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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 13.09.2019

Kabarettist und Autor Dirk StermannDer ewige Deutsche in Österreich

Moderation: Katrin Heise

Portät von Dirk Stermann, den Kopf leicht gelangweilt auf die Hand gestützt. (Picture Alliance / APA / Georg Hochmuth)
Dirk Stermann hat sich in Österreich durchgesetzt - trotz norddeutsch anmutenden Dialekts. (Picture Alliance / APA / Georg Hochmuth)

Beamter, wie sein Vater und Großvater, wollte Dirk Stermann nicht werden. Dann schon lieber "Deutscher in Österreich". Seit über 30 Jahren lebt der gebürtige Duisburger in Wien und moderiert die erfolgreichste Late-Night-Show der Alpenrepublik.

"Ironische Moderatoren" – das ist die Bezeichnung, die Dirk Stermann wählt, um sich und seinen langjährigen Bühnen- und Berufspartner Christoph Grissemann zu beschreiben. Und auch wenn die beiden bevorzugt die Politik aufs Korn nehmen, als politische Kabarettisten verstehen sie sich nicht:

"Wir wollten nie etwas verbessern oder verändern. Wir wussten von Anfang an, dass man Menschen nicht besser machen kann."

Wie ein altes Ehepaar ohne Geld für die Scheidung

Seit 30 Jahren steht Dirk Stermann nun schon mit seinem österreichischen Partner Christoph Grissemann auf der Bühne, vor der Kamera, hinter dem Mikrofon. Der deutsche Numerus Clausus im Fach Theaterwissenschaften hatte den gebürtigen Duisburger nach Österreich gebracht, das als nicht sonderlich spannend empfundene Studium schließlich zum ORF in Wien.

Kurz darauf traf er Grissemann, mit dem ihn seither eine enge Arbeitsbeziehung verbindet. "Die gleichen Desinteressen" hätten sie damals zusammengeführt, sagt Stermann. Und heute bleibe man eben zusammen, "wie ein altes Ehepaar, das sich die Scheidung nicht mehr leisten kann."

In den vergangenen drei Jahrzehnten hatte das Satiriker-Duo verschiedene Radioshows und Fernsehsendungen. Seit 2007 moderieren die beiden die Talkshow "Willkommen Österreich".

Sie werden aber hier nie reden dürfen!

Dirk Stermann selbst wurde zumindest beim ORF auf eher spezielle Art willkommen geheißen: "Nach dem 'Grüß Gott' war der zweite Satz: 'Sie werden aber hier nie reden dürfen!'"

Als man ihm und seinem in österreichischen Ohren "norddeutsch" anmutenden Sprachklang dann doch einmal eine Chance vor dem Mikrofon einräumte, wurde er anschließend zu einem "Entpiefkenisierungskurs" gebeten - "ein Sprechertraining, wo man dann am Ende nicht mehr hört, wo ich herkomme". Sein Résumé: "Hat nicht funktioniert!"

Seiner Liebe zu Österreich hat das aber nicht geschadet. Und so nimmt er sich heraus, als Deutscher über die Politik Österreichs zu sprechen, selbst wenn ihm das manch einer Übel nimmt: "Ich bin jetzt seit über 30 Jahren dort und habe mir deswegen ein bisschen auch das Recht erkämpft, über Österreich reden zu dürfen." Auch wenn er sich wahrscheinlich besser in Österreich auskenne als viele Einheimische, werde er wohl für immer "der Deutsche in Österreich bleiben".

Literarisches Denkmal für die Wahlheimat Wien

Eine ganz andere Seite zeigt Dirk Stermann beim Schreiben. Über seinen Roman "Der Junge bekommt das Gute zuletzt" urteilte ein Kritiker, es sei "der traurigste Roman der Welt". Immer wieder tritt der 53-Jährige auch als Autor in Erscheinung. Nun erscheint mit "Der Hammer" sein vierter Roman, mit dem er auch seiner Wahlheimat Wien ein literarisches Denkmal setzt.

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