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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 21.11.2016

Johnny HaeuslerZwischen Netzgemüse und Republica

Moderation: Matthias Hanselmann

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Johnny Haeusler steht auf einer der Bühnen während der Internetkonferenz Re:publica in Berlin.  (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)
Johnny Haeusler auf der Internetkonferenz Republica (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)

Johnny Haeusler ist Musiker, Republica-Mitgründer, Digitalfreak, Blogger und Autor eines Ratgebers für Eltern, die mit ihrem "Netzgemüse" nicht fertig werden. Auch gegen den Hass im Netz engagiert er sich.

Mit seiner Band Plan B tourte Johnny Haeusler in den 80er- und 90er-Jahren durch Europa und die USA und gewann den Berliner Senatsrockwettbewerb. Nach Auflösung der Band widmete er sich seinen Leidenschaften Radio und Internet.

"Als wir auf Tour waren,  habe ich schon immer Telefondosen aufgeschraubt in Hotelzimmern, weil ich festgestellt habe, da kommen eigentlich immer nur zwei Kupferdrähte an, und wenn ich das Modem meines Notebooks aufgeschraubt habe, dann waren da auch zwei Kabel. Wenn man die zusammen gemacht hat, konnte man sich einwählen ins Internet. Also das heißt, wir haben schon relativ früh angefangen, digitale Medien zu nutzen, bevor es den Browser gab, bevor es das 'www' gab. Weswegen ich mit der Auflösung der Band wenig Sorge hatte, dass ich mich jetzt nicht mehr kreativ betätigen kann."

Als Netzpionier erstellte er mit seiner eigenen Firma Internetseiten für Musiker, MTV oder Reiseportale. Haeusler ist Gründer der Internet-Messe Republica, die dieses Jahr bereits zum zehnten Mal stattfand.

"Das hat angefangen, als wir uns 2006 mit verschiedenen Bloggerinnen und Bloggern zusammengesetzt haben und wir ... das bedeutet in dem Fall Tanja Haeusler, meine Frau, Andreas Gebhardt und Markus Beckedahl, die alle in verschiedenen Bereichen der digitalen Kultur und auch Netzpolitik unterwegs waren und sind. Wir haben uns zusammengesetzt und haben gesagt, eigentlich wäre es schön, wenn man diese ganzen Menschen, die man jetzt online kennt, mit denen man ab und zu chattet oder sich Emails schreibt, wenn man die mal auf einem Haufen hätte und sich richtig kennenlernen würde."

Das Internet wird immer häufiger missbraucht

Zur ersten Republica kamen einige hundert Teilnehmer. Inzwischen sind es tausende. Dass das Internet immer häufiger missbraucht wird, um zum Beispiel Hass zu schüren, gehört zu den Themen, die auf der Internet-Messe verhandelt werden.

"In Zeiten, in dem wir so viel von Hass reden und so viel Hass mitbekommen im Internet gerade, auf sozialen Plattformen wie Facebook und Twitter und vielen anderen, haben wir gedacht, wir setzen denen gerade was entgegen, so wie man Hass verbreiten kann, kann man ja auch Liebe verbreiten. Es ist ein bisschen 'hippieesk' natürlich, weil ich glaube viele Menschen, die daran glauben, dass so ein weltweites Netz Menschen auch zusammen bringen kann und für mehr Empathie sorgen kann, haben immer so ein Stückchen Hippie auch in sich."

Vor allem für Eltern, die sich Sorgen um den richtigen Umgang ihres Nachwuchses mit den neuen Medien machen, verfasste er gemeinsam mit seiner Frau das Buch "Netzgemüse". Als die beiden Söhne des Paares jünger waren, wurde die Nutzung von elektronischen Geräten zeitlich begrenzt. Jetzt, wo die beiden älter geworden seien, funktioniere das natürlich nicht mehr.

"Inzwischen, mit fast 15 und 18, ist das relativ selbstbestimmt. Und trotzdem wird das thematisiert, wir reden darüber. Wir kriegen auch viel mit durch die Jungs. Das Netz, das heute ein 15-Jähriger oder eine 18-Jährige benutzt, ist ein völlig anderes als das wir als Erwachsene nutzen."

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