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Interview / Archiv | Beitrag vom 19.03.2019

Kampf gegen Fakenewsdpa wird Faktenchecker für Facebook

Sven Gösmann im Gespräch mit Julius Stucke

Alternative Fakten (Symbolbild) mit Radiergummi und Bleistift (imago / Photocase)
Die dpa unterstützt Facebook beim Kampf gegen Fake News. (imago / Photocase)

Die Deutsche Presse-Agentur wird künftig zusammen mit dem Recherche-Netzwerk Correctiv Facebook beim Kampf gegen Fake News unterstützen. "In der DNA der dpa ist schon seit 70 Jahren der Faktencheck drin", sagt dpa-Chefredakteur Sven Gösmann.

Fake News sind äußerst erfolgreich in den Sozialen Netzwerken. Sie erzielen oft mehr Interaktionen als echte Nachrichten. Die Europäische Union hatte im Februar Facebook, Google und Twitter vorgehalten, nicht genügend zu unternehmen, um ihre Zusage nach Bekämpfung von Falschmeldungen vor der Europawahl umzusetzen. Facebook hat jetzt aber angekündigt, mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und dem Recherche-Netzwerk Correctiv als Faktenchecker zusammenzuarbeiten.

"Wir wollen helfen, aufklärerisch zu wirken", sagt dpa-Chefredakteur Sven Gösmann. Zugleich schränkt er ein: "Es ist ein Signal zu sagen: 'Wir setzen dem etwas entgegen.' Dass die Lüge, die Unwahrheit, viel verlockender ist, weil sie unwahrscheinlicher klingt, aber gleichzeitig natürlich auch aufregender, vielleicht auch eigene Klischees und Vorurteile bestätigender als die Wahrheit - das ist manchmal so."

Nutzer können Fake News melden

In der DNA der dpa sei "schon seit 70 Jahren der Faktencheck drin", so Gösmann weiter. Nutzer können Geschichten, die ihnen unglaubwürdig vorkommen, bei Facebook melden. Die dpa und Correctiv prüfen dann, ob es sich um Fake News handelt. Sind es Fake News, spielt Facebook bei den Posts einen entsprechenden Hinweis aus mit einem Deeplink zur Faktenchecker-Seite.

"Gleichzeitig wird derjenige, der diese Fake News geteilt hat, informiert, dass es diesen Faktencheck gibt, und, so schildert es FB aus seiner Erfahrung aus anderen Ländern, gibt es als Reaktion von Fake-News-Teilern oft: Entweder 'oh, das wusste ich nicht', oder peinliches Schweigen."

Mit Fake News Werbung verkaufen

Gösmann nennt drei Hauptmotive fürs Teilen von Fake News: "Eines wird häufig vernachlässigt: Fake News sind attraktiv, weil sie Reichweite erzielen. Wenn Sie eine Nachricht verbreiten wie 'Britney Spears ist tot', erzielen Sie hohe Aufmerksamkeit in den sozialen Netzen und in deren Umfeld können Sie Werbung verkaufen. Es gibt sehr viele Firmen, die sich darauf spezialisiert haben; das ist ein großer Teil des Fake-News-Komplexes. Der zweite ist politisch motiviert, ob rechts- oder linksextrem, häufig rechtspopulistisch, da spielt die Flüchtlingspolitik eine große Rolle. Der dritte ist staatlich-institutionell. Da weiß man nicht, wer ist der Absender, aber häufig genug stehen politische Interessen dahinter."

(abu)

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