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Buchkritik | Beitrag vom 20.11.2018

Kathleen Collins: "Nur einmal"Traum von einer Welt ohne Rassismus

Von Manuela Reichart

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Cover von Kathleen Collins Roman "Nur einmal". Im Hintergrund ist  u.a. Martin Luther King Jr. zu sehen, der mit anderen Demonstranten am 28.08.1963 an dem "March on Washington for Jobs and Freedom" teilnimmt. (Kampa Verlag / imago stock&people)
Auf dem "March on Washington for Jobs and Freedom" (1963) hielt Martin Luther King Jr. (sechster von re.) seine berühmte Rede "I have a dream". (Kampa Verlag / imago stock&people)

Kathleen Collins' Texte waren jahrzehntelang vergessen. Jetzt kann man die Kurzgeschichten der afroamerikanischen Schriftstellerin endlich auch auf Deutsch lesen: Einfühlsam erzählt sie von Menschen während der Bürgerrechtsbewegung der 1960er-Jahre.

In den Erzählungen von Kathleen Collins wird eine vergangene Zeit wieder lebendig: das Amerika der Bür­ger­rechtsbewegung in den 1960er-Jahren. Sie strahlen mit großer Intensität in unsere Tage. Gibt es Unterschiede zwischen Schwarzen und Weißen, ist eine Zukunft denk­bar, in denen Rassenunterschiede keine Rolle spielen?

Eine WG als politisches Statement

Die schwarze Autorin, die 1988 mit 46 Jahren an Krebs gestorben ist, schreibt in "Nur einmal" über Erfah­run­gen und Hoffnungen, über Rassismus und Irrtümer – und über die Liebe.

Sie erzählt von einer Wohngemeinschaft im Sommer 1963, als die Hautfarbe keine Rolle zu spielen schien und die Liebe zwischen einer schwarzen Frau und einem weißen Mann und einer weißen Frau und ei­nem schwarzen Mann ganz unproblematisch und selbstverständlich zu sein schien – und doch und vor allem ein politisches Statement war, das dann doch keinen Bestand hatte. Die Träume vom Fall der Rassenschranken bleiben Träume – bis heute.

Einfühlsam erzählte Geschichten

Es geht aber in diesen kurzen und klugen, oft sehr filmisch erzählten Geschichten – Kathleen Collins war ja vor allem eine, bis heute unbekannte, Regisseurin – aber auch um die Ressenti­ments unter Schwarzen. Da ist ein Vater etwa tieftraurig, weil seine Tochter sich ihre schönen lan­gen Haare hat abschneiden lassen und plötzlich aussieht "wie alle farbigen Mädchen" oder eine besonders hellhäutige Familie, die den dunkelhäutigen Schwiegersohn ablehnt.

Kathleen Collins erzählt von einer besonders glücklichen Familie, deren Schicksal das Un­glück ist, von einem Männertyp, der wirklich nicht der richtige ist, in den sich die Protago­nistin trotzdem immer wieder verliebt, von Sex und "von Schriftstellern, Galeristen". Sie schreibt leichthändig und einfühlsam, sie kann auf wenigen Seiten Schicksale und Le­bensfragen entwerfen, vor allem aber steht eindrucksvoll die eine bis heute schmerzende Frage im Zentrum: Gibt es ein Leben jenseits von schwarz und weiß?

Kathleen Collins: "Nur einmal. Storys"
Aus dem amerikanischen Englisch von Brigitte Jakobeit und Volker Oldenburg
Kampa Verlag, Zürich 2018
188 Seiten, 20 Euro 

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