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Interpretationen / Archiv | Beitrag vom 03.12.2017

Karlheinz Stockhausens "Tierkreis"Im Wendekreis der Spieluhr

Gast: Roman Brotbeck, Musikwissenschaftler; Moderation: Michael Struck-Schloen

Der Komponist Karlheinz Stockhausen 2005 in Kürten. (Imago)
Meister mit universalem Anspruch: Karlheinz Stockhausen, 2005 in Kürten (Imago)

"Ich komponierte zwölf Melodien: für jedes Zeichen des ‚Tierkreises’ eine. Jede dieser Melodien hat ihren eigenen Charakter und einen eigenen Zentralton. Für eine Aufführung wählen nun die Spieler drei Melodien aus, und alles, was sie spielen, besteht nur aus diesen Melodien."

Diese einfache Erklärung dafür, wie die 1974 ursprünglich nur für Spieluhren gedachte Komposition auszuführen sei, konkretisiert Stockhausen am Beispiel einer Version für sechs Schlagzeuger und Spieluhren: "…Im Marimbaphon erklingt eine der Melodien über die ganze Zeitdauer der Aufführung gestreckt. In den Plattenglocken erklingen die drei ausgewählten Melodien nacheinander, und sie machen zusammen ebenfalls die gesamte Zeit der Aufführung aus. Die anderen Instrumente interpretieren dann Motive und einzelne Töne dieser Melodien in verschiedenen Tempi gleichzeitig …"

Im Laufe der Jahre sind noch etliche weitere Fassungen bzw. Besetzungsversionen der "Tierkreis"-Stücke hinzugekommen. Und bis heute fühlen sich Interpreten herausgefordert, sich mit der auf den ersten Blick unscheinbaren Vorlage kreativ auseinanderzusetzen.

Populär, nicht populistisch

"Gerade wegen seiner Freiheiten ist ‚Tierkreis’ eine willkommene Erweiterung der Möglichkeiten des Interpreten, eine dankbare Aufgabe jenseits von virtuoser Zurschaustellung", meint Mike Svoboda, Posaunist und enger Mitarbeiter des Komponisten. Die Beliebtheit der Stücke bei den Interpreten entspricht ihrer – ungewöhnlichen – Popularität beim Publikum. Gleichwohl erklärt sich dies nicht aus bloßer Simplizität. Um die vielschichtigen Bedeutungsebenen, die diesen Miniaturen innewohnen, geht es im Gespräch mit dem Stockhausen-Experten Roman Brotbeck.

Karlheinz Stockhausen starb vor zehn Jahren, am 5. Dezember 2007, in seiner bergischen Heimat Kürten. Aus diesem Anlass wiederholen wir diese 2011 entstandene Sendung.

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