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Kompressor | Beitrag vom 31.05.2017

KabarettHumor mit Rechtsdrall?

Daniela Mayer im Gespräch mit Max Oppel

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Der Dresdner Kabarettist Uwe Steimle steht am 08.05.2017 auf dem Neumarkt in Dresden (Sachsen). Steimle hatte zuvor ein hölzernes Modell des Dresdner Fernsehturms auf dem Neumarkt aufgestellt. Mit der Aktion möchte Steimle die Dresdner Bürger dazu bewegen, Kunstinstallationen statt mit Pöbeleien mit mehr Humor zu begegnen. Der etwa 70 Zentimeter hohe Fernsehturm mit einem Halbmond auf der Spitze soll außerdem dem Vorhaben zur Wiedereröffnung des Dresdner Fernsehturms neuen Anschub geben. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa | Verwendung weltweit (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert)
Ist Uwe Steimle wirklich rechts? Am 8.5.2017 stellte der Kabarettist ein hölzernes Modell des Dresdner Fernsehturms auf dem Neumarkt auf, um die Dresdner Bürger zu mehr Toleranz gegenüber Kunstinstallationen zu bewegen. (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert)

Hat der Humor in Deutschland plötzlich einen Rechtsdrall? Lassen sich Kabarettisten vom AfD- und Pegida-Rechtsruck tragen? Uwe Steimle sei nicht ohne Grund umstritten, meint Daniela Mayer von der DLF-Sendung "Querköpfe".*

Steimle sei schon seit Jahren "politisch provokativ", so die Kabarett-Expertin im Deutschlandfunk Kultur. "Und zwar nicht nur, wie es jetzt der Fall ist, vom rechten Rand aus", betonte sie. Früher habe er von einer linken Position aus sehr radikale Meinungen vertreten.

Uwe Steimle - nur dem Volk aufs Maul geschaut?

"Im Prinzip ist es bei ihm so, dass er sagt: Er schaut den Menschen im Osten aufs Maul, wie er es auch gerne sagt, oder auf den Mund eben. Und er hat sich da ein bisschen gedreht. Für ihn ist es eigentlich konsequent, was er macht: Er verfolgt die Meinungen seines Publikums im Osten und ist jetzt mitgezogen."

Mayer vermutet hinter Steimles Positionsveränderung nicht nur einen politischen Sinneswandel:

"Zum anderen hat er einfach für sich auch eine Nische gefunden, also, klar, Kabarettisten wollen ein Publikum. Würde er eine linke Meinung vertreten: für die Flüchtlingspolitik, für alles, was eben links populär ist, müsste er sich da sehr den Platz erkämpfen."

Der Schweizer Kabarettist Andreas Thiel moderiert am 14.01.2017 die Verleihung des Deutschen Kabarett-Preises in der Tafelhalle in Nürnberg (Bayern). Foto: Daniel Karmann/dpa (picture alliance / dpa / Daniel Karmann)Der Schweizer Kabarettist Andreas Thiel moderierte am 14.1.2017 die Verleihung des Deutschen Kabarett-Preises in Nürnberg. (picture alliance / dpa / Daniel Karmann)

Andreas Thiel: Rechtskonservativer mit Irokesenschnitt

Als explizit rechtskonservativ bzw. rechtsliberal hat sich Mayer zufolge hingegen der Schweizer Kabarettist Andreas Thiel geoutet. Mit seinem Irokesenschnitt habe sich Thiel eine sehr kontroverse Figur geschaffen, mit der es ihm sehr gut gelinge, zu protestieren.

"Er hat zuletzt sich sehr, sehr kritisch über den Koran geäußert, stand lange unter Polizeischutz, und es ist wirklich so, dass er in der Schweiz vor halbleeren Häusern spielt oder gar nicht auftreten kann, weil die Linken auf keinen Fall auch nur sich in seine Nähe bringen wollen."

Grundsätzlich erwartet Daniela Meyer jedoch keinen weiteren Rechtsruck des deutschen Kabaretts.* Doch die Zeiten, in denen politisches Kabarett eine linke Enklave war, seien vorbei, sagt Mayer:

"Aber dass es sich mehr, ich sage mal, in Richtung gutbürgerliche Mitte, konservative Meinung entwickelt, das glaube ich schon. Das ist auch durchaus legitim."

*) Anmerkung: In der ersten Version dieses Textes haben wir weitere Kabarettistinnen und Kabarettisten neben Uwe Steimle genannt und damit in einen AfD- und Pegida-Kontext gebracht, ohne dies im Text oder im Gespräch zu begründen. Zudem tauchte in einer früheren Version ein Zitat unserer Gesprächspartnerin auf, das nicht Teil des hier zusammengefassten Interviews war. Beide Fehler haben wir in dieser Fassung korrigiert.

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