Seit 00:05 Uhr Neue Musik
Donnerstag, 26.11.2020
 
Seit 00:05 Uhr Neue Musik

Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 09.09.2014

KalifornienWasserbälle gegen die Dürre

Ungewöhnliche Maßnahme schützt Reservoir in Los Angeles gegen Verdunstung

Von Wolfgang Stuflesser

Podcast abonnieren
Ein Blick aus einem Helikopter auf die Gegend von Los Altos Hills, Kalifornien (AFP / Jewel Samad )
In anderen Teilen Kaliforniens, etwa in den Los Altos Hills, haben Hitze und Trockenheit sichtbare Spuren hinterlassen. (AFP / Jewel Samad )

Um zu verhindern, dass zu viel Wasser in der Sonne verdunstet, haben die Stadtwerke von Los Angeles zig Millionen Plastikbälle in ein Reservoir gekippt. Diese Maßnahme hilft auch gegen krebserregende Substanzen im gechlorten Wasser.

So hört es sich an, wenn ein Laster 45.000 schwarze Plastikbälle in eines der wichtigsten Wasserreservoirs Kaliforniens kippt. Das Los Angeles Reservoir im Norden der Millionenstadt versorgt drei Viertel der Einwohner mit Trinkwasser. Eine gigantische Asphaltwanne, gut 350 Meter lang und 200 Meter breit. Um zu verhindern, dass in der heißen kalifornischen Sonne zu viel Wasser verdunstet, wird das Becken mit den grapefruitgroßen Bällen zugedeckt - die Stadtwerke haben berechnet, dass dies deutlich günstiger ist, als eine riesige Abdeckplane oder gar ein festes Dach zu installieren.

Bälle helfen auch in gesundheitlicher Hinsicht

Die Bälleschicht hat noch einen zweiten Effekt: Das Wasser ist zur Reinigung mit Chlor behandelt - im Kontakt mit Sonnenlicht können krebserregende Substanzen entstehen.

Regelmäßig veranstalten die Stadtwerke sogenannte Water Walks. An diesem Samstagvormittag sind gut 50 Interessierte gekommen, um sich das sonst natürlich gut abgesperrte Reservoir aus der Nähe anzuschauen.

Die vergangenen drei Jahre seien die trockensten seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen, erklärt Richard Harasick von den Stadtwerken. Kein Wunder, dass die Stadt mit Nachdruck dran ist, das Wasser im Reservoir zu schützen: Jeden Tag kommen 3 Laster, 7 Tage die Woche. Rund 60 Millionen Bälle bedecken schon einen Großteil der Oberfläche 77 Millionen sollen es am Ende werden.

Wasser könnte 10.000 Familien ein Jahr versorgen

Manchmal könne er nachts nichts schlafen, sagt Wassermanager Harasick, beim Gedanken, dass die Leute den Hahn aufdrehen, und nichts passiert. Zur Beruhigung hilft der Blick aufs noch erstaunlich gut gefüllte Reservoir: Mit seinem Wasser könnten 10.000 Familien ein Jahr lang versorgt werden. Doch natürlich muss die Stadt ständig für Nachschub sorgen.

Gespeist wird das Reservoir vom Los Angeles Aquädukt, einem schon vor mehr als hundert Jahren vom damaligen Chefingenieur der Wasserwerke William Mulholland ausgeführten Projekt. Das insgesamt 670 Kilometer lange Rinnen- und Rohrsystem führt Regen- und Schmelzwasser aus den Bergen der Sierra Nevada bis an die stadt Los Angeles. Der Aquädukt braucht keine Pumpen, für den Antrieb des Wassers sorgt allein der Höhenunterschied von der gut 1200 Meter hohen Gebirgsregion bis zur Stadt am Meer. Doch diesen Winter sind die Schneefälle in den Bergen ausgeblieben - und nun fehlt das Schmelzwasser.

Seit Jahren gibt es Maßnahmen, um Wasser zu sparen

Die Dürre sei schon eine Herausforderung für seine Leute, sagt Harasick. Doch er sieht die einwohnerstärkste Stadt Kaliforniens gut gerüstet:

"Wir haben große Wasserspeicher wie diesen gebaut, um durch solche Trockenperioden zu kommen. Außerdem gibt es bei uns schon seit Jahren Maßnahmen zum Wassersparen: Wir schreiben vor, an welchen Wochentagen die Leute ihren Rasen wässern dürfen, außerdem fördern wir wassersparende Toiletten und Waschmaschinen."

In diesen Anstrengungen sieht der Wassermanager die Erklärung dafür, dass Los Angeles zwar in den vergangenen 20 Jahren um eine Million Einwohner gewachsen, der Wasserverbrauch aber fast gleich geblieben ist. Die Botschaft, dass Wasser kostbar ist, sei bei den Leuten angekommen.

Mehr zum Thema:

Dürre - Wassermangel bedroht Kenia (Deutschlandradio Kultur, Weltzeit, 09.09.2014)
Kalifornien - Der Fluch ewigen Sonnenscheins (Deutschlandradio Kultur, Weltzeit, 05.08.2014)
Dokumentarfilm - "Zum Wasser gibt es keine Alternativen" (Deutschlandradio Kultur, Thema, 15.05.2014)

Weltzeit

Neu-Delhi und CoronaVirus trifft Smog
Die romantische Stimmung zum Sonnenaufgang ist vor lauter Smog kaum zu erkennen. (picture alliance/ ZUMA Press/ Manish Rajput)

Über 500.000 Corona-Infizierte gibt es in Neu-Delhi derzeit. Die hohe Feinstaubbelastung besonders jetzt im Winter erschwert den Krankheitsverlauf und erhöht die Sterberate der Betroffenen. Und dann ist auch noch Festivalsaison in Indien. Mehr

Ungarns neue EliteWie EU-Gelder Orbáns Macht sichern
Zu sehen ist Viktor Orban, Premierminister von Ungarn. Im Hintergrund ein Mann mit Mund-Nasen-Bedeckung. (dpa / AP / EPA Pool / Stephanie Lecocq)

Als Viktor Orbán 2010 Ungarns Premierminister wurde, leitete sein Schulfreund Lörinc Mészaros einen Klemptnerbetrieb. Jetzt ist er Milliardär. Freunde und Familie von Orbán wurden reich, auch dank EU-Geldern - vor allem aus dem Agrarsektor.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur