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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 17.04.2021

Journalistin Brigitte Fehrle zum Kandidatenstreit in der Union"Armin Laschet ist schuld"

Moderation: Nicole Dittmer

Sprechblasen mit Schriftzügen: Dein Favorit? – Söschet. (dpa / ZB / Sascha Steinach)
Der Streit um die Kanzlerinkandidatur scheint kein Ende zu finden. (dpa / ZB / Sascha Steinach)

Häufig ist in diesen Tagen zu hören, dass CSU-Chef Markus Söder schuld sei an der verfahrenen Situation in der Frage des Unions-Kanzlerkandidaten. Die Journalistin Brigitte Fehrle sieht das anders. Sie meint, Laschet hätte viel früher zugreifen müssen.

Immer noch kein weißer Rauch in der Frage der Kanzlerkandidatur von CDU/CSU. Stattdessen scheinen sich die Fronten zu verhärten und die Unruhe wächst. 

"Es ist eine einzige Katastrophe", sagt die Journalistin Brigitte Fehrle. "Ich bin wirklich erschüttert, dass die Union es nicht geschafft hat, für diese Situation ein Verfahren zu entwickeln, aus dem dann auch der jeweils Unterlegene so rausgehen kann, dass die beiden Parteien sich dann noch zu einem Wahlkampf hinter den dann ausgewählten Kandidaten scharen können."

Versäumnisse bei Armin Laschet

Die Auffassung, dass CSU-Chef Markus Söder schuld an der Misere ist, ist für die frühere Chefredakteurin der "Berliner Zeitung" nur eine "kurzfristige" Wahrheit. 

"Tatsächlich würde ich sagen, Armin Laschet ist schuld", so Fehrle. "Er hätte viel früher zugreifen müssen und sagen: Selbstverständlich, ich bin der CDU-Vorsitzende, ich bin gewählt und damit bin ich auch der gegebene Kanzlerkandidat."

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Denn hätte Laschet den Platz des Kanzlerkandidaten früher besetzt - mit entsprechenden Auftritten, Programmbeiträgen und mit Präsenz, hätte sich Söder nicht ermutigt fühlen können, "diese Entwicklung jetzt so zu provozieren". 

Wo bleiben in diesem Streit die politischen Inhalte?

Dass Söder sich jetzt nicht mehr an das halte, was er gesagt habe, nämlich nur mit Unterstützung der CDU als Kanzlerkandidat anzutreten, sei im Grunde antidemokratisches Verhalten, kritisiert die Journalistin. Und dass er dabei mit Umfragewerten argumentiere, hat für sie "klare populistische Züge". 

Bemerkenswert findet Fehrle überdies, dass es beim Kandidatenstreit in der Union nicht um Inhalte gehe, sondern um persönliche Eigenschaften der beiden wie etwa Machtbewusstsein oder Zuverlässigkeit: 

"Schon das allein bestürzt mich, weil, eigentlich sollte es doch bei so einer Auseinandersetzung um Personen nicht um diese Soft skills gehen. Es sollte um das gehen, was am Ende die Bevölkerung interessiert, nämlich, welche Politik kommt am Ende dabei heraus?"

(uko)

Brigitte Fehrle, 1954 in Stuttgart geboren, arbeitete nach dem Studium zunächst für den "Süddeutschen Rundfunk" und die "taz". In den 1990er-Jahren wechselte sie zur "Berliner Zeitung" und stieg dort 2001 zur stellvertretenden Chefredakteurin auf. 2006 ging sie in gleicher Position zur "Frankfurter Rundschau". Bis Februar 2009 leitete sie das Berliner Büro der "Zeit". Dann kehrte Fehrle als stellvertretende Chefredakteurin zurück zur "Berliner Zeitung". Von 2012 bis Oktober 2016 war sie dort Chefredakteurin. Heute ist sie als freie Autorin tätig.

Die ganze Sendung "Der Tag mit Brigitte Fehrle":

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