Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Montag, 18.11.2019
 
Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Kulturnachrichten

Sonntag, 12. Oktober 2014

Kairos "Hängende Kirche" nach Restaurierung wiedereröffnet

Einweihungsfeier mit Ägyptens Premierminister Ibrahim Mahlab und dem koptischen Papst Tawadros II.

Eine der ältesten Kirchen Ägyptens ist nach 16 Jahren Restaurierung wieder vollständig für die Öffentlichkeit zugänglich. Die "Hängende Kirche" in Kairo sei gestern feierlich eröffnet worden, berichtete die ägyptische Staatszeitung "Al-Ahram" . Steigendes Grundwasser hatte der Koptisch-Orthodoxen Kirche der Heiligen Jungfrau Maria zugesetzt. In der umgerechnet rund elf Millionen Euro teuren Restauration seien vor allem die Fundamente verstärkt worden, berichtete "Al-Ahram". Ihren Spitznamen verdankt die "Hängende Kirche" dem Umstand, dass sich das Kirchenschiff über dem Torhaus einer römischen Zitadelle aus dem 2. Jahrhundert befindet. Die 1300 Jahre alte Kirche ist heute Teil einer Anlage, die eine der ältesten Synagogen Ägyptens und die erste in Kairo erbaute Moschee beherbergt. Ägyptens Antikenminister Mamdu al-Damati lobte in einem Radiointerview den "nennenswerten Einfluss" der Kirche auf Ägyptens Geschichte und deren umfangreiche Ikonensammlung.

Erneut Besucherminus auf der Frankfurter Buchmesse

Schon im dritten Jahr in Folge Besucherrückgang

Die Frankfurter Buchmesse hat in diesem Jahr erneut einen Besucherrückgang verzeichnet. Insgesamt kamen während der fünf Tage rund 270 000 Menschen zum weltgrößten Branchentreff. Bei den Fachbesuchern wurden knapp zwei Prozent weniger gezählt als vergangenes Jahr, wie die Messe am heutigen letzten Messetag in einer vorläufigen Bilanz berichtete. Das allgemeine Lesepublikum, das nur am Wochenende Zugang hatte, liege zahlenmäßig etwa auf dem Niveau von 2013. Im vergangenen Jahr waren 276 000 Menschen gekommen. Das waren gut zwei Prozent weniger gewesen als 2012. Als Gründe für das erneute Minus sieht Buchmesse-Sprecherin Katja Böhne die weltweite Konsolidierung der Buchbranche sowie die schwierige Lage in Ländern wie Italien und Spanien. Insgesamt kamen zur Messe, die vom Dachverband der deutschen Buchbranche organisiert wird, rund 7000 Aussteller aus 100 Ländern.

Staatssekretär: Berlin prüft höhere Preise für Theaterkarten

Die Subvention pro Karte ist zur Zeit in Berlin doppelt so hoch wie in München

Der Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) hat sich einem Zeitungsbericht zufolge für höhere Eintrittspreise bei Theatern und Opernhäusern in der Hauptstadt ausgesprochen. "Ich bin überrascht, wie günstig manches ist", sagte Renner der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Wirtschaft wachse, über elf Millionen Touristen kämen im Jahr. "Da müssen wir neu schauen, wie wir Preisstrukturen gestalten." Seine Verwaltung analysiere gerade die Situation in anderen Städten. Laut Zeitung kostet an der Berliner Staatsoper die teuerste Karte für eine Repertoirevorstellung an einem Wochentag 84 Euro, an der Bayerischen Staatsoper seien es 132 Euro. Die öffentliche Hand schieße in Berlin 257 Euro pro Karte zu, in München seien es 110 Euro.

Disput mit Bubis: Walser sieht sich rückblickend als "Vollidiot"

Er hätte Bubis Versöhnungsangebot annehmen sollen, sagte Walser

Vor 16 Jahren hat Martin Walser bei Entgegennahme des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels vor einer "Instrumentalisierung des Holocaust" gewarnt. Jetzt hat der 87-jährige Autor erneut bedauert, dass er nach der heftigen Debatte über seine Rede ein Versöhnungsangebot des jüdischen Zentralratspräsidenten Ignatz Bubis nicht angenommen habe. Er sei ein "Vollidiot" gewesen, sagte er auf der Frankfurter Buchmesse dem TV-Sender 3sat. Walser hatte gestern auf der Bücherschau sein neues Buch über den jiddischen Klassiker Sholem Yankev Abramovitch vorgestellt.
Walser hatte 1998 mit Blick auf Auschwitz von einer "Moralkeule" gesprochen. Bubis, damals Präsident des Zentralrats der Juden, kritisierte den Autor deswegen als "geistigen Brandstifter". Später bot Bubis ihm eine Entschuldigung an. "Und ich Vollidiot war so verkrampft, dass ich gesagt habe: Nein danke", sagte Walser 3sat. Verschiedenes wäre bei einer Versöhnung dann anders gelaufen. Bubis starb 1999. Walser nahm acht Jahre später an einer Eröffnung zu einer Bubis-Ausstellung in Frankfurt teil. Damals bedauerte er bereits, sich mit dem Zentralrats-Präsidenten nicht zu dessen Lebzeiten ausgesöhnt zu haben.

Kollegen unterstützen Schweizer Autor Mannhart vor Plagiatsprozess

Mannharts Buch ist zur Zeit nicht erhältlich

Mehr als 260 Schweizer Schriftsteller haben sich mit dem des Plagiats bezichtigten Autor Urs Mannhart solidarisiert. "Ohne das Recht, sich an Texten anderer zu inspirieren und sich an diese anzulehnen, gäbe es keine Literatur", zitierte die Nachrichtenagentur sda heute die Stellungnahme des Schweizer Autorenverbandes AdS. Der österreichische Reporter Thomas Brunnsteiner plant, in den nächsten Wochen eine Klage gegen den Schweizer Mannhart einzubringen, weil dieser in seinem Buch "Bergsteigen im Flachland" Material aus seinen Reportagen verwendet habe. Bereits im September musste der Zürcher Secession Verlag die Auslieferung des Buchs nach einem vorläufigen Entscheid des Handelsgerichts Zürich stoppen.

Kunstmuseum verhandelt noch über Gurlitt-Erbe

Entscheidung vermutlich am 26. November

Für das Kunstmuseum Bern ist die Annahme des Gurlitt-Nachlasses weiterhin offen. Es treffe zwar zu, dass das Museum vertrauliche Gespräche mit der Bundesrepublik Deutschland und dem Freistaat Bayern zur Frage einer Erbschaftsannahme führe. "Die Gespräche verlaufen konstruktiv, sind aber noch nicht abgeschlossen", betonte eine Museumssprecherin heute in einer Mitteilung. Selbst nach Abschluss der Gespräche sei der Stiftungsrat frei, "im best verstandenen Interesse des Kunstmuseums Bern über Annahme bzw. Ausschlagung der Erbschaft zu entscheiden". Die Museumsvertreterin widersprach damit anderslautenden Presseberichten von heute. Cornelius Gurlitt, der Sohn von Adolf Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, stand mit seiner millionenschweren Bildersammlung monatelang im Zentrum einer hitzigen Debatte um Nazi-Raubkunst. Er starb am 6. Mai dieses Jahres in München und hatte das Kunstmuseum Bern zuvor als Alleinerben eingesetzt.

New Fall Festival: London Grammar bricht Konzert ab

Der Sängerin ging es nicht gut

Die als Höhepunkt des Düsseldorfer New Fall Festivals gehandelte Band London Grammar hat ihr ausverkauftes Konzert in der Tonhalle nach 45 Minuten abgebrochen. "Es tut uns schrecklich leid", teilten die Festivalveranstalter mit. "Sängerin Hannah ging es leider nicht gut. Sie hat alles versucht, die Kraft reichte aber nur für 45 Minuten. Wir wünschen Hannah jetzt erstmal gute Besserung!". Das jähe Ende des Auftritts wurde gestern Abend mit einigen Buh-Rufen quittiert. Eine Stellungnahme der Band, die sich derzeit auf Europa-Tournee befindet und im Anschluss auf US-Tour gehen will, blieb zunächst aus. Das New Fall Festival holt die Popstars in altehrwürdige Konzertsäle der Klassik. Die vierte Auflage des Musikfestivals endet heute mit einem Auftritt von Judith Holofernes. Auch Mogwai, Kaiser Chiefs und Maxim waren nach Düsseldorf gekommen.

Abschluss der Buchmesse: Internetkritiker Lanier erhält Friedenspreis

Die Laudatio auf Lanier hält der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz (SPD)

Zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse erhält der Google- und Facebook-Kritiker Jaron Lanier heute in der Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Die Branche würdigt mit der Auszeichnung "einen Pionier der digitalen Welt, der erkannt hat, welche Risiken diese für die freie Lebensgestaltung eines jeden Menschen birgt". Auf dem Messegelände werden am letzten Tag der weltgrößten Bücherschau nochmals mehrere zehntausend Besucher erwartet. Der 54-jährige Friedenspreisträger Lanier, ein Informatiker aus Kalifornien, hat in früheren Jahren selbst zur Entwicklung virtueller Welten beigetragen. Er bezeichnet sich heute als einen "digitalen Idealisten". Lanier sieht in der globalen Reichweite und der umfassenden Sammlung persönlicher Daten einen Trend zur totalitären Gesellschaft und ruft zur Verteidigung humanitärer Werte auf.

Makedonisches Grab in Nordgriechenland gibt neue Geheimnisse preis

Wer dort begraben liegt, ist aber noch unklar

Ein beeindruckendes Bodenmosaik ist die jüngste Entdeckung der Archäologen, die ein großes Grab aus der Zeit Alexanders des Großen bei Amphipolis in Nordgriechenland untersuchen. Das griechische Kulturministerium veröffentlichte am heute Fotos des 4,5 mal 3 Meter messenden Mosaiks. Es zeigt einen Streitwagen mit einem bärtigen, bekränzten Mann, dem der Götterbote Hermes voranschreitet, in der Rolle eines "Seelenführers", der die Toten ins Jenseits begleitet. Es ist in der Mitte beschädigt. Das Mosaik wurde in der zweiten von bislang drei Grabkammern gefunden. Bereits in den vergangenen Monaten wurden an den Zugängen zu den einzelnen Kammern zwei Sphinx-Statuen und zwei überlebensgroße Karyatiden - Frauenstatuen, die in der Architektur als Stützen dienen- aus Marmor gefunden. Derweil geht das große Rätselraten um den offenbar hochstehenden Toten weiter, der in der Antike in dem Grab beigesetzt wurde. Nach Einschätzung der Archäologen stammt das Grab aus dem letzten Viertel des 4. Jahrhunderts v. Chr. Die Annahmen gehen dahin, dass dort ein hoher Offizier aus Alexanders Armee oder Flotte beigesetzt wurde, oder auch ein Mitglied des makedonischen Königshauses. Das Mosaik stütze die These, dass dort ein Mann beigesetzt wurde, hieß es.

Mexikanischer Regierungskritiker während Live-Radiosendung getötet

Unbekannte erschießen Aktivisten im Studio

Während seiner wöchentlichen Live-Radiosendung ist ein mexikanischer Moderator und Aktivist von Unbekannten erschossen worden. Zwei Attentäter hätten drei Schüsse auf Atilano Román abgefeuert, sagte der stellvertretende Staatsanwalt von Sinaloa, Sánchez Solís, der Nachrichtenagentur AFP. Lokalmedien zufolge vernahmen die Hörer der Radiosendung "Das hier ist mein Land" erst drei Schüsse. Anschließend hätten Mitarbeiter des Moderators geschrien: "Sie haben ihn getötet, sie haben ihn getötet." Román war ein populärer Kritiker des Staudamms Pichaco nahe der nordwestlich gelegenen Stadt Mazatlán. Er und andere Aktivisten forderten von der Regierung Entschädigungen für Menschen, die für den Bau des Staudamms enteignet oder vertrieben wurden. Der Chef der Lokalzeitung "El Sol de Mazatlán, in deren Räumlichkeiten die Radiosendung aufgezeichnet wurde, vermutete einen "gezielten Anschlag". Die Attentäter seien eingedrungen und direkt zur Aufnahmekabine gegangen. Drei Mitarbeiter von Román, die sich in der Kabine aufhielten, blieben unversehrt. Lokalmedien zufolge konnten die Attentäter fliehen.

Oberrheinischer Kunstpreis für Miriam Cahn

Lebenswerk von Cahn wird in einer Ausstellung gezeigt

Die Schweizer Künstlerin Miriam Cahn hat den Oberrheinischen Kunstpreis erhalten. Die 65-Jährige werde für ihr herausragendes Wirken ausgezeichnet, sagte ein Sprecher der Jury. Cahn, die in Bergell im Schweizer Kanton Graubünden lebt, sei eine der bedeutenden und vielseitigsten Künstlerinnen der Gegenwart. Der Preis ist mit 10 000 Euro dotiert, er wird seit 2011 alle drei Jahre von der Stadt Offenburg vergeben. Ausgezeichnet werden Künstler aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Erste Preisträgerin war die Malerin Corinne Wasmuht. Verbunden mit dem Preis ist eine dreimonatige Ausstellung in der Städtischen Galerie Offenburg. Die Schau "Miriam Cahn, Bestandsaufnahme" wurde heute eröffnet, sie ist bis zum 18. Januar 2015 zu sehen. Gezeigt wird das Lebenswerk der Künstlerin.

Kent Nagano sorgt sich um klassische Musik

Das Altern des Klassikpublikums sei eine dramatische Gefahr für die Zukunft, sagt Nagano

Star-Dirigent Kent Nagano (62) sorgt sich um die Zukunft der klassischen Musik. Aus dem Alltag der Menschen sei sie weitgehend verschwunden, sagte der US-Amerikaner dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Nach meiner Erfahrung gibt es bereits zwei Generationen von Menschen, die nie mit klassischer Musik in Berührung gekommen sind." Nagano war bis 2013 Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in München und übernimmt 2015 diese Position an der Hamburgischen Staatsoper. "Natürlich fürchten wir Musiker, dass die Menschen gar keine Wahl mehr haben, weil Pop und Unterhaltung alles überschwemmen", sagte Nagano. "Wenn junge Menschen heute keinen Zugang mehr zu klassischer Musik haben, woher sollen sie dann wissen, ob sie diese Musik mögen oder nicht?" Damit gingen großartige Erfahrungen verloren, "Inspiration, spirituelle Momente, auch die Möglichkeit, etwas zu erleben, das größer ist als man selbst".

Kulturnachrichten hören

Oktober 2014
MO DI MI DO FR SA SO
29 30 1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31 1 2

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

Netz-IkonenWenn Protestbilder viral gehen
Die Aktivistin Leshia Evans stellt sich im Juli 2016 der Polizei entgegen. In Baton Rouge, im US-Bundesstaat Louisiana, war es zu heftigen Protesten gegen Polizeigewalt gegen Afroamerikaner gekommen. (World Press Photo/AP Photo/Jonathan Bachmann/Thomson Reuters)

Bilder spielen für Protestbewegungen eine zentrale Rolle. Über sie können Botschaften transportiert werden und besonders ikonische Fotos können mehr Aufmerksamkeit für ein Thema wecken. Wie hat sich diese Dynamik im Netz-Zeitalter verändert?Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur