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Studio 9 | Beitrag vom 16.06.2019

Jens Harzer nimmt Iffland-Ring entgegen Hohe Auszeichnung für einen Ausnahme-Schauspieler

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Sandra Hüller (als Penthesilea) and Jens Harzer (als Achilles) auf der Bühne zum Salzburg Festival 2018. (Getty Images/Chris Hofer)
Gab auch schon den Achilles: Schauspieler Jens Harzer, hier zusammen mit Sandra Hüller auf der Bühne in Salzburg (Getty Images/Chris Hofer)

Schauspieler Jens Harzer ist nun Träger des Iffland-Rings. Er bekam ihn vom im Februar verstorbenen Bruno Ganz vermacht. Harzer dankte auf ganz eigene Weise.

Der Schauspieler Jens Harzer ist nun Träger des Iffland-Rings. Er bekam den Ring am Sonntag in Wien überreicht. Der Iffland-Ring ist die wohl größte Auszeichnung im deutschsprachigen Theater. Anstelle einer eigenen Rede las Harzer die Erzählung "Unverhofftes Wiedersehen" von Johann Peter Hebel aus dem Jahr 1811. Darin stirbt ein Bergmann kurz vor der Hochzeit, seine unter Tage konservierte Leiche wird Jahrzehnte später geborgen und die Beerdigung von der immer noch trauernden Verlobten als Hochzeit inszeniert. Danach herzte Harzer die Festredner Peter Handke und Johan Simons und wurde minutenlang vom Publikum gefeiert. Der im Februar gestorbene Schweizer Bruno Ganz hatte den Ring Harzer testamentarisch auf Lebenszeit vermacht.

Der in Wiesbaden geborene Harzer - seit vielen Jahren Ensemble-Mitglied am Hamburger Thalia-Theater - hatte zunächst Engagements an den Münchner Kammerspielen und beim Bayerischen Staatsschauspiel. Bei den Salzburger Festspielen mimte Harzer von 2001 bis 2004 im "Jedermann" den Tod. Am Burgtheater war er mit dem Gastspiel "Immer noch Sturm" von Peter Handke zu sehen. Im Fernsehen spielte Harzer Rollen im "Tatort" und der Serie "Babylon Berlin". 2008 und 2011 war Harzer laut Kritikerumfrage der Zeitschrift "Theater heute" Schauspieler des Jahres.

"Geheimes Vermächtnis" 

Die Intendantin des Burgtheaters, Karin Bergmann, bezeichnete die Auszeichnung als ein "geheimes Vermächtnis", das unbeeinflusst von Feuilletons und öffentlicher Meinung zugedacht werde. Der Ring sei keine Goldmedaille, sondern ein "Zeichen der emphatischen Anerkennung eines großen Künstlers an einen anderen großen Künstler". Peter Handke erinnerte in seiner Festrede an das Geheimnis der Schauspielkunst: "Es ist nicht Menschenkenntnis, sondern es ist Menschenerkenntnis im Moment des Spiels", sagte er. Der Intendant des Schauspielhauses Bochum, Johan Simons, würdigte als Laudator die Präsenz Harzers auf der Bühne, den es zu beobachten lohne, auch wenn er scheinbar nur ruhig in der Ecke sitze.

In einer roten Samtschatulle liegt der Iffland-Ring. (picture alliance / KEYSTONE / )Der Iffland-Ring (picture alliance / KEYSTONE / )

Der Iffland-Ring - ein diamantenbesetzter Eisenring mit einem Porträt Ifflands - soll auf den Berliner Schauspieler und Theaterdirektor August Wilhelm Iffland (1759-1814) zurückgehen. Den Ring erhält der "jeweils bedeutendste und würdigste Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters" auf Lebenszeit. Von 1996 bis zu seinem Tod im Februar 2019 war der Schweizer Schauspieler Bruno Ganz Träger des Rings. Zu den Geehrten gehörten zuvor Albert Bassermann (1867-1952), Werner Krauß (1884-1959) und Josef Meinrad (1913-1996).

(dpa)

Unsere Korrespondentin Andrea Beer mit ihren Eindrücken von der Verleihungszeremonie: 

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