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Tonart | Beitrag vom 04.05.2020

Junge Rapper aus der HauptstadtDie Berliner Schule wird divers

Johann Voigt im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Der Berliner Fernssehturm ist zwischen Wolken zu sehen. (Unsplash / Polaroidville)
Aus dem Berliner Untergrund hin zu den großen Labels - im Rap bewegt sich was. (Unsplash / Polaroidville)

Vor 20 Jahren haben die Labels Aggro Berlin und Ersguterjunge reihenweise Eltern schockiert. Doch die Hochzeiten des Berliner Hip-Hops liegen lange zurück. Eine neue Generation Rapper will das jetzt ändern.

In den 00er-Jahren war Gangster-Rap aus Berlin dank Sido oder Bushido prägend für ganz Deutschland. Diese Rapper sind zwar noch erfolgreich, aber federführend für Deutschrap sind schon lange nicht mehr. In den letzten zehn Jahren waren andere Künstler am Zug, der Sound ist diverser geworden und vor allem absoluter Mainstream. Doch in Berlin entsteht gerade eine neue junge Hip-Hop-Szene, die mit einer Untergrund-Ästhetik spielt und mit der sehr aalglatten Hochglanz-Autotunemusik, die in den letzten Jahren relevant war.

Diese Generation macht aus, dass die Künstler alle sehr jung sind, aber schon einen sehr gefestigten Sound mitbringen. Sie bedienen dabei eine rohe Ästhetik, nicht nur musikalisch, sondern auch in den Videos und ihren Social-Media-Auftritten. Das steht entgegen der Rapmusik die in den letzten Jahren am populärsten war: Marimba-Klänge, Autotune-Gesang, Autos, Pools, Yachten in Hochglanzvideos, alles war sehr clean und sollte schön wirken. Berliner Künstler wie Ufo361, Luciano und Capital Bra haben mit diesen Klischees zwar anfangs immer wieder gebrochen, aber eben nicht konsequent – sie waren quasi ein Zwischenstadium. 

Die Major-Label sind mit an Bord

Der neue Berlin-Rap bricht seit zwei, drei Jahren mit diesen Looks und wird damit nun erfolgreich und deutschlandweit adaptiert. Diese Neue Berliner Schule, eint also vor allem eine gewisse Dreckigkeit im Auftreten, während die Strukturen hinter den Künstlern durch Labels wie Sony und Universal sehr professionell sind.

Ähnlich wie früher ist diese neue Generation oft als Kollektiv organisiert, zum Beispiel BHZ oder Hutmacher Entertainment. Dazu vereinen sie zwei Dinge, die charakteristisch für Berlin Rap in den 90er- und 00er-Jahren waren. Den Untergrundcharme von Gruppen wie Westberlin Maskulin oder Bassboxxx, die ihre Musik auf Kassetten veröffentlicht haben – aber dadurch auch eine Nische blieben – und die Strategien von Aggro Berlin, die es geschafft haben ihre Künstler maximal als Marken zu etablieren und sie als "hart", "street" und authentisch zu verkaufen, ihnen ein Image aufzudrücken.

Dass das nicht authentisch war, ist vielen irgendwann klar geworden und dürfte einer der Gründe sein, aus denen Aggro Berlin heute nicht mehr existiert. Die neuen Berliner Rapper machen das klüger: Sie spielen mit dem Untergrundcharme, machen aber nicht auf hart, sind teilweise sogar wie im Falle von Symba eher androgyn und man weiß, dass bei den beiden großen Stars Pashanim und Symba schon jetzt Major-Label im Hintergrund arbeiten. 

Was auffällt: Es sind nur Männer, aber Frauen werden in Videos und Songs nicht mehr so stark als Objekte inszeniert, oder wie beispielsweise bei der 187 Strassenbande unter Drogen gesetzt oder wie bei Bushido herabgesetzt.

Eine Szene, viele Sounds

Innerhalb dieser neuen jungen Berlinrapszene gibt es Künstler, die sich an der Ästhetik von Horrorrap aus Memphis bedienen, andere samplen Latin-Platten und wieder andere, die sehr kurze Songs machen, die vor allem auf die Bassline fixiert sind.

Diese ganz kurzen, fast skathaften Songs, die auf den ersten Blick wirken wie hingerotzt, auf den zweiten aber sehr gut produziert sind, werden beispielsweise von Kasimir1441, Symba und Pashanim veröffentlicht und mittlerweile in ganz Deutschland adaptiert.

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