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Aus der jüdischen Welt / Archiv | Beitrag vom 02.09.2016

Jüdische HochzeitDaniel Barenboim heiratet Jacqueline du Pré

Von Antonia Morin

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Der argentinisch-israelisch-spanisch-palästinensische Pianist und Dirigent Daniel Barenboim auf einer Aufnahme aus den 1960er Jahren (imago / United Archives International)
Der Dirigent Daniel Barenboim auf einer Aufnahme aus den 1960er Jahren (imago / United Archives International)

Probleme beim Heiraten gibt es in Israel schon lange: Das Eheversprechen ist dort Sache der jeweiligen Religionen. Ärger ist bei interreligiösen Trauungen vorprogrammiert. Das erfuhren vor fast 40 Jahren auch der Dirigent Daniel Barenboim und die Cellistin Jacqueline du Pré. Doch ihr Status als bereits berühmte Musiker half den beiden dabei, einige Hürden zu überwinden.

Jerusalem 1967. Ganz Israel schaut auf das junge Hochzeitspaar an der Klagemauer in Jerusalem. Die charismatische 22-jährige Cellistin Jacqueline du Pré und den zwei Jahre älteren Dirigenten und Pianisten Daniel Barenboim.

Ein neues Traumpaar der Musikwelt

Das neue Traumpaar in der Musikwelt. Sie in weißem Kostüm mit Haarkranz und Schleier, er in schwarzem Anzug und mit einer weißen Kippa auf dem Kopf. Erst im Vorjahr haben sich Daniel und Jackie in London bei einer Party kennengelernt:

"Ich erinnere mich, dass wir uns nicht mal 'Guten Abend' gesagt haben, sondern erst mal Kammermusik zusammen spielten."

"Ich gab ihr den Spitznamen 'Smiley', denn ich habe vorher noch nie jemanden getroffen, der so viel lacht."

Schon wenige Monate später soll die Hochzeit stattfinden – ganz nach jüdisch-orthodoxem Ritus vor einem Rabbiner, so verlangt es Barenboims Familie. Trauzeuge wird Barenboims enger Freund Zubin Mehta, der kurzerhand in "Moshe Cohen" umgetauft wird, um als Jude durchzugehen. Aber es gibt noch ein größeres Problem. Auch Jacqueline du Pré ist keine Jüdin.

Übertritt zum Judentum im Rekordtempo

Für die Hochzeit tritt sie in einem Crashkurs-Verfahren zum Judentum über:

"Der Gedanke, von nun an Jüdin zu sein, fiel mir leicht. Denn das Judentum ist für mich eine sehr abstrakte Religion. Vielleicht hat es auch etwas damit zu tun, dass so viele Musiker Juden sind."

Studium, Prüfung und das Tauchbad in der Mikwa – was normalerweise Monate oder Jahre dauert, erledigt Jackie binnen 24 Stunden – unter den missbilligenden Blicken des Oberrabbinats. Doch der ehemalige israelische Premierminister David Ben Gurion setzt sich für das prominente Musikerpaar ein und vereinbart eine Sonderregelung. Immerhin haben die beiden kurz zuvor im Sechstagekrieg Konzerte vor den Soldaten gegeben. Seitdem werden sie von den Israelis als Helden gefeiert.

Arm in Arm kehren die Frischvermählten nach der Trauzeremonie nach London zurück. Von nun an reisen sie oft gemeinsam um die Welt und treten als Duo auf. Nicht selten werden sie mit Robert und Clara Schumann verglichen.

Dem Ehemann immer einen Schritt voraus

Jackie scheint mit ihrer ungebremsten Energie ihrem Ehemann immer einen Schritt voraus zu sein:

"Zugegeben, es war manchmal schwierig, meine Frau zu begleiten. Sie verstand oft nicht so recht, dass wir Normalsterblichen Mühe hatten, ihr zu folgen."

Die britische Cellistin Jacqueline du Pré (1945 - 1987) litt an Multipler Sklerose. (imago / United Archives)Jacqueline du Pré (1945 - 1987) litt an Multipler Sklerose. (imago / United Archives)

Das soll sich viel zu schnell ändern. Mit Jacqueline du Prés fortschreitender Multipler Sklerose geriet der gut aufeinander eingespielte Ehealltag ins Wanken. Während Daniel als Chefdirigent des Orchestre de Paris Karriere macht, lebt Jackie als Pflegefall in London. Sie stirbt im Oktober 1987.

Ein Jahr später heiratete Barenboim seine neue Liebe, Elena Bashkirova, mit der er bereits zwei Söhne hat. Über die Zeit mit Jacqueline du Pré spricht er bis heute nur ungern. Ihre Schallplattenaufnahmen kann er noch immer nicht anhören.

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