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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 06.01.2017

Journalistin Hilal Sezgin40 Schafe und eine Philosophin

Hilal Sezgin im Gespräch mit Katrin Heise

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Die Schriftstellerin Hilal Sezgin neben einem Jacobsschaf in der Lüneburger Heide (picture-alliance / dpa / Philipp Schulze)
Die Schriftstellerin Hilal Sezgin neben einem Jacobsschaf in der Lüneburger Heide (picture-alliance / dpa / Philipp Schulze)

Hilal Sezgin ist Philosophin und eine der aktivsten Veganerinnen Deutschlands. Mit ihren 40 Schafen und anderen Tieren lebt sie in einem Dorf in Norddeutschland. Jetzt hat sie ein Buch speziell für Jugendliche über veganes Leben veröffentlicht.

Hilal Sezgin ist Philosophin und eine der aktivsten Veganerinnen Deutschlands. Sie schreibt Kolumnen, Artikel und Bücher über Tierethik, Landleben und den Islam. Mit 40 Schafen, einigen Hühnern und Gänsen lebt sie auf dem Dorf, ist dort bei der freiwilligen Feuerwehr aktiv und vermisst die Großstadt überhaupt nicht. Jetzt hat sie ein Buch über veganes Leben speziell für Jugendliche veröffentlicht:

"Ich wurde Veganerin, als ich aufs Land gezogen bin und mir erstmals wirklich Bio-Legehennen angeschaut habe (…). Ich habe auch gesehen, wie Bio-Kälber von den Müttern getrennt werden, und dann die Mütter nach ihren Kälbern gerufen haben. Da wurde mir das klar, dass das, was ich von der Stadt aus idealisiert hatte, dass das aus der Nähe gesehen auch nicht besser ist. Das ist minimal weniger schlecht als nicht-bio, aber trotzdem eben total brutal."

Die Idee, die Mehrwertsteuer auf tierische Lebensmittel auf 19 Prozent hochzusetzen, findet Sezgin absolut vernünftig:

"Es ist sozusagen eine gewaltige Verschwendung, über das Tier dem Menschen Kalorien zuzuführen, weil die ganzen Futtermittel ja erst produziert werden und dann in die Tiere reingestopft und dadurch verliert man schon mal einen großen Prozentsatz. (…) Wir bevorzugen momentan auf vielen Wegen die Produktion tierischer Nahrungsmittel über Flächensubventionen, über Bausubventionen (…). Wir subventionieren aktiv Tierhaltung, Tiermast und Tierschlachtung und man kann das Steuer wirklich ein bisschen in die andere Richtung drehen."

Das Landleben ist zwar besonders im Winter nicht immer einfach, und Tiere versorgen zu müssen ist schon eine große Verpflichtung, aber Hilal Sezgin ist sehr glücklich damit und meint auch nicht, dass die Schafe sie vom Schreibtisch fern halten:

"Ich bilde mir ein, dass sich das super ergänzt. Es ist schon irgendwie anstrengend, aber andererseits, so jemand wie ich, ich würde dann nur total auf dem Sofa versinken. Wenn ich die Schafe nicht hätte, dann würde ich nur lesen, schreiben und vermutlich nur faulenzen. (…) Man hat da ja so ein Pflichtgefühl, die Schafe müssen gefüttert werden, die Gänse müssen abends in den Stall, sonst kommt der Fuchs. Da jammere ich manchmal und bemitleide mich, wenn ich in meinen Gummistiefeln durch den Schnee oder durch den Matsch stapfe (…), aber eigentlich ist es schon auch ein Segen."

Wie sie als vegan Lebende mit Jägern befreundet sein kann, warum die Migranten-Schublade für sie die falsche ist und wie man lernt, mit einer "geerbten" Schafherde klar zu kommen – darüber spricht Katrin Heise mit Hilal Sezgin.

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