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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 28.08.2018

Katar investiert Milliarden in die WMFußball in der Wüste

Von Udo Schmidt

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Das Khalifa International Stadium in Doha (Katar)  (picture alliance/dpa/Foto: Sven Hoppe)
Das Khalifa International Stadium in Doha (Katar), wo 2022 WM-Spiele stattfinden sollen. (picture alliance/dpa/Foto: Sven Hoppe)

Im Winter 2022 wird die Fußballweltmeisterschaft im Wüstenstaat Katar stattfinden, das gerade mal halb so groß ist wie Hessen. Neun Stadien werden mit Klimaanlage errichtet – und die meisten nach dem Turnier wieder abgebaut.

Noch über vier Jahre bis zur Fußball-Weltmeisterschaft im kleinem Katar. Es ist noch viel zu tun, aber das Emirat am Golf gibt sich selbstbewusst. Sehr selbstbewusst: In Katar wird gebaut, was das Zeug halt. Neun komplett neue Stadien entstehen in dem Wüstenemirat. Idal Katani ist der Projektmanager einer Stadionbaustelle, ein sehr stolzer Projektmanager:

"Wir geben unser absolut Bestes, dass es keine Probleme gibt bei diesem Projekt – Katar hat sich der Welt verpflichtet – und wir halten unsere Versprechen ein."

Die WM 2022 wird die erste Fußballweltmeisterschaft sein, die im Winter ausgetragen wird. Im Sommer wären die Temperaturen am Golf, gerne mal um die 50 Grad, weder für die Sportler noch für die Zuschauer zu ertragen. Also sind alle Stadien mit Klimaanlagen ausgestattet. Etwas Besonderes, etwas Notwendiges, aber auch ein Grund zur Kritik, wenn es um Ökologie und Nachhaltigkeit geht. Also wird immer wieder betont, dass ein Großteil der verwandten Energie erneuerbar sein wird.

Erst Fußballstadion, dann Hotel

Nachhaltigkeit, das heißt aber auch: die Sportstätten, die Stadien dürfen nicht gleich nach der WM sich selbst überlassen werden und unter der brennenden Sonne verfallen. Also werden, so der Plan, manche Stadien abgebaut und an andere Länder verschenkt, ein Stadion soll nach dem Fußball-Spektakel zu einem Hotel umgebaut werden, ein Stadion in der Nähe des Hafens besteht nur aus Containern, die später leicht wieder abgetragen werden können.

Ideen, die aus der Feder Albert Speers stammen, des Architekten, der bereits für viele Riesenbauten in der Welt zuständig war, für die Expo 2000 in Hannover, für Nigerias neue Hauptstadt Abuja etwa. Speers Büro hat das Konzept erstellt, mit dem Katar das Bewerbungsverfahren für sich entschieden hat. Albert Speer starb im letzten Jahr im Alter von 83 Jahren.

"Was gebaut wird, muss später Teil des täglichen Lebens werden und langlebig sein", sagte Speer vor fünf Jahren auf einer Konferenz in Katar. Und entsprechend wird gebaut. Zwölf Stadien und 112 Trainingsplätze mitten in oder am Rande der Wüste. Hotels entstehen, Fußballfans sollen 2022 aber auch auf Kreuzfahrtschiffen übernachten oder, fast romantisch, in Zeltstädten in der Wüste.

Generalsekretär des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft 2022, Hassan Al-Thawadi (picutre alliance/dpa/Foto: Sven Hoppe)Der Generalsekretär des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft 2022, Hassan Al-Thawadi, im Januar 2018 im Khalifa International Stadium in Doha (Katar). (picutre alliance/dpa/Foto: Sven Hoppe)
Es bleibt die Frage: was wird am Ende wirklich aus den Stadien, den Wettkampfstätten in einem Land halb so groß wie Hessen, in dem Fußball keine allzu große Rolle spielt und wahrscheinlich auch nach der WM – nach Katars frühem Ausscheiden – nicht spielen wird. Albert Speer war zuversichtlich, dass sein Planungsbüro alles bedacht hat:

"Von meinen Standpunkt eines Stadtplaners aus geht es darum, dezentral zu planen, die städtische Verdichtung mit zu beachten, an die Mobilität zu denken, an Energie, an Wasser und Sonne und an die Stadtentwicklung. Alles muss integriert sein."

Gefahr durch Konflikte in der Region 

Aus der Sicht Katars gibt es noch einen weiteren Punkt, der integriert sein muss. Die Sicherheit. Für das Golf-Emirat ist die Fußball-WM auch ein Instrument nationaler Sicherheit. Seit der Blockade ab vergangenem Sommer wegen der mutmaßlichen Unterstützung terroristischer Gruppen noch viel mehr. Vor allem die Saudis sind für die Katarer eine Bedrohung, so sieht es jedenfalls der Emir. Das Sport-Großereignis schützt da und lenkt gleichzeitig ab. Ob die Blockade Katars bis zur Fußball-WM aufgehoben sein wird? Unklar! Der Konflikt Iran und Katar sowie Saudi-Arabien auf der anderen Seite wird sicher weiter bestehen. Gerd Nonnemann ist Professor an der Georgtown Universität in Doha:

"Der Konflikt wird nicht so bald verschwinden. Es gab immer schon Spannungen, denn das sind die großen Tiere der Region. Aber momentan ist es unnötig aufgeheizt und wenn das Atomabkommen mit dem Iran vollständig platzen sollte, wird auch Saudi-Arabien nuklear aufrüsten und das wäre sehr gefährlich, auch für Katar."

Hören Sie auch hier zum Thema den Beitrag "Hohe Schulden, leere Stadien – Olympia und Fußball-WM in Brasilien" von Andreas Behn.
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