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Aus der jüdischen Welt | Beitrag vom 11.10.2019

Jom-Kippur-Anschlag von HalleWas wäre, wenn wir zurückschlagen?

Von Miron Tenenberg

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Blumen und Kerzen mit der Aufschrift Shalom vor der Synagoge in Halle. (Getty Images/Jens Schlueter)
Ein Gewaltakt wie in Halle ruft den Wunsch nach Frieden wach. Aber was ist, wenn die Menschen, denen der Angriff gegolten hat, zurückschlagen würden? (Getty Images/Jens Schlueter)

Nach dem Anschlag auf eine Synagoge und weitere Mitmenschen in Halle diskutieren Linda Rachel Sabiers und Jo Frank mit Miron Tenenberg aus der jüdischen Sicht über Sicherheit und Rechte, Zukunftserwartungen und jüdische Selbstermächtigung.

Nach den NSU-Morden wurden weitreichende Veränderungen im Umgang mit rechter Gewalt versprochen. Seitdem sind 19 weitere Menschen durch Faschisten ermordet worden. Doch von einem Erstarken der Rechten kann aus jüdischer Sicht nicht gesprochen werden. Antisemitische Übergriffe fanden seit den 60er-Jahren in allen Teilen Deutschlands statt. Jüdische Kinder gehen in speziell gesicherte Kindergärten, Freizeiten und Jugendzentren. Synagogen sind üblicherweise Trutzburgen und sogar Altenheime werden umzäunt und abgesichert.

Jo Frank, Geschäftsführer des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks, hat eine klare Sicht auf die Dinge:  "Ich glaube, dass das für alle Jüdinnen und Juden in Deutschland keine Überraschung gewesen ist. Die Zeit, sich gegen Anfänge zu wehren, ist schon längst verstrichen. Es ist nicht an Jüdinnen und Juden, für ihre Sicherheit zu sorgen."

Hoffnung sieht Jo Frank bei den ELES-Stipendiatinnen und Stipendiaten, die an einem lebendigen jüdischen Leben in Deutschland arbeiten. Erst gestern wurde das zehnjährige Jubiläum des Studienwerkes gefeiert.

Gedanklich kein Einzeltäter

Die Autorin Linda Rachel Sabiers sieht die Attacke in Halle recht nüchtern: "Die Tat hat mich schockiert, aber nicht überrascht! Gedanklich ist dieser Mann kein Einzeltäter. Wir können uns als Juden erst sicher fühlen mit merhheitlicher Solidarität und die ist nicht da. Es betrifft aber nicht nur Juden. Es betrifft jeden von uns." Sie sieht aber auch eine andere Option: "Wie wäre es denn, wenn eine Jüdin oder ein Jude einfach mal zurückschlagen würde?"

Für Jo Frank ist die AfD klar in der Pflicht, sich hier zu erklären. "Die Alternative haben wir in Halle gesehen. Wollen wir das?"

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