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Literatur / Archiv | Beitrag vom 19.05.2019

Joseph Roths letzte Jahre in ParisLeben, Schreiben, Trinken

Von Silke Rotzoll

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Der Schriftsteller Joseph Roth spaziert an der Seite einer Frau durch Paris. (dpa / picture-alliance / Imagno/Austrian Archives)
In Paris wohnte der Schriftsteller Joseph Roth in einem Zimmer über dem Café "Tournon" und war dort Stammgast. (dpa / picture-alliance / Imagno/Austrian Archives)

Am Tag von Hitlers Machtergreifung verließ der Schriftsteller Joseph Roth Deutschland. „Inzwischen wird es Ihnen klar sein, daß wir großen Katastrophen zutreiben", schrieb er Stefan Zweig. In Paris fand Roth in dem Café "Tournon" einen Zufluchtsort.

"Madame Vögelchen, von ganzem Herzen bitte ich Sie, mir vergeben zu wollen. Ich bin manchmal von Sinnen. Meine ganze Zuneigung." Diesen und viele andere kleine Notizzettel von Joseph Roth fand die Germaine Alazard einst neben der Kasse im Pariser Café "Tournon" – und bewahrte sie auf. 

Treffpunkt der Intellektuellen

Auf französisch geschriebene, kauzig-liebenswürdige Entschuldigungen für Mißstimmigkeiten oder Alkoholexzesse – auch mit über 90 erinnerte sich Madame Alazard noch an viele Momente mit dem großen Romancier und Publizisten. In ihrem Café hatte der Autor von "Radetzkymarsch" und "Hiob" seinen letzten Arbeits- und Stammtisch. Hier traf er bis in die frühen Morgenstunden Schauspieler, Journalisten, Verehrer auf Durchreise, deutsche Emigranten wie Soma Morgenstern, gelegentlich Ernst Toller, Stefan Zweig, Franz Werfel, Egon Erwin Kisch, auch österreichische Aristokraten. Bis zum Schluss durfte nur Joseph Gottfarstein, ein lettischer Talmudist, bleiben. Mit ihm verband Roth eine Seelengemeinschaft, die das Reden unnötig machte. 

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