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Das Blaue Sofa | Beitrag vom 14.10.2020

Karin Wieland et al.: "Aufprall"Freiräume für ein alternatives Leben

Moderation: Hans Dieter Heimendahl

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Wandmalereien und kämpferische Slogans an einem besetzten Haus in Berlin 1981 (picture-alliance / dpa)
Wandmalereien und kämpferische Slogans an einem besetzten Haus in Berlin 1981: Der Roman "Aufprall" erinnert an diese Zeit. (picture-alliance / dpa)

Ein wildes Leben ohne Kompromisse: "Aufprall" schildert das Leben in der Berliner Hausbesetzerszene der 1980er, bis zu deren Scheitern infolge des Mauerfalls. Ein Roman, der eine wahre Geschichte erzählt: "Die Fakten stimmen", sagt Co-Autorin Karin Wieland.

Ein ungewöhnliches Projekt: Eine bildende Künstlerin (Bettina Munk), eine Autorin (Karin Wieland) und ein Soziologe (Heinz Bude) tun sich zusammen, um ein Kapitel ihres Lebens erzählend aufzuarbeiten. Es geht um ihre Jahre als Hausbesetzer im West-Berlin der frühen 1980er-Jahre.

Es ist die Zeit der Punks und der Friedensbewegung, Helmut Kohl wird Bundeskanzler, Aids kommt auf, und dann erschüttert der Reaktorunfall von Tschernobyl die Menschen. In dieser Zeit versuchen in West-Berlin junge Menschen, ihren Traum von einem anderen Leben wahrzumachen. Sie besetzen leerstehende Häuser und nehmen sich so die Freiräume, die sie für ihr alternatives Leben brauchen.

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"Es war uns ein Anliegen, etwas von unserer Generation weiterzugeben, die in diesem West-Berlin versucht hat, ein anderes Leben zu führen", sagt Co-Autorin Karin Wieland. Dabei herausgekommen ist ein Roman. Aber einer, der für sich beansprucht, eine wahre Geschichte zu erzählen.

Straßenschlachten und raue Kunst

"Das ist alles so erlebt, wie es aufgeschrieben ist, aber die Figuren sind wie eine Art Container, in die wir unsere Erfahrungen und auch einen Teil unserer Erinnerungen gegossen haben", so Wieland. 

Aufbruchsstimmung wechselt sich ab mit inneren Streitigkeiten und ständiger Bedrohung durch die Staatsmacht. Es gibt Straßenschlachten, Drogen, raue Kunst und wilde Theorien. Und am Ende steht das "Scheitern" – auch davon handele das Buch, sagt die Co-Autorin. Denn als 1989 die Mauer fällt, sind die wilden Achtziger in West-Berlin vorbei.

(uko)

Heinz Bude, Bettina Munk, Karin Wieland: "Aufprall"
Hanser 2020, 384 Seiten, 24 Euro

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