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Interview | Beitrag vom 23.04.2019

Kabarettist Florian Schroeder zur Ukraine-WahlKomiker an der Macht - keine gute Idee

Florian Schroeder im Gespräch mit Dieter Kassel

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Der ukrainische Präsidentschaftskandidat Wolodymyr Selenskyj jubelt nach den ersten Prognosen bei der Stichwahl um das Präsidentenamt. (AFP - Genya Savilov)
Der künftige Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenski, muss nun zeigen, für welche Politik er eigentlich steht. (AFP - Genya Savilov)

Nach dem Wahlsieg des Komikers Wolodymyr Selenski in der Ukraine ist der Kabarettist Florian Schroeder skeptisch, ob Leute wie er in die aktive Politik gehören: Komiker sollten Fragen stellen, aber keine Lösungen präsentieren.

Wolodymyr Selenski ist nun zwei Mal zum Präsidenten der Ukraine gewählt worden – erst in seiner populären Fernsehserie "Diener des Volkes", am Sonntag dann bei der echten Wahl. Der 41-jährige Komiker und Schauspieler hatte sich erfolgreich gegen den Amtsinhaber Petro Poroschenko durchgesetzt.

Die Kabarettist Florian Schroeder steht vor rotem Hintergrund auf einer Bühne ("Christian Schneider / Maulhelden" )Die Kabarettist Florian Schroeder kritisiert die Politik, hat aber dennoch Respekt vor dem politischen Geschäft. ("Christian Schneider / Maulhelden" )

"Es ist mir immer lieber, wenn Komiker am Ende dann doch nicht Politiker werden", zeigte sich der Kabarettist und Kolumnist Florian Schroeder im Deutschlandfunk Kultur angesichts des Wahlsiegs skeptisch. "Ich glaube, das ist gesünder."

Schroeder erinnerte an das Zitat des Dichters Gottfried Benn: "Die Kunst ist der Schmerz, nicht die Therapie." In diesem Sinne seien Komiker diejenigen, die etwas aufzeigten, etwas in Frage stellten und den Finger in die Wunde legten, aber nicht diejenigen, die die Lösungen hätten.

Respekt vor den Aufgaben der Politiker

Er selbst verspüre nicht den Wunsch, die Rolle zu wechseln und in die Politik zu gehen, sagte Schroeder. "Dafür ist mein Respekt vor den Aufgaben, die man hat, und vor Politikern tatsächlich zu groß."

Das komödiantische Geschäft lasse sich nur betreiben, indem man einen Grundrespekt vor der Politik habe, vor deren Verfahrensweisen und vor den Leuten, die dieses Geschäft betrieben, meinte Schroeder. "Nur wenn man diesen Respekt hat, kann man dieses Geschäft auch wirklich da kritisieren, wo es verdient hat, kritisiert zu werden." Nichts sei schlimmer als ein Komiker, der am Ende so populistisch sei wie die Leute, denen er vorwerfe, populistisch zu sein.

Kritik an Selenski: Dünnes Programm 

Zur Wahl von Selenski äußerte sich Schroeder kritisch: Das Programm und die Ideen des ukrainischen Komikers seien bisher offenbar sehr dünn. Selenski verlasse sich sehr stark auf seine Wirkung, seine Sendung und seinen Instagram-Account. "Das ist natürlich nur der kleinste Teil der Arbeit", sagte Schroeder.

Wie schwierig es sei, eine neue Bewegung mit neuem Personal zu gründen, habe man bereits bei Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron gesehen. "Ich glaube, es kann nur dann funktionieren, auch bei Selenski, wenn er sich Leute  aus dem Maschinenraum holt und zwar Leute, die das können, was er nicht kann." Da werde der neue Präsident auf Leute zurückgreifen müssen, die den politischen Apparat beherrschten.

(gem)

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