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Interview / Archiv | Beitrag vom 06.08.2014

Kampf gegen ISIS"Es gibt keine irakische Armee mehr"

Reporterin Birgit Svensson über die aktuelle Situation im Land

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Eine karge Landschaft nahe Mossul. Zwei kurdische Soldaten laufen über ein Feld. (Christophe Petit Tesson, dpa)
Zwei kurdische Soldaten nahe Mossul. (Christophe Petit Tesson, dpa)

Die Kämpfe zwischen irakischen Milizen und der Terrorgruppe ISIS konzentrieren sich derzeit auf den Nordirak, berichtet die Journalistin Birgit Svensson. Gestoppt werden könnten die Islamisten dort nur durch die Kurden - mit ausländischer Unterstützung.

Seit dem Wochenende würden die ISIS-Kämpfer "immer näher auch an die kurdischen Stellungen" heranrücken, sagte Svensson am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur. Bei den Kämpfen ginge es "um die Kontrolle des Landes". Vor allem wolle die ISIS verhindern, dass die Kurden die nördlichen Grenzübergänge zu Syrien kontrollierten: "Und da gibt es heftige, blutige Kämpfe."

Betroffen von den Massakern der ISIS seien vor allem Minderheiten: "Sie haben zuerst die Christen aus Mossul vertrieben, jetzt gehen sie gegen die Jesiden vor", so Svensson. Auch Anhänger anderer Minderheiten hätten Angst, "dass sie als nächste dran sind, verfolgt zu werden, vertrieben zu werden, massakriert zu werden".

USA wollen angeblich kurdische Kämpfer unterstützen

Die einzige Hoffnung, die ISIS in der Region zu stoppen, seien die kurdischen Peschmerga, sagte Svensson. Laut Auskunft kurdischer Politiker seien auch die USA bereit, diese zu unterstützen. "Ohne ausländische Hilfe geht das nicht, denn die irakische Armee ist de facto aufgelöst", so Svensson. Die Soldaten teilten sich jetzt in schiitische oder kurdische Milizen auf, die jeweils vor der Hauptstadt Bagdad oder im Norden des Landes kämpften.

In Bagdad selbst habe sich die Lage derzeit etwas entspannt, sagte Svensson. Dennoch rechne sie auch dort mit weiteren Anschlägen: "Bagdad ist nicht von diesem Terror verschont", sagte sie. "Aber eine Übernahme und Kontrolle von ISIS in Bagdad halte ich zumindest zum jetzigen Zeitpunkt für sehr unwahrscheinlich."

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