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Ortszeit / Archiv | Beitrag vom 29.05.2014

KatholikentagStreit um Donum Vitae

Regensburger Bischof hätten die Schwangerenberatung am Liebsten ausgeschlossen

Von Philipp Gessler

Eine Frau betritt die Konfliktberatungsstelle "Donum vitae" in Düsseldorf. (dpa picture alliance/ Martin Gerten)
Eine Frau betritt die Konfliktberatungsstelle "Donum vitae" in Düsseldorf. (dpa picture alliance/ Martin Gerten)

Es ist ein alter Streit, den Bischof Rudolf Voderholzer vom Zaun brach: Wie präsent darf die Schwangerenkonfliktberatung Donum Vitae auf dem Katholikentag sein? Schließlich stellt sie Scheine für eine straffreie Abtreibung aus.

"Alles ist möglich, dem der liebt, alles ist möglich, dem der sich gibt. Die Liebe geht aufs Ganze. Die Liebe sucht Versöhnung, wer liebt, gibt Gott ein Gesicht - alles ist möglich, dem, der liebt."

Die Liebe sucht Versöhnung. Christliche Popsongs wie diese werden - leider unabhängig von ihrer Qualität - gern auf Katholikentagen gesungen. Und auf dem am Mittwoch Abend in Regensburg eröffneten 99. Deutschen Katholikentag war das in den wenigen Stunden seit der Eröffnung nicht anders.

Bisher wurde auf dem großen Treffen der katholischen Laien in der Oberpfalz fast nur gebetet und gesungen - doch mit der Liebe und der Versöhnung wie im Sacro-Pop-Song war es nicht weit her. Der Grund: Der, neben dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken, ZdK, ebenfalls als Gastgeber fungierende Ortsbischof Rudolf Voderholzer brach einen Streit vom Zaun. Es ist ein alter Kampf, der eigentlich schon seit Jahren - Gott sei Dank! - beendet schien: der Konflikt um die Schwangerenkonfliktberatung.

Der bayerische Oberhirte Voderholzer sagte, so brutal wie zielsicher schon auf der Eröffnungs-Pressekonferenz des Katholikentags über abtreibende Frauen:

"Keine Frau macht gern ihren Leib, indem sie ein Leben lang lebt und als der sie lebt, zum Schauplatz eines Massakers."

Bischof Voderholzer war es von Anfang an ein Dorn im Auge, dass das ZdK auf seinem Katholikentag auch die christliche Schwangeren-Beratungsorganisation Donum Vitae auftreten lassen wollte - wie übrigens seit mehr als einem Jahrzehnt auf Katholikentagen üblich. Denn Donum Vitae - Geschenk des Lebens - vergibt nach der Beratung von Schwangeren staatlich verordnete Scheine, die eine straffreie Abtreibung möglich machen.

Das ZdK will Donum Vitae, der Bischof nicht ... nach mächtigem Ringen hinter den Kulissen fand man einen Kompromiss: Donum Vitae darf in Regensburg dabei sein - aber ausdrücklich - neben einer Podiumsdiskussion zum Thema - nur mit einem Stand auf der "Kirchentagsmeile" - also eher am Rand des Großereignisses. Und nur "geduldet", wie Bischof Voderholzer es formuliert.

Da wird Rita Waschbüsch, eine der Gründerinnen von Donum Vitae und engagiert auch im ZdK, trotzig:

"Wir fühlen uns nicht geduldet, sondern wir sind als katholische Laien Mitveranstalter hier und haben entschieden, dass Donum Vitae gleichberechtigt auf der Kirchenmeile ist."

Über die Massaker-Formulierung des Bischofs, die nun den Auftakt des meist fröhlichen Katholikentreffens verhagelt hat, kann die frühere CDU-Landesministerin und Ex-ZdK-Präsidentin nur den Kopf schütteln:

"Das sind die Formulierungen, die das Klima vergiften."

Klima vergiftet, so etwas würde der Präsident des ZdK, Alois Glück, niemals sagen. Aber er versucht, Rita Waschbüsch beizuspringen, ohne den Bischof Voderholzer öffentlich anzugreifen - nicht hier, nicht jetzt, am Beginn des Katholikentags. Aber eines muss Glück schon sagen über die Frauen, die eine Abtreibung erwägen: Solche Frauen würden kaum mehr zu den offiziellen katholischen Beratungsstellen etwa der Caritas gehen, weil sie wüssten, dass diese ja keine Beratungsscheine mehr vergeben dürften:

"Es gibt in der Situation keine dilemmafreie Lösung - Tatsache ist, dass die Caritas sagt, dass sie diese Menschen immer weniger erreicht."

Und das ist durchaus so zu interpretieren: Der Bischof Voderholzer hat wenig Ahnung von der Praxis. Aber Alois Glück wäre nicht der oberste katholische Laie des Landes, wenn er nicht zugleich auf Versöhnung hoffte:

"Es ist natürlich für viele noch eine schmerzende Wunde . Ich hoffe, dass dort, wo es immer noch Missverständnisse gibt und man Brücken bauen kann, es hier gelingt."

Klar, Brücken bauen. Das ist ja auch das Motto des Regensburger Katholikentages: "Mit Christus Brücken bauen". Aber wo beginnt die Liebe, die alles versöhnt und auch dies möglich macht - und wo der faule Kompromiss?

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