Seit 07:30 Uhr Nachrichten

Montag, 21.01.2019
 
Seit 07:30 Uhr Nachrichten

Feiertag - Kirchensendung / Archiv | Beitrag vom 19.07.2009

Juda und Tamar

Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte (1. Mose 38)

Von Dietrich Heyde, Jübek

Asarja, Priester in Jerusalem, hat von König Salomo einen Auftrag bekommen. Er soll die Anfänge des davidischen Königtums aufspüren und die Quellen sammeln. Eines Tages fällt ihm ein höchst ungewöhnlicher Liebesbrief aus der Frühzeit Israels in die Hände. Er stammt von Tamar, einer kanaanäischen Frau, und ist an Juda, den Israeliten, Sohn des Jakob, gerichtet. Das Dokument zeigt nicht nur ein dramatisches Geschehen zwischen zwei Menschen. Es zeigt zugleich eine Welt, die verborgen von Gott durchdrungen ist.

Wir schreiben das Jahr neunhundertdreißig vor Christus. Heiße Wüstenwinde hatten den Mittagshimmel über Jerusalem zum Glutofen gemacht. Die Suqs der Königsstadt waren menschenleer, wie ausgestorben. Nur einen Steinwurf vom Tempel Salomos entfernt, im Schutz kühlen Mauerwerks, beugte sich ein Priester über einen von Schriftrollen überquellenden Tisch. Es war Asarja, der Sohn Zadoks.

König Salomo hatte ihm den Auftrag gegeben, die frühesten Anfänge des davidischen Königtums aufzuspüren und sie aus dem Dunkel der Vergangenheit ins Licht der Gegenwart zu holen. Seitdem ließ er nicht nur in Jerusalem nach Quellen und frühen Zeugnissen suchen, sondern in allen Orten des davidisch-salomonischen Großreiches. Das Land hatte Frieden und im Tempel seinen politisch-religiösen Mittelpunkt gefunden. Nunmehr schien die Zeit gekommen, sich auf seine geschichtlichen Wurzeln zu besinnen. Ein bisher nicht gekanntes Selbst- und Geschichtsbewusstsein durchströmte die Menschen.

Asarja, der Sohn Zadoks, bewegte seinen Oberkörper nach vorn und zurück im tanzend wiegenden Rhythmus, als wäre ein ferner Wind in ein reifes Kornfeld gefahren. Dabei flossen Psalmworte über seine Lippen. Was diesen Beter fesselte und nicht mehr losließ, war das verborgene Walten Gottes in dieser Welt: Die Hand des Höchsten ist es, die ungesehen alles durchdringt und umgreift. Sie macht sich das Planen der Menschenherzen, ohne es zu hemmen, dienstbar.

Noch immer stand Asarja, der Priester, über Papyri und Dokumente gebeugt und ins Gebet vertieft. Da näherte sich der Schreiber des Königs, Elihoref, Sohn des Schischas, mit einer Anzahl von Schriftrollen im Arm. Als er den Priester sah, wartete er einige Augenblicke, ging dann auf Asarja zu und übergab ihm die Schriftrollen mit den Worten:
"Ein Brief aus der Frühzeit ist dabei, ein Brief Tamars an Juda, den Sohn Jakobs."
Asarja hob überrascht den Kopf, ergriff die Schriftrolle und las, was Tamar an Juda schrieb:

"Deine Augen waren dunkel von Wein, Juda, und deine Zähne weiß von Milch1, als du abbogst nach Enajim, an den "Zweiquell" unter Schatten spendende Palmen. Man hatte mir gesagt, dass du von Adullam hinauf nach Timna zur Schafschur kommen würdest – gemeinsam mit deinem Freund Chira. Ein ausgelassenes Fest sollte die Schafschur für dich werden, Juda, das erste, nachdem dir deine Frau gestorben und die Trauerzeit um war.

Ich wartete auf dich in Enajim, denn das liegt auf dem Weg nach Timna. Eine List hatte ich ersonnen und mich als Hure verkleidet. Aber durfte ich sicher sein, dass du überhaupt darauf aus sein würdest, deinen Leib zu ergötzen?

Du kamst, Juda. Doch sag, warum hast du, als du kamst, deine Schwiegertochter nicht erkannt? Wohl hatte ich mein Gesicht verhüllt. Aber hättest du mich nicht an meiner Stimme erkennen müssen und an meinen Augen, die dich jenseits des Schleiers prüfend und abwartend ansahen? Noch heute, viele Jahre danach, staune ich, dass du nichts wahrgenommen hast, nichts von der Bedeutung jener Stunde, die für mich zum ewigen Augenblick werden sollte und für dich zum verschwiegenen Bürgen der Zukunft.

So war´s denn gewollt, Juda, gewollt von dem, der über unser beider Leben wacht; der dir damals die Sinne trübte und meine List gelingen ließ. Du erkanntest mich nicht, aber ich erkannte dich, als du zu mir eingingst und über mich kamst wie fruchtbarer Regen auf dürstendes Land.
Ich hatte mein Lager geschmückt mit bunten Decken aus Ägypten und mit Myrrhe besprengt, mit Aloe und Zimt.2 Was machte es, dass du mich für eine Hure hieltst. Ja, ich hatte mich verstellt. Ich war listig, unbändig und wild und genoss in lustvollen Zügen meinen großen Triumph. Denn ich wusste: Jetzt liegst du gefangen, gefangen in Tamars gekräuseltem Haar, und – gefangen in deinen eigenen Worten. Warst du es nicht, der zu Onan, deinem zweiten Sohn, sagte:
"Gehe ein zu Tamar, zu der Frau deines Bruders, und nimm sie zur Schwagerehe, auf dass du deinem Bruder Nachkommen schaffst?!"

Denn so ist es Gesetz: Wenn der Erstgeborene gestorben ist, soll ihm der überlebende Bruder Nachkommen schaffen.3 Liebespflicht ist es, den Namen des Verstorbenen zu erhalten.
Dein erstgeborener Sohn Er, mein Mann – auf ihm ruhten alle Hoffnungen für den Stamm Juda. Unvergessen ist mir der Augenblick, wie du ins Zelt meines Vaters kamst und um mich warbst. Tamar für Er, meinen Sohn, sagtest du, und Er für Tamar. Es hatte immer einen besonderen Klang, wenn du meinen Namen aussprachst: T a m a r! Etwas wunderbar Weites lag für mich darin, als würden ferne Horizonte überschritten.

"Schön ist Tamar und lieblich wie die Zelte Kedars, wie die buntgewirkten Teppiche"4, sagtest du. Und in Anspielung auf die Bedeutung meines Namens fuhrst du fort:
"Ihr Wuchs ist gerade wie ein Palmbaum und aufrecht und anmutig ihr Gang."
Und dann sprachst du ein Wort, das ich damals nicht gleich verstand, aber tief in meinem Herzen bewahrte. Du sagtest:

"Könige werden einmal in Tamars gekräuseltem Haar gefangen liegen."
Wie Vögel hätte ich in jenen Tagen meine Freude an den Himmel werfen können, Juda. Die Herzen aller Menschen schienen mir zugeneigt und der Himmel greifbar nahe und gewogen.
Doch das Zusammenleben mit Er, deinem Sohn, gestaltete sich schwierig. Dass es am Ende scheitete, hatte niemanden mehr geschmerzt als mich. Bis auf den Grund meiner Seele hat Er mich verletzt und verwundet.

Dein Sohn trieb, was den Erben anging, ein törichtes Versteckspiel und seinen Spott mit mir. Offen hat er nie darüber gesprochen. Zu dir, Juda, seinem Vater, soll er aber einmal gesagt haben; "Ich will Tamar keine Kinder zeugen, damit ihre Schönheit nicht durch eine Schwangerschaft entstellt wird." So ein Unsinn! Er wusste doch genau, welche Schande es für eine Frau bedeutete, kinderlos zu bleiben. Auch hatte Er überhaupt nicht verstanden oder nicht verstehen wollen, welche Aufgabe und Verpflichtung ihm als Erstgeborenen zugewachsen war, was die Zukunft des Stammes Juda angeht.

Und dann geschah es eines Tages – es traf uns unvorbereitet wie schweres Wetter aus heiterem Himmel. Er fiel plötzlich wie vom Blitz getroffen um und starb. Hartnäckig hielt sich hinter vorgehaltener Hand die harte Rede: Der Gott seiner Väter habe ihn sterben lassen – um seiner Sünde willen.

Kurz darauf sprachst du, Juda, zu Onan, deinem zweiten Sohn: Er solle nun mich, Tamar, zur Schwagerehe nehmen und seinem Bruder Er Nachkommen schaffen. Was aber tat Onan?
Nur scheinbar gehorchte er dir, seinem Vater. Denn er machte deine Absicht im Liebesakt zunichte. Ließ er doch den Samen, der mir gehören und die Zukunft Judas verbürgen sollte, auf die Erde fallen und verderben. Seinem Bruder Nachkommen schaffen, nein, das wolle er nicht, sagte Onan selbstsüchtig. Dem Himmel aber, der seinen Lenden Fruchtbarkeit gegeben hatte, missfiel, was er tat, und – ließ auch Onan sterben.

Nun war da noch Schela, dein dritter Sohn, Juda. Doch Schela war zu jung, um Nachkommen zu zeugen. Mit großen, fragenden Augen hast du mich damals angesehen. Ich verstand und erklärte dir, dass ich bereit bin, auf ihn zu warten. Du aber sagtest zu mir: "Geh zurück in deines Vaters Haus und bleib da als Witwe, bis mein Sohn Schela erwachsen ist."

Ich habe in diesem Wort sofort deine Halbherzigkeit gespürt, Juda. Warum hast du mich ins Zelt meiner Eltern zurückgeschickt? Hättest du mir deinen Sohn wirklich zugedacht und ernsthaft geben wollen, so hättest du mich bei dir behalten. In Wahrheit aber wolltest du mir Schela vorenthalten. Und ich ahnte, was du tief in deinem Innern befürchtet, aber auszusprechen dich wohl gehütet hast:

Was zweimal geschehen ist, kann, ja würde vielleicht auch ein drittes Mal geschehen. Auch Schela könnte an meiner Seite sterben, wie zuvor Er und Onan gestorben sind.
Nein, Vorwürfe hast du mir nicht gemacht. Auch nicht im Leisesten hast du mir den Tod deiner Söhne angelastet, mit keinem Wort, mit keinem Blick. Wenn unsere Blicke sich trafen, dann meinte ich immer nur Wohlwollen zu spüren, ja mehr noch, deine Zuneigung. Ich habe nie daran gezweifelt, dass du die Wahrheit über deine Söhne Er und Onan wusstest, wie sie an mir Unrecht getan und sich am Himmel versündigt haben.

Ich tat, was du wolltest, Juda. Ich ging in mein Vaterhaus zurück, trug Witwenkleider und wartete. Die Tage, Monate und Jahre meines Lebens rannen dahin wie ein kleiner, trauriger Wasserlauf zwischen sandigen, unfruchtbaren Ufern. Schela wurde ein heiratsfähiger Mann. Doch wartete ich vergeblich auf ein Wort von dir, das mich zurück an die Seite Schelas rief. So ist es denn wahr geworden, dachte ich, dass Schela mir vorenthalten werden soll. Ich war enttäuscht, Juda, enttäuscht, traurig und voll Zorn. Aber tief in mir lebte eine Hoffnung, die mich nicht verzweifeln ließ. Eine innere Stimme, die mir sagte, dass der Gott des Hauses Juda noch etwas mit mir vorhat und meine Stunde noch kommen würde.

Und jetzt war meine Stunde gekommen. Die Stunde von Enajim, des Zweiquells, die Stunde der List, die mir der Himmel eingegeben hatte. Abgelegt hatte ich meine Witwenkleidung, mich mit einem Schleier verhüllt, mich durch andere Kleidung unkenntlich gemacht und dich erwartet am Eingang von Enajim unter Schatten spendenden Palmen. Deine Augen funkelten, als du zu mir abbogst und sprachst:

"Lass mich doch zu dir eingehen!"
"Was willst du mir geben, wenn du zu mir eingehen darfst?", fragte ich.
"Ich will dir ein Ziegenböckchen von der Herde senden."
"So gib mir ein Pfand, bis du es mir sendest."
"Was willst du für ein Pfand, das ich dir geben soll?"
"Dein Siegel und deine Schnur und deinen Stab, den du in der Hand hast."

Da gabst du´s mir und gingst zu mir ein; und ich wurde schwanger von dir. O Juda, hast du nicht die Hand des Höchsten gespürt?! Hautnah habe ich sie gefühlt, als du dich wie ein Siegel an meine Brust legtest und dir unwissentlich selbst Nachkommen geschaffen hast. Alles an dir schmeckte nach Gott, dem Gott Israels, der einen gnädigen Regen gab und das Erbe, das dürre war, erquickte. Und alles zwischen uns hatte den lieblichen Geruch des Lebens. Von da an trug ich dich wie einen Siegelring an meiner Hand.

Die Schnur, das Band der Zukunft, hattest du in meine Hände gegeben. Und mit deinem Stab, der am Knauf den Löwen trägt, gabst du mir das Szepter künftiger Könige in Verwahrung, das du – mir Schela verweigernd – schon fahren lassen wolltest. Um welchen Preis, Juda? Für was hast du die Insignien deiner Kraft und Zukunft eingetauscht und mir überlassen? War´s wirklich nur für diesen einen Augenblick der Lust? Erinnere dich, Juda! Du selbst hast gesagt, dass in meinen gekräuselten Haaren einmal Könige gefangen liegen würden.

Als du dann wieder bei den Herden in Timna warst, schicktest du sogleich deinen Freund Chira mit einem Ziegenböckchen zurück nach Enajim, um das Pfand auszulösen. Dies in der festen Überzeugung, ich müsse noch am Zweiquell sein. Chira fragte die Leute des Ortes:
"Wo ist die Hure, die zu Enajim am Wege saß?"

Die Leute des Ortes schüttelten den Kopf und sagten: "Es ist keine da gewesen!"
Der Himmel hatte ihnen den Mund verschlossen – um meiner List willen. Chira kehrte unverrichteter Dinge nach Timna zurück. Längst war ich mit deinen Insignien, mit Siegel, Schnur und Stab in mein Vaterhaus zurückgegangen, hatte den Schleier abgelegt und meine Witwenkleider wieder angezogen.

Für dich aber, Juda, wurde die Sache unangenehm, ja höchst peinlich, fürchtetest du doch, nun mit dem, was geschehen war, ins Gerede zu kommen. So wertvoll Siegel, Schnur und Stab für dich waren, du hast rasch aufgehört, Nachforschungen anzustellen und bist der Angelegenheit nicht weiter nachgegangen.

Aber eine Sorge vermochtest du nicht abzuschütteln. Sie nagte tief in dir und raubte dir den Nachtschlaf: Was, wenn die Hure die Insignien anderen zeigen würde? Und die dann geringschätzig und verächtlich sagen würden: "Wie konnte Juda etwas so Kostbares und Unersetzliches wie Siegel, Schnur und Stab nur aus den Händen, dazu noch einer Hure geben?!"
Drei Monde vergingen, da wurde dir berichtet:

"Gehurt hat deine Schwiegertochter Tamar und siehe, sie ist davon schwanger geworden."
Wie warst du erbost und entrüstet, Juda, als du dies hörtest. Flammend vor Zorn sagtest du:
"Führt sie hinaus, dass sie verbrannt werde!"

Mich hat dieses Verdammungsurteil, die höchste Strafe für Ehebruch, nicht überrascht. Ich wusste, dass es die Jakobssöhne mit ihrer Familienehre besonders streng nehmen.

Ich wartete ab und verhielt mich still. Aber am Tage, als ich hinausgebracht und verbrannt werden sollte, brach ich mein Schweigen und deckte die Wahrheit auf: Nein, nicht indem ich deinen Namen nannte. Mir lag nichts daran, dich vor allen bloßzustellen. Das weißt du, Juda! Ich schickte dir diese drei Gegenstände – das Siegel, die Schnur und den Stab. Das war alles. Mehr tat ich nicht.
Und du, Juda? Du hast sofort verstanden. Du erkanntest Siegel, Schnur und Stab und wusstest: Tamar ist schwanger von dem Mann, dem diese Dinge gehören. Ich bin der Mann! Und dann fiel es dir wie Schuppen von den Augen – dass ich es war, die dir in Enajim begegnet ist, hinter Schleier und Verkleidung verborgen. Dass du mich geschwängert hast, ohne es zu wissen – mich, deine Schwiegertochter, die vermeintliche Hure. Und dir wurde das Unrecht bewusst, das du mir angetan hast, weil du mir deinen Sohn Schela nicht gegeben hast.

O ja, Juda, es war Unrecht. Wie wurde ich missverstanden und verkannt! "Frauenwildheit" habe mich umgetrieben, hieß es, der jedes Mittel recht sei, um zu einem Kind zu kommen. Weit gefehlt! Wäre es mir nur um ein Kind gegangen – hätte ich mir das nicht auch von jedem anderen Mann holen können? Du hattest nach Ers Tod keinen Zweifel gelassen, dass ich frei wäre, frei für jeden anderen Mann. Aber ich wollte nicht. Denn ich hatte mich für das Haus Juda entschieden und für seine Zukunft. Ich war mir früh der Bestimmung bewusst, die ich zu erfüllen hatte.
"Sie ist gerechter als ich", hast du erklärt. Denn du, Juda, habest Tamar Böses erwiesen, Tamar dir, Juda, aber Gutes. Ja, das waren deine Worte, Juda, die meine Klage in einen Tanz verwandelten. Aber kostbarer als alle Schätze der Erde wurde mir, dass du sagtest: "Tamars Leib ist gesegnet, gesegnet kraft einer großen Verheißung."

Und als dir dann die Nachricht von der Geburt deiner Zwillingssöhne, Perez und Serach, zukam, da, Juda, waren deine Augen dunkel wie Wein und deine Zähne weiß wie Milch, sie waren rot und weiß wie zu der Stunde, als du zu mir abbogst nach Enajim, an den Zweiquell unter Schatten spendende Palmen."

Asarja schaute sich um, als er den Brief Tamars gelesen hatte. Seine Augen suchten Elihoref, den Schreiber. Der aber hatte ihn längst verlassen und war seinen Tagesgeschäften nachgegangen. Dass ihm gerade jetzt diese Schriftrolle zukam, empfand er als Geschenk des Himmels. Denn beim Lesen war ihm, dem Sohn Zadoks, dies aufgegangen:

Mit dem Geschehen zwischen Juda und Tamar beginnt wie ein zarter Keimling die Geschichte des davidisch-salomonischen Königtums. Tamar ist seine Stammutter. Siegel, Schnur und Stab Judas sind die Insignien des Königs in Israel, des Gesalbten, des "Messias", wie er genannt wird.
Könnten wir Menschen doch alle Dinge gleich von ihrem Ende her sehen und an alles Geschehen den Maßstab der Ewigkeit legen, dachte Asarja. Wir würden den tieferen Sinn von Leben und Geschichte verstehen, den zu erkennen uns der erlebte Augenblick verwehrt. Und wir würden entdecken, dass der lebendige Gott, für den tausend Jahre nicht mehr sind als ein Atemzug, eines jeden Menschen Schritte bestimmt5 und mit Vorliebe auch auf krummen Linien gerade schreiben kann und will.

In diesem Vertrauen stärkte sich der Priester und ließ sich von dem Jahrhunderte alten Jakobssegen an die messianische Zukunft erinnern:
"Es wird das Szepter von Juda nicht weichen noch der Stab des Herrschers von seinen Füßen, bis dass der Held komme, und ihm werden die Völker anhangen."6





Anmerkungen
1) Aus dem Jakobssegen über Juda: 1. Mose 49, 12
2) Sprüche 7,16f
3) 5. Mose 25,5
4) Hohelied 1,5
5) Sprüche 20,24
6) 1. Mose 49,10

Musikangaben
Musik aus Melpomen - Altgriechische Musik, Komponist Conrad Steinmann , Harmonia Mundi, erschienen 2005, Austria.

Die redaktionelle und inhaltliche Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Pfarrerin Petra Schulze, Senderbeauftragte für Deutschlandradio und Deutsche Welle für den Medienbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Feiertag

ÜbersichtKirchensendungen im Deutschlandfunk Kultur
Ein Paar Kopfhöhrer liegt auf einer Bibel (imago / fotoimedia)

Beiträge aus den katholischen und evangelischen Kirchensendungen finden Sie in unserer Mediathek zum Nachhören. Zusätzliche Informationen gibt es im Internet auf den Seiten des Medienbeauftragten der evangelischen Kirche in Deutschland sowie den Seiten der Hörfunkbeauftragten der Katholischen Kirche.Mehr

Organspende, eine Herzenssache?Wenn der Tod Leben rettet
Portemonnaie mit Organspendeausweis (imago/Steinach)

Organspenden gehen zurück, gleichzeitig steigt der Bedarf. Das Thema wird nicht nur aufgrund des Skandals manipulierter Wartelisten schärfer diskutiert. Stefan Förner spricht im Feiertag über die Erfahrung mit einer Organspende im Freundeskreis.Mehr

weitere Beiträge

Religionen

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur