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Fazit / Archiv | Beitrag vom 28.06.2019

Jonathan Ive verlässt AppleEin Designer mit "wahnsinniger Prägnanz"

Peter Zec im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Apple Chef-Designer Jony Ive (l.) und Apple CEO Tim Cook (r.), im Vordergrund zwei iPhones. (imago images / VCG)
Apples Chef-Designer Jonathan Ive (links) und Apple-CEO Tim Cook (imago images / VCG)

Jonathan Ive hat das Design von Apple geprägt und dessen Produkte zu Kultobjekten gemacht. Jetzt verlässt er das Unternehmen. Ive habe eine Branche von grauen Mäusen mit seinen bunten Rechnern revolutioniert, sagt der Designberater Peter Zec.

Jonathan "Jony" Ive war über 20 Jahre für das Design von Apple-Produkten zuständig. Nun möchte er sich mit einer eigenen Firma selbstständig machen.

"Ich denke, dass er es geschafft hat, Apple eine eigene Design-Sprache zu verleihen und eine durchgängige Linie zu formen, die eine wahnsinnige Prägnanz der Produkte hervorgerufen hat. Und die damit einen vollkommen neuen Standard in der digitalen Welt geschaffen hat", sagt der Designberater Peter Zec.

Stärke durch Innovationen

Zec unterscheidet zwischen Design-Stärke und Design-Kontinuität. Die Stärke erzeuge man durch unerwartete Innovationen im Design und die Kontinuität durch eine durchgängige Design-Sprache. Apple habe es mit seiner Design-Stärke geschafft, die Branche zu revolutionieren. "Bis dahin waren ja alle Rechner graue Mäuse. Und als dann diese kugelförmigen, bunten Exemplare auf den Markt kamen, war das natürlich eine Revolution und ein Durchbruch", erklärt Zec.

"Man setzte damit gerade über das Design einen neuen Standard in dieser eckigen und grauen Welt und das Interessante war, dass diese Rechner von Apple damals gar nicht stärker waren als alle anderen. Also technisch waren die nicht besser, aber das Design hat eine eigene Sprache gesprochen und damit die Aufmerksamkeit der Massen erzielt."

Mit Emotionen zum Erfolg

Apple habe Emotionen durch sein Design vermittelt und dies mit einer Einfachheit in der Bedienung verbunden. Der Einfluss von Ive beim iPhone, das 2007 auf den Markt kam, sei dafür ein gutes Beispiel. "Jonathan Ive war gelungen, ein neues Produkt zu gestalten, das wirklich ganz einfach zu gebrauchen war", erklärt der Designberater: "Jeder fühlte sich mit diesem Gerät total vertraut."

Vorbild für das Design des iPhones war für Ive der deutsche Industriedesigner Dieter Rams. Die iPhone-Oberfläche ähnelt seinem für die Firma Braun entwickelten Taschenrechner. "Es ist fast ein deutsches Design, denn die Deutschen haben sich immer an dem Gebrauch von Produkten orientiert. Und das tat Jonathan Ive auch und da war er gut beraten, dass er sich dann an der Schlichtheit der Gestaltung von Braun und Dieter Rams orientiert hat", so Zec.

Dass Ive Apple verlässt, habe Zec nicht überrascht. Sein Buch "Das Apple-Design-Genie", in dem seine Design-Geschichte in dem Konzern dokumentiert wird, habe das fast verraten: "Für mich stellte sich damit die Frage, warum macht ein Designer das, der noch voll in diesem Unternehmen beschäftigt ist. Das macht man eigentlich nur, wenn man sicherstellen will, dass sozusagen das Erbe auch entsprechend gesichert ist im Unternehmen", sagt Zec.

(nho)

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