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Zeitfragen | Beitrag vom 22.06.2020

Junglandwirt Max Häußler"Wir arbeiten mit der Natur zusammen"

Von Uschi Götz

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Ein dunkelhaariger Mann mit grünem T-Shirt steht in einem Kornfeld. (Uschi Götz)
Ein abwechslungsreicher Job, bei dem man Abend sieht, was man geschafft hat, sagt Max Häußler über den Beruf des Landwirts. (Uschi Götz)

Misten, melken, mähen: Junglandwirt Max Häußler mag seinen Beruf. Mit gerade mal 21 Jahren führt er bereits den elterlichen Bauernhof. Nur die Vorurteile gegenüber Bauern stören ihn - vom Tierquäler bis zum Luftverpester. Mit denen will er aufräumen.

Mit seiner Mutter sitzt Max Häußler am Küchentisch. Von hier aus wird am Abend der nächste Tag geplant. Doch oft genug ist am nächsten Tag alles anders. Mal kommt der Wetterumschwung schneller als vorhergesagt, ein anderes Mal hat ein Rind Probleme beim Kalben.

Max ist 21 Jahre alt und gelernter Landwirt, zurzeit macht er den Meister. Vor neun Jahren starb sein Vater, mit seinen Brüdern half er der Mutter den Hof weiterzuführen. Die Brüder sind in anderen Berufen tätig, schon früh stand fest, dass Max, der mittlere, einmal den Hof übernehmen wird.

"Ich schau nachher nach dem Getreide, dann schaue ich nach dem Mais, wer der jetzt aussieht."

Der überarbeitete Plan für den Tag steht. Mutter Häußler, knapp über 60, eine wache Frau mit Bubikopf, versteht viel von Politik: Trump, der aktuelle DAX, Wirtschaftspolitik, über alles kann man ihr reden, nur der Sohn will nicht:

"Er ist nicht so politisch interessiert."

"Ich verfolge das schon", protestiert er.

"Und da heißt es: 'Lass mir meine Ruhe mit dem Zeug.‘"

"Wenn das morgens schon losgeht!"

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Natürlich bekomme er die aktuellen Entwicklungen mit, sagt der Junglandwirt, doch alles interessiere ihn eben nicht. Anders sei das mit der eigenen Standespolitik, da sei er natürlich informiert: Düngeverordnung, neue Bauverordnung. Kaum ein Monat vergeht ohne Änderungen.

Ein Idyll mit Rissen

Die Arbeit ruft, in diesem Fall sind es Kühe und der Junglandwirt geht nach draußen. Um kurz nach sechs Uhr werden die Tiere gefüttert und gemolken, anschließend einige der Ställe gemistet:

"Dann guckt man noch, wie es den Kühen geht und dem Jungvieh und den Kälbern. Dann lassen wir sie raus auf die Weide, über den Sommer."

Das dunkle Haar des Junglandwirts sitzt perfekt, ein dezenter Herrenduft umweht ihn. Nicht weniger perfekt sieht es auf dem Hof aus: Um das Bauernhaus mit angebauter Scheune blühen Rosen, im Bauerngarten wächst Gemüse, ein altes, liebevoll hergerichtetes Backhaus rundet das Idyll ab. Ein Bild mit Rissen, wie der Junglandwirt gleich erzählen wird. Er zeigt auf eine paar Kühe auf der Weide. Er zeigt auf eine Weide:

"Die sind jetzt zwischen 15 und 17 Monate alt, die werden momentan belegt, dass sie in neun Monaten das erste Kalb auf die Welt bekommen."

Älter und reifer wirkt der 21-Jährige, wie er so routiniert die Abläufe auf dem Hof erklärt. Sein dunkles Haar sitzt perfekt, ein dezenter Herrenduft umweht ihn. Er habe bis auf wenige Ausnahmen einen geregelten Tag, auch habe er einen großen Bekanntenkreis. Auf dem Weg zu den Feldern räumt er mit Vorurteilen über Landwirtinnen und Landwirte auf: "Einmal in der Woche trifft man sich irgendwo, mal abends, und dann tauscht man sich aus."

Wie viele andere Kolleginnen und Kollegen geht auch Max Häußler wenigstens einmal im Jahr in Urlaub. Ist er weg, helfen seine Brüder der Mutter bei der Hofarbeit. Neulich wäre für den Junglandwirt fast ein Traum in Erfüllung gegangen: Im späten Frühjahr wollte er in die Dominikanische Republik reisen, um seine Freundin zu besuchen. Coronabedingt musste die Freundin ein Auslandspraktikum in der Karibik abbrechen und so blieb der Landwirt zuhause. Zurzeit suchen die beiden nach einem alternativen Reiseziel.

Luftverpester, Tierquäler - wie wird man dieses Vorurteile los?

Auf Schotterwegen geht es in einem älteren Auto Richtung Mais- und Gerstenfelder. In der Ferne sind die Alpen zu sehen, von hier aus sind es nur noch ein paar Kilometer bis zum Bodensee. Auf der Fahrt sagt Häußler, natürlich störe es ihn, wenn Landwirte immer an den Pranger gestellt werden. Von Luftverpestung über Tierquälerei reichten die Vorwürfe. Im Kreise von anderen jungen Kolleginnen und Kollegen sei das oft ein Thema:

"Und da wird halt auch darüber diskutiert, wie wir das am besten anstellen, dass wir der Bevölkerung einfach sagen können: ‚Wir schaffen mit der Natur zusammen, die brauchen wir, dass wir überhaupt Lebensmittel produzieren können."

Ein dunkelhaariger kräftiger Mann in kurzen Hosen und grünem T-Shirt auf einer Wiese, in der Nähe drei Kühe. (Uschi Götz)Der Junglandwirt würde gern 70 weitere Kühe kaufen. (Uschi Götz)

Am Rande eines Gerstenfeldes parkt er das Auto und schaut die Frucht an: bei der Gerste sieht bislang alles gut aus. Auch das vergangene Jahr brachte reichlich Ertrag, anders die Trockenheit vor zwei Jahren:

"Da haben wir schon gemerkt, also am Ertrag, schon sehr wenig. Dieses Jahr ist normal."

Auch der Mais auf dem Feld gegenüber ist gut angewachsen. "Manchmal fragen mich die Leute, was wir da machen." Dann erkläre er gerne, wie das so ist mit der Landwirtschaft. Dabei sagt er auch, wie gerne er den Job macht.

"Ich könnte nicht morgens um sechs oder sieben in der Industrie einstempeln und gucken, dass ich meine acht Stunden voll bekomme."

Ein abwechslungsreicher Beruf

Es sei vor allem die Abwechslung, die dieser Beruf biete, sagt er zurück auf dem Hof. Auch dass man am Abend sieht, was geschafft wurde. Bei minus 10 Grad sei es doch manchmal auch blöd, aber das verginge schnell. Er schaut auf sein Elternhaus und stolz klingt er, wenn er erzählt, der Familie gehöre dieser Hof schon seit 1840.

"Ich finde es schon ziemlich gut hier, gefällt mir."

Kann er sich vorstellen, das bis zum Lebensende zu machen? "Vorstellen kann ich mir das schon, aber der Betrieb ist zu klein."

Je kleiner ein landwirtschaftlicher Betrieb ist, desto unrentabler ist es für seinen Besitzer. Mehr Tiere bedeuten weniger Kosten und sicheren einen höheren Ertrag. Dafür müsste Max Häußler jetzt in die Zukunft investieren. 70 weitere Kühe würde er gerne anschaffen, einen Milchviehstall bauen und dort einen Melkroboter einsetzen.

Für diese Investitionen bräuchte der Landwirt einen Kredit. Dieses Risiko scheut der 21-Jährige. "Ich bin noch zu jung, um mich so hoch zu verschulden", sagt er: "Manche sind dazu gezwungen, dass sie es machen müssen bis an ihr Lebensende. Und ich habe die Möglichkeit, ich kann aussteigen."

Er könnte einen weiteren Beruf erlernen oder vielleicht doch in die Industrie wechseln. Mit seiner Mutter steht er nun im Stall mit den Kälbern. Für ein Foto legt er den Arm auf ihre Schultern. Nächstes Jahr will Max Häußler entscheiden, wie die Zukunft des Hofes aussehen soll. 

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