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Konzert / Archiv | Beitrag vom 01.05.2017

Kammermusikfestival IntonationsRevolutionäre Kontraste

Aufzeichnung aus dem Jüdischen Museum Berlin

Die Pianistin Elena Bashkirova (Dan Porges/forartists)
Die Pianistin Elena Bashkirova (Dan Porges/forartists)

Beim 6. Festival Intonations in Berlin spielten renommierte Musikerinnen und Musiker ausgefallene, beliebte und neue Kammermusik. Sie alle waren gekommen, um mit oder für Gastgeberin Elena Bashkirova aufzutreten.

Vor neunzehn Jahren hätte niemand geglaubt, dass das möglich ist: In der Stadt Jerusalem, die von religiösen Eiferern und politischem Starrsinn geprägt wird, ein Festival zu gründen, das allein der Kammermusik gewidmet ist und nur die Klänge, nicht irgendeinen Kontext zum Gegenstand eines rauschenden, und zugleich anspruchsvollen Festes macht. Und vor sechs Jahren hätte niemand erwartet, dass ein Sprössling dieses Festivals im karg-rauhen Sandboden der deutschen Bundeshauptstadt Wurzeln Schlagen könnte. Nun ist es gelungen – schon zum sechsen Mal finden die "Intonations", wie der Ableger des Jerusalemer Kammermusikfestivals heißt, im Innenhof des Jüdischen Museums Berlin statt. 

Eine Person steht als "Alma Mater" hinter dem Jerusalem International Chamber Music Festival und hinter "Intonations": Die in Berlin lebende Pianistin Elena Bashkirova. Sie nennt das Festival stolz ihr drittes Kind, zwei erwachsene leibhaftige Söhne hat sie ja schon. Auch dieses Jahr versammeln sich wieder international renommierte Vokalisten und Musiker - auf Einladung der Pianistin und eines kleinen, aber sehr aktiven Freundeskreises. Sie proben und spielen ein umfangreiches und vielfältiges Konzertprogramm.Alle Mitwirkenden treten ohne nennenswerte Gage auf und nehmen die Anstrengungen des dichten Proben- und Konzertmarathons aus Zuneigung zu Elena Bashkirova und den anderen Musikern auf sich. Beste Voraussetzungen also für die Königsdisziplin der klassischen Musik, das intime Zusammenspiel einiger weniger Musikerinnen und Musiker.

An sechs Festivaltagen führten und führen bis zum 27. April renommierte Solisten, Mitglieder internationaler Spitzenorchester und junge vielversprechende Talente in wechselnder Besetzung viele Werke auf, vom klassisch-romantischen Standardrepertoire bis zu einer Uraufführung. Die Besonderheit des Jerusalemer Festivals wie seines Ablegers in Berlin ist die unmittelbare Nähe zwischen Publikum und Künstlern und die familiäre Atmosphäre im Glashof des Museums, dem Spielort. "Mittlerweile haben wir mit dem Festival in Berlin und seinem großartigen Publikum eine zweite Heimat gefunden" - das sagt Elena Bashkirova.

Deutschlandradio Kultur hat in diesem Jahr zwei Konzerte mitgeschnitten - nicht ganz zufällig im Jubiläumsjahr der Revolutionen liegt bei diesen Programmen der Schwerpunkt auf der russischen und sowjetischen Moderne. Und die hat die besten Komponisten des Kontinents hervorgebracht, die einander in fruchtbarer Konkurrenz und Gegensätzlichkeit verbunden waren. Allen voran Sergej Prokofjew und Dmitrij Schostakowitsch, der westlich orientierte Futurist und spätere gedemütigte Heimkehrer Prokofjew - und der immer um sein künstlerisches, physisches und psychisches Überleben ringende Bekenntnismusiker Schostakowitsch. Nicht zu vergessen der andere große russische Komponist, der in den USA erfolgeich war und deshalb das harte Leben des Exils wählte - Sergej Rachmaninow. Der Abend beginnt mit dem Trio pathétique von Michail Glinka - den bedeutenden Romantiker kann man nicht ohne Übertreibung den Gründer der hohen russischen Kompositionsschule nennen. 

Intonations - Jerusalem International Chamber Music Festival
Jüdisches Museum Berlin
Aufzeichnungen vom 22. und 26. April 2017

Michail Glinka
Trio pathétique d-Moll

Paul Meyer, Klarinette
Gilbert Audin, Fagott
Éric le Sage, Klavier

Sergej Prokofjew
Sonate C-Dur für Violoncello und Klavier op.119 

Frans Helmerson, Violoncello
Kirill Gerstein, Klavier

Sergej Rachmaninow
Trio élégiaque Nr. 1 g-Moll        

Kathrin Rabus, Violine
Frans Helmerson, Violoncello
Denis Kozhukhin, Klavier

Sergej Rachmaninow        
Zwei Stücke für zwei Klaviere zu sechs Händen

Kirill Gerstein, Elena Bashkirova, Denis Kozhukhin, Klavier

Sergej Prokofjew
Sonate Nr. 1. für Violine und Klavier f-Moll op. 80

Alexander Sitkovetsky, Violine
Denis Kozhukhin, Klavier

Dmitrij Schostakowitsch
Klavierquintett Nr. 2 g-Moll op. 57

Kirill Gerstein, Klavier
Alexander Sitkovetsky, Daniel Austrich, Violinen
Gérard Caussé, Viola
Timothy Park, Violoncello

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