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Fazit | Beitrag vom 25.11.2020

Katja Eichinger zur Frauenquote"Es braucht gesetzliche Anreize"

Katja Eichinger im Gespräch mit Marietta Schwarz

Die Autorin Katja Eichinger  (dpa / picture alliance / Tobias Hase)
Auch Strukturen, wie etwa eine gesicherte Kinderbetreuung, machten Frauenkarrieren möglich, sagt Katja Eichinger. (dpa / picture alliance / Tobias Hase)

In einem "Stern"-Artikel sprechen 40 erfolgreiche Frauen darüber, wie ihnen die Quote genützt hat. Auch Autorin Katja Eichinger begrüßt die neue gesetzliche Regelung. Für viele Frauen sei die Quote aber immer noch mit einem Stigma besetzt.

In der vergangenen Woche hat sich die Koalition auf eine Frauenquote in Vorständen geeinigt. In der Zeitschrift "Stern" berichten erfolgreiche Frauen, wie ihnen eine Quote genützt hat. Auch die Autorin Katja Eichinger gehört dazu.

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Vor ein paar Jahren sei ihr noch nicht so klar gewesen, wie wichtig die Quote ist, sagt Eichinger. Sie selbst habe erst langsam ihre Meinung geändert, denn eine "Quotenfrau" habe auch sie nicht sein wollen, sondern für ihr Können und Wissen anerkannt werden.

Frauen nur vor der Kamera

Eine Veränderung ihrer Haltung habe sich bei der Premiere für einen deutschen Film ergeben, bei dem die Verantwortlichen ausschließlich Männer gewesen seien: "Alle Frauen auf der Premieren-Bühne waren nur die Schauspielerinnen."

Alle Entscheidungen waren von Männern getroffen worden, obwohl es sich um einen öffentlich-rechtlich finanzierten Film gehandelt habe: "Niemand fand das seltsam. Alle saßen da und haben geklatscht. Auch die Männer, die ich kannte und mochte und achte, hatten keinerlei Bewusstsein dafür, dass da irgendwas nicht stimmte." Erst da sei ihr klargeworden, dass man nur durch gesetzliche Anreize an der Quote von Frauen etwas ändern könne, so Eichinger.

Stigma für Frauen in der Wirtschaft

In den Chefetagen in Deutschland sind immer noch rund zwei Drittel Männer zu finden. Im internationalen Vergleich ist Deutschland damit ein Schlusslicht, was die Anzahl der Frauen in DAX-Vorständen angeht. Dort sei immer noch für Frauen die "Quotenfrau" zu sein, mit einem riesigen Stigma besetzt, vor allem bei Macht- und Beförderungsdiskussionen in den Unternehmen, so Eichinger. "Da ist es nicht unbedingt positiv, wenn man sagt: Ich bin eine Quotenfrau."

Die Ansicht, die Welt in ein binäres System "Mann und Frau" einzuordnen, sei eine veraltete 50er-Jahre-Idee, die aber in vielen Vorständen immer noch so gedacht werde. Sie selbst zeige sich nicht nur solidarisch mit den Frauen, "sondern auch mit Menschen jeglicher sexueller Ausrichtung, jeden Genders oder Menschen, die sich im Allgemeinen unsichtbar und benachteiligt fühlen."

Kinderbetreuung fördert die Gleichberechtigung

Nicht alles könne man mit einer Quote regeln. Auch besondere Arbeitsstrukturen ermöglichten Frauen Karriere zu machen, etwa im Richteramt, sagt Eichinger: "Frauen, die einen extrem guten Jura-Abschluss gemacht haben und sich dann entschlossen haben, nicht in die Wirtschaft zu gehen, sondern Richterin zu werden, weil es dort möglich ist, Kinder zu kriegen und Familie und Beruf zu vereinen." Es sei also extrem wichtig eine gesicherte Kinderbetreuung anzubieten, genau dort müsse man ansetzen.

Begründerinnen der Frauenbewegung

Ohne das Engagement von Frauenrechtlerinnen wie Alice Schwarzer, die sich 1970 für das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche einsetzte, wäre die Frauenbewegung nicht da, wo sie heute stehe, so Eichinger.

"Da stehen wir auf den Schultern von Giganten. Dieses Cover von damals mit dem Schwangerschaftsabbruch, das hat ganz konkret Leben verändert und das Verhältnis von Frauen zu ihrem Körper. Und das hat sehr viel Scham beiseite geräumt und geholfen, dass Frauen mit ihren Entscheidungen wesentlich besser klarkommen."

(mle)

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