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Kompressor | Beitrag vom 03.07.2020

Kanyé Wests Video "Wash Us in The Blood"Bilder zu einem starken Gefühl verdichtet

Ann Mbuti im Gespräch mit Max Oppel

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3D-Darstellung des Coronavirus und Großaufnahme von Kanye West mit digital verfremdetem Gesicht. (Screenshot via YouTube / Def Jam / Arthur Jafa)
Musikvideo zu Kanyé Wests „Wash Us In The Blood“: Eine Art Assoziationsteppich, sagt Ann Mbuti. (Screenshot via YouTube / Def Jam / Arthur Jafa)

Eine Kooperation zweier Riesen: Politisch mögen der Musiker Kanyé West und der Videokünstler Arthur Jafa nicht harmonieren. Wie ihnen mit "Wash Us in the Blood" künstlerisch Bahnbrechendes gelungen ist, erklärt Kulturpublizistin Ann Mbuti.

Das Video zu Kanyé Wests neuem Lied "Wash Us In The  Blood" ist auf Youtube binnen weniger Tage mehrere Millionen Mal angeschaut worden. Arthur Jafa, wohl der bekannteste US-Videokünstler, hat das Video gedreht.

Jafa knüpft damit an eine vorangegangene Arbeit an, seinem Video zu Solange Knowles "Don't Touch My Hair". Schon damals hat er eine Art Schwarze Ikonografie geschaffen.

Alltagsbilder eindrücklich montiert

Das Video zu Kanyé Wests Lied zeigt Gewalt gegen Schwarze und dies extrem eindrücklich. Auf Youtube ist es nur nach Anmeldung und Altersbestätigung zu sehen. "Ich glaube, die Stärke der Bilder liegt darin, dass man ihnen direkt anmerkt, dass es Sachen sind, die aus dem Leben gegriffen sind", sagt die Kulturpublizistin Ann Mbuti.

Die Bilder seien nicht eigens produziert worden, man könne sie so auch auf Youtube finden. Es handele sich um "Videoschnipsel, die uns in der täglichen Bilderflut begegnen, die auf uns einprasseln. Und die dadurch automatisch ein bisschen ins visuelle Gedächtnis eingeschrieben sind."

Ein "Assoziationsteppich" der Gewalt

Zu sehen sind sehr unterschiedliche Motive: aktuelle und historische Bilder, Gewaltszenen. Schwarze Covid-19-Patienten, die unter Atemnot leiden. Ein Gospelchor, ein Gefängnis, ein Autorennen. Arthur Jafa nenne das "affective proximity" von Bildern, erklärt Mbuti, also die affektive Nähe von verschiedenen Bildern, "die auf den ersten zwar Blick nichts miteinander zu tun, die aber dadurch, dass sie in einem Zusammenhang gestellt werden, etwas Neues ergeben." Jafa vergleiche diese Montage von Bildern mit dem Sampling in der Musik und sage auch explizit, er wolle damit die gleiche Wirkung wie in der Musik erreichen. Ann Mbuti spricht von einem Assoziationsteppich.

US-Videokünstler Arthur Jafa bei einer Ausstellung von ihm in der Rudolfinum Gallerie in Prag. Er trägt eine schwarze Brille und eine blaue Jacke. (imago / CTK Photo / Petr Salek)US-Videokünstler Arthur Jafa vergleicht seine Methode mit dem Sampeln in der Musik. (imago / CTK Photo / Petr Salek)

Bei "Wash Us in the Blood" dringen so in dem Sinn klare Botschaften durch, dass Schwarze Menschen eine größere Rolle in der Welt spielen sollten.

Keine Konkurrenz von Bild und Musik

Es sei immer wieder beeindruckend, wie Arthur Jafa es schaffe, die visuelle und die Musikebene zu verknüpfen, ohne dass diese sich Konkurrenz machten, findet Mbuti. Darin liege eines seiner großen Talente.

Politisch liegen Kanyé West und Arthur Jafa aber wohl eher nicht auf einer Wellenlänge, mutmaßt Mbuti. West sei ja lange ein Unterstützer von US-Präsident Trump gewesen. Jafa habe schon Kanyé Wests künstlerische Genialität gelobt, aber auch durchblicken lassen, dass er seine politischen Aussagen nicht für bare Münze nehme.

(mfu)

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