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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 10.12.2020

Jesuit & Zen-Meister Stefan Bauberger„Jesus und Buddha hätten sich gut verstanden“

Moderation: Annette Riedel

Der Jesuit und Physiker Stefan Bauberger. (SJ-Bild/Christian Ender)
Stefan Bauberger: "Es geht beim Meditieren nicht um Selbstverwirklichung." (SJ-Bild/Christian Ender)

Religion, Meditation und Naturwissenschaft: Jede dieser Welten begeistern den Jesuiten und Zen-Meister Stefan Bauberger. Der Physiker leitetet ein Meditationszentrum in Bayern und schreibt Bücher über das Glück und künstliche Intelligenz.

Stefan Bauberger geht es "um die Suche nach der Wahrheit". Um nicht mehr und nicht weniger. Einen Widerspruch zwischen naturwissenschaftlichem Denken und Religion sieht der Jesuit und promovierte Physiker nicht: "Physik sucht nach der Wahrheit. Das ist kein Konflikt zur Religion."

Ein Rebell wird Jesuit

Eine religiöse Sehnsucht spürt Stefan Bauberger schon als "einer dieser rebellischen Jugendlichen" in den 70er-Jahren. Über ein von Jesuiten geführtes Jugendzentrum findet er einen intensiven Zugang zum katholischen Glauben und tritt früh in den Orden ein.

"Es hieß für mich damals auch, mich nicht einfach einzugliedern in die Gesellschaft. Ich hatte den Eindruck, ich kann das beides sehr gut verbinden, wenn ich Jesuit werde: sowohl die religiöse Sehnsucht, als auch aus meinem Leben etwas Sinnvolles zu machen."

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Trotz – vielleicht auch wegen - dieser frühen Entscheidung für ein Leben im Orden hegt der heute 60-Jährige immer wieder auch Zweifel. "Ich war mir nicht immer sicher, ob das mein Weg ist. Wenn jemand eintritt und sagt: ‚Ich war mir immer sicher‘, hätte ich meine großen Zweifel, ob da nicht etwas unterdrückt wird." Er sei durchaus "durch Krisen gegangen".

"Ich musste immer wieder von Neuem meine Sicherheit gewinnen, dass das tatsächlich der richtige Weg ist für mich.

Suche über religiöse Grenzen hinweg

Der Weg führt ihn in jungen Jahren nach Malaysia, wo er als Ordensmann auf einer Insel mit vietnamesischen Bootsflüchtlingen arbeitet. Die Offenheit, mit der ihm die buddhistischen Mönche dort begegnen, haben seine Sicht auf Religion nachhaltig geprägt. Er wendet sich mehr und mehr der Meditation zu und lässt sich nach einem Studium der Philosophie, Theologie und Physik zum Zen-Meister ausbilden.

"Auf einmal habe ich gemerkt: Ich denke manchmal christlich und manchmal buddhistisch. Das war natürlich erst einmal eine verunsichernde Erfahrung."

Heute sieht er seine religionsübergreifende Suche unproblematisch - auch wenn seine Hinwendung zum Buddhismus nicht allen im Orden gefällt. Aus seiner Sicht gehe es bei solcher Kritik aber nicht so sehr um religiöse Fragen: "Wenn Jesus und Buddha sich gekannt hätten – ich glaube, die hätten sich gut verstanden. Die Probleme, die da auftreten, das sind eher Probleme, die wir heute haben und die auch viel zu tun haben mit Fragen der Macht."

Spiritualität oder Religion?

Mittlerweile leitet der Professor für Naturphilosophie, Grenzfragen der Naturwissenschaft und Wissenschaftstheorie auch ein Meditationszentrum im Bayerischen Wald. Anders als früher spricht Stefan Bauberger heute bewusst von Religion und nicht von Spiritualität, um seinen Zugang zur Meditation zu beschrieben.

"Was auf der religiösen Suche entscheidend ist, ist, dass man gerade nicht nur für sich lebt. Dass man für das Große lebt, für das Absolute, für Gott, und damit auch für andere Menschen." Es gehe ihm auch mit dem Meditationszentrum "eben nicht einfach um Selbstverwirklichung."

Den weltlichen Blick hat der Jesuit, Zen-Meister und Physiker auf seiner Suche nach Wahrheit nie verloren. In seinem Buch über künstliche Intelligenz setzt er sich mit den Konsequenzen autonomen Fahrens und der Automatisierung auf dem Arbeitsmarkt ebenso auseinander wie mit den Gefahren von Drohnenkriegen.

(era)

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