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Interview / Archiv | Beitrag vom 22.08.2014

Jugendarbeit gegen Islamismus Frust über Diskriminierung muss raus

Der Islamwissenschaftler Jochen Müller über seine Arbeit in Schulen und Jugendeinrichtungen

Moderation: Katja Schlesinger und Frank Meyer

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Fußgänger gehen durch Berlin-Kreuzberg (picture alliance / dpa / Hubert Link)
Fußgänger gehen durch Berlin-Kreuzberg (picture alliance / dpa / Hubert Link)

Die Erfahrung der Diskriminierung kann jugendliche Migranten zu möglichen Opfern für islamistische Rekrutierer machen. Das sagt der Islamwissenschaftler Jochen Müller, der mit seinem Verein "ufuq.de" auf präventive Gesprächsangebote setzt.

Was macht Jugendliche mit Migrationshintergrund zu möglichen Opfern für islamistische Rekrutierer? Oft ist es die Erfahrung der Diskriminierung, sagte Jochen Müller, Islamwissenschaftler und Mitbegründer des Berliner Vereins "ufuq.de – Jugendkultur, Medien und politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft" im Deutschlandradio Kultur. Sein Verein bietet Projekte in Schulen und in Jugendeinrichtungen an:

"Diskriminierungserfahrungen sind unter den Jugendlichen sehr verbreitet. Viele Jugendliche haben das Gefühl, nicht anerkannt zu sein in Deutschland, nicht wahrgenommen zu werden, nicht als gleichberechtigt hier leben zu können. Und viele beziehen das auch gerade auf ihre Eltern, wo sie Diskriminierungserfahrungen sehr persönlich und sehr spürbar mitbekommen haben."

Gerade Jugendliche seien "extrem sensibel" für Diskriminierungserfahrungen, so berichtet Müller aus seiner Arbeit.

"Es ist das Gefühl der Nicht-Anerkennung, das sehr viele frustriert. Und einige wenige bringt das tatsächlich dazu, sich massiv und aggressiv zur Wehr setzen zu wollen."

Das Wort "Ufuq" heißt auf Arabisch und Türkisch "Horizont. Ein Ziel der Vereinsarbeit sei es, "Jugendliche sprachfähig zu machen", sagte Müller. In der präventiven Arbeit biete man ihnen deshalb vor allem die Möglichkeit, miteinander über die ihnen wichtige Dinge wie etwa Religion, Identität oder Diskriminierungserfahrungen zu sprechen. Dazu hätten diese Jugendlichen sonst selten Gelegenheit:

"Und da wird schon sehr deutlich, wie unterschiedlich die Wahrnehmung der Jugendlichen ist und was für unterschiedliche Konsequenzen sie daraus ziehen. Diese Gespräche unter den Jugendlichen selbst – das immunisiert sie auch, das macht sie sensibel für die Schwarz-Weiß-Angebote, für die einfachen Weltbilder, die ihnen von diesen radikalen Gruppen präsentiert werden."

Mehr Infos im Netz: www.ufuq.de

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