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Studio 9 | Beitrag vom 12.10.2018

Kanye West im Weißen HausEin skurriler Auftritt

Von Nicole Markwald

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US-Präsident Donald Trump wird von dem Musiker Kanye West umarmt (Picture Alliance)
Kanye West ist einer der wenigen Künstler, die Trump unterstützen (Picture Alliance)

Dass er ein großer Trump-Fan ist, daran ließ Kanye West bei seinem Besuch im Weißen Haus keine Zweifel. Es war ein wirrer Auftritt, an dessen Ende der Musiker dem US-Präsidenten in den Armen lag und sagte: "Ich liebe diesen Typen."

Denkwürdige zehn Minuten haben sich heute im Oval Office im Weißen Haus abgespielt: Künstler und Unternehmer Kanye West saß mit roter "Make America Great Again"-Kappe dem Präsidenten gegenüber und monologisierte sich durch eine Vielzahl von Themen: Arbeitsplätze, psychische Krankheiten, Präsidentenflugzeuge. Donald Trump hörte währenddessen halb belustigt, halb ernst zu und resümierte abschließend: "Das war beeindruckend."

Am Ende gibt es kein Halten mehr: Kanye West steht auf, geht um den massiven Schreibtisch herum, beugt sich hinunter und umarmt US-Präsident Donald Trump. "Ich liebe diesen Typen", sagt er. "Ich liebe ihn."

Mit der Trump-Mütze wie ein Superheld fühlen

Das sei doch sehr schön, sagt Trump lächelnd, zufrieden über das, was er gerade gehört hat und zufrieden über das, was es zu sehen gibt: Nämlich dass er von diesem schwarzen Künstler für seinen Politikstil gelobt und unterstützt wird. Kanye West war gemeinsam mit dem legendären Footballspieler und Aktivisten Jim Brown ins Weißen Haus gekommen, um Trump zu einem Arbeitsessen zu treffen. Die Gesprächsthemen: Gnadengesuche, die hohe Kriminalitätsrate in Wests Heimatstadt Chicago und wirtschaftliche Investitionen in Großstädten.

Beim Fototermin im Oval Office setzte Kanye West dann zu dem gut zehnminütigen Monolog an. Er streifte diese Themen – und viele, viele andere. Er liebe zwar Hillary Clinton, erzählte der 41-Jährige, aber von ihrem Campaign-Slogan "I'm with her" habe er sich nicht angesprochen gefühlt. Stattdessen habe er sich wie Superman gefühlt, sein Lieblingssuperheld, als er die Trumpsche "Make America Great Again"-Kappe aufsetzte.
 
Er plauderte darüber, dass man Jobs aus dem Ausland zurück in die USA holen sollte. Das brachte West auch dazu, darüber zu sprechen, dass er mit einem Turnschuhhersteller aus Herzogenaurach kooperiert. Er sprach über den Unabomber und ließ sich über den 13. Zusatzartikel der US-Verfassung aus. Darin ist die Abschaffung der Sklaverei festgeschrieben. Schon vor Wochen hatte West gefordert, diesen Artikel abzuschaffen.

Entwurf für ein neues Präsidentenflugzeug 

Auch über seinen Gesundheitszustand sprach West. Vor Wochen hatten Ärzte ihm eine bipolare Störung attestiert – fälschlicherweise, sagte er. Er habe nur unter Schlafmangel gelitten. Kurz darauf zog er sein Mobiltelefon aus der Tasche und zeigte seinem Gegenüber einen Entwurf für ein neues Präsidentenflugzeug. "Das hier ist das iPlane1", sagte West. Das iPlane 1, ein wasserstoffbetriebenes Flugzeug, könne von Apple hergestellt werden, forderte West.

Während der Musiker laut und gestikulierend seinen Gedankenfluss garniert mit ein paar gar nicht präsidialen Schimpfwörtern präsentierte, saß ihm Trump mit gefalteten Händen gegenüber, lächelte. Der ehemalige Reality-TV-Star wusste, dass hier gerade bestes Programm gemacht wurde.

Ein anwesender Journalist fragte Trump, ob er sich vorstellen könne, dass ihn West einmal im Weißen Haus beerbe. Möglich, sagte Trump. Aber erst nach 2024, schob West hinterher. Dann würde Trumps zweite Amtszeit enden.

Mehr zum Thema:

Neues Album von Kanye West - Zwischen Provokation und Progression
(Deutschlandfunk, Corso, 2.6.2018)

US-Rapper Kanye West - Exzess statt Leistung
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 31.8.2017)

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