sich hat wachsen lassen."

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