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Im Gespräch | Beitrag vom 03.07.2019

Journalistin und Autorin Brenda StrohmaierFamilienstand: verwitwet

Moderation: Ulrike Timm

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Das Bild zeigt die Autorin Brenda Strohmaier in einem blau-weiß gestreiften T-shirt mit rotem Kragen. Beide Hände sind in den Taschen des schwarzen Rocks. Sie schaut mit geschlossenen Lippen lächelnd in die Kamera.  (Dominik Butzmann)
Autorin Brenda Strohmaier hat ein Buch über ihr Leben als Witwe und den Verlust ihres verstorbenen Mannes geschrieben. (Dominik Butzmann)

Witwe mit 44, darüber hat die Journalistin Brenda Strohmaier ein Buch geschrieben: Darin geht es um Grabsteinwahl, Trauerberatung, Biertrinken, Yoga und übertriebene Rücksichtnahme – und das deutlich weniger schwermütig, als man erwarten könnte.

"Ein Witwenbuch muss anfangen wie ein Krimi: mit einer Leiche. In diesem Fall leider der meines Mannes", so beginnt Brenda Strohmaiers Buch "Nur über seine Leiche. Wie ich meinen Mann verlor – und verdammt viel übers Leben lernte". Den Ton hat die Journalistin bewusst gewählt, erzählt sie: "Mir ging es darum, ein bisschen die Scheu zu nehmen, mit mir zu reden, oder überhaupt mit Witwen zu reden." Viele Menschen wüssten nicht, wie sie jemanden ansprechen sollen, der einen geliebten Menschen verloren hat. "Deshalb dachte ich, ich setze die Schwelle mal ein bisschen niedriger."

Brenda Strohmaier ist 44, als sie 2016* ihren Mann, den Filmredakteur Volker Gunske, nach einer langen und seltenen Krankheit verliert. Sie waren gerade mal acht Monate verheiratet. Die Krankheit habe immer wie eine Art Damoklesschwert über ihnen geschwebt, aber gerade das machte ihr gemeinsames Leben intensiver: "Alle Fragen, die man sich zum Tod stellt, sind ja auch die, die zum Leben wichtig sind: Was macht Sinn? Was mache ich denn jetzt noch? Was ist denn gutes Leben? Und da haben wir uns bemüht, nicht zu viel Zeit mit Quatsch zu verschwenden."

Der Trugschluss der Unsterblichkeit

Ihr Mann habe nicht viel über den Tod geredet, er habe versucht, "das Leben zu maximieren". Gerade, weil beide nicht wussten, wie viel Zeit ihnen bleiben würde. "Jede Umarmung fühlt sich dadurch besonders an. Eigentlich weiß es ja jeder, dass er irgendwann stirbt, aber wir leben ja – wie ein Wissenschaftler mal sagte – in so einem Gefühl von potenzieller Unsterblichkeit. Weil wir ja so alt werden, denken wir ja nicht, es kann uns passieren."

Ein Grab mir dem Originalrasen von Hertha BSC

Als es dann doch passiert, will sie sich so von Volker verabschieden, wie er es geliebt hätte: mit einer Trauerfeier im Kino "International". Und da er Fan des Fußballklubs Hertha BSC war, ziert sein Grab ein steinernes Tor und Original-Rasen aus dem Berliner Olympiastadion. Frei nach der Maxime: Trauer ja, Elend nein.

Sie geht auf Weltreise, muss erst einmal dieses neue Leben als "Alleinmensch" sortieren – immer dabei: Volker. Auch, wenn sie die Wäsche aufhängt: "Mein Mann hatte immer so ein System, wie er das gemacht hat. Und das war auch sehr viel ordentlicher als mein System – und es trocknete mit Sicherheit auch viel schneller. Und wenn ich Wäsche aufhänge, dann mache ich es ein bisschen für ihn, damit er sein System da hängen hat."

Nach eineinhalb Jahren sucht sie Unterstützung bei einer Trauerberaterin. Sie will herausfinden, warum sie all die Zeit nicht weinen konnte und lernt, auch dies zuzulassen und ihren eigenen Weg zu gehen.

Sex-Aufklärung für Erwachsene

Mittlerweile hat Brenda Strohmaier einen neuen Lebenspartner. Wie viele im mittleren Alter habe auch er seine eigene Beziehungserfahrung. Eifersucht auf Volker gebe es nicht: "Eigentlich kommen die beiden ganz gut aus miteinander."

Sie arbeitet längst wieder als Kolumnistin, schreibt als studierte Stadtsoziologin gern auch über alles, was ihr in und an Berlin auffällt. Und sie plant eine Diskussionsreihe zur "Sex-Education". "Da geht es um Erwachsenen-Aufklärung. Die Idee ist: Im Zeitalter von Internet gucken alle Pornos, haben aber immer weniger Ahnung von Sex."

Brenda Strohmaier: Nur über seine Leiche. Wie ich meinen Mann verlor – und verdammt viel übers Leben lernte
Penguin Verlag, München 2019, 336 Seiten, 14 Euro


* Das Datum wurde korrigiert.

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