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Im Gespräch | Beitrag vom 03.08.2019

Kampf gegen den KlimawandelBrauchen wir mehr Verbote?

Lisa Badum und Frank Überall im Gespräch mit Gisela Steinhauer

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Ein Flugzeug fliegt über dem brandenburgischen Sieversdorf (Oder-Spree) scheinbar ganz nah am Mond vorbei.  (picture alliance / dpa / lbn / Patrick Pleul  )
Bei der Debatte über mehr Klimaschutz steht oft die Kritik am Fliegen im Vordergrund. (picture alliance / dpa / lbn / Patrick Pleul )

Der Klimawandel ist längst auch bei uns angekommen. An Appellen mangelt es nicht: Weniger fliegen, mehr öffentliche Verkehrsmittel nutzen, weniger Fleisch essen. Doch reichen Mahnungen? Brauchen wir nicht klare Verbote? Diskutieren Sie mit!

Die meisten Bürger sind für mehr Klimaschutz; das zeigt auch der aktuelle ARD-DeutschlandTrend. 92 Prozent der Befragten befürworten darin den Ausbau erneuerbarer Energien, ebenso viele niedrigere Preise für Bahnfahrten. 71 Prozent halten teurere Flugreisen für sinnvoll. Der Tenor der Umfrage: Anreize zum Klimaschutz ja – Verbote nein. Aber kommen wir mit Maßnahmen wie günstigen Zugtickets oder Prämien beim Umstieg auf Elektroautos weiter? Fliegen wir wirklich weniger, wenn die Billigtickets ein paar Euro teurer werden? Sollte man nicht konsequent Kurzstreckenflüge verbieten?

Gebote statt Verbote?

"Einen Flug Nürnberg – München braucht kein Mensch", sagt Lisa Badum, Klimapolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Mit ihrer  Überlegung, innerdeutsche Flüge ab 2038 möglichst abzuschaffen, erntete die Abgeordnete aus dem oberfränkischen Forchheim einen wahren Shitstorm. "2038 ist seeehr moderat. Bis dahin haben wir längst günstige Zugtickets, noch bessere Bahnverbindungen und weniger Fernflüge", schrieb Badum auf Twitter. Das Wort "Verbot" nimmt die Unterstützerin der "Fridays for Future" Proteste lieber nicht in den Mund, sie spricht eher von "Geboten" oder "Leitplanken".

Gleichwohl müsse sich das Verhalten der Verbraucher ändern: "Wir müssen es hinkriegen, unsere Routine zu durchbrechen. Jeder hat 20.000 Entscheidungen am Tag zu treffen. Und wir müssen es schaffen, dass sich einige anders entscheiden." Früher habe kaum jemand freiwillig einen Gurt beim Fahren angelegt, heute diskutiere niemand mehr über die Gurtpflicht. Ähnlich sehe es beim Rauchverbot aus.

Verbote provozieren Abwehrreflexe

"Verbote sind kein Allheilmittel", sagt der Politologe und Journalist Prof. Dr. Frank Überall, Autor des Buchs: "Es ist untersagt – Wie Verbote verwirren und warum wir sie trotzdem brauchen". Dinge komplett zu verbieten, gehe oft schief; damit werde jegliche Kommunikation und auch Akzeptanz abgeschnitten. Beispiel: der umstrittene "Veggie-Day", den die Grünen einstmals einführen wollten. "Die Idee war nicht dumm, aber die Leute haben in dem Moment einen Abwehrreflex. Besser wäre gewesen, einen Anreiz zu schaffen: zum Beispiel einen kostenlosen Espresso dazu oder Ähnliches."


Letztlich seien Verbote "ein Spiegel der Zeit und der gesellschaftlichen Meinung. Verbote sind nicht ein für alle Mal in Stein gemeißelt: neue kommen hinzu, alte werden abgeschafft." Es dürfe nicht sein, dass die einen nach Verboten rufen und die anderen ein Verbot des Verbots fordern. "Was wir brauchen, ist eine gesellschaftliche Debatte, wo man von beiden Extremen abrückt."

Klimawandel: Brauchen wir mehr Verbote?
Darüber diskutiert Gisela Steinhauer heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Lisa Badum und Frank Überall. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de.

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