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Buchkritik | Beitrag vom 28.11.2018

Jennifer Doudna/Samuel Sternberg: "Eingriff in die Evolution"Wie zwei Forscherinnen die Genschere entdeckten

Von Michael Lange

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Cover von Jennifer A. Doudna/Samuel H. Sternberg: "Eingriff in die Evolution", im Hintergrund die Illustration einer Schere, die ein DNA Molekül modifiziert (Springer/imago/Collage: DLF Kultur)
Die Genschere könne genutzt werden, um Krankheiten zu verhindern, aber auch ganze biologische Arten auslöschen, warnt Jennifer A. Doudna. (Springer/imago/Collage: DLF Kultur)

Mit der Genschere CRISP/Cas soll in China erstmals die DNA von Babys manipuliert worden sein. Entwickelt wurde die revolutionäre Methode von zwei Forscherinnen. Eine der beiden erklärt in ihrem Buch, was sie sich davon erhofft – und warnt vor Gefahren.

Die Welt in den Laboren der Biowissenschaftler entwickelt sich rasant. Ein neue Genschere namens CRISPR/Cas schafft ständig neue Möglichkeiten: Für die Züchtung von Pflanzen und Tieren, für die Entwicklung von Medikamenten und neuen Therapien, aber auch für die Genmanipulation am Menschen. 

Bakterien, die Gene manipulieren können

In Zusammenarbeit mit der Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier brachte die amerikanische Biochemikerin Jennifer Doudna den Stein ins Rollen. Die beiden Forscherinnen entdeckten in Bakterien eine Art Genschere, die schneller, einfacher und präziser schneidet als alle früheren Werkzeuge der Genforschung.

Gemeinsam mit ihrem damaligen Doktoranden Samuel Sternberg erklärt Jennifer Doudna in ihrem Buch leicht verständlich die wissenschaftlichen Hintergründe ihrer Arbeit. Sie beschreibt detailliert verschiedene Methoden der Genmanipulation und die die Schwierigkeiten, damit neue Behandlungsmethoden zu entwickeln. Lebendig und anschaulich schildert sie ihre Erlebnisse, plaudert aus dem Nähkästchen und gibt Einblick in ihre Gedanken, die sie bis heute bewegen. 

Die amerikanische Biochemikerin Jennifer A. Doudna (l) und die französische Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier  (dpa)Die amerikanische Biochemikerin Jennifer A. Doudna (l) und die französische Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier entdeckten die Genschere CRISPR/Cas. (dpa)

Die gemeinsame Arbeit der beiden Wissenschaftlerinnen begann 2011 in einem Café in Puerto Rico. Am Rande einer Tagung für Mikrobiologen traf Jennifer Doudna erstmals auf Emmanuelle Charpentier. Die beiden waren sich sofort sympathisch und vereinbarten eine Zusammenarbeit. In wenigen Jahren entstand aus reiner Grundlagenforschung eine revolutionäre Methode, um Erbmoleküle schnell, einfach und gezielt zu verändern.

Vieles schien nun möglich: Neue Gentherapien gegen Erbkrankheiten, Behandlungsverfahren gegen Krebs, Blutzellen, die sich selbst vor dem Aids-Erreger HIV schützen, oder gentechnisch veränderte Schweineorgane für die Transplantationsmedizin. 

Genetische Optimierung des Menschen

Aber bei aller Euphorie sieht Jennifer Doudna auch neue Gefahren auf die Menschheit zukommen. Die Wissenschaftler besitzen jetzt ein Werkzeug, um die eigene Spezies nach persönlichen Vorlieben neu zu gestalten. Zunächst wird die Genschere genutzt werden, um Krankheiten zu verhindern, aber schon bald könnte die genetische Optimierung des Menschen folgen.

Die Genschere kann außerdem ganze biologische Arten durch eine genetische Kettenreaktion auslöschen. Ihre Entdeckung bereitet der Forscherin schlaflose Nächte. Sie weiß: Das könnte gefährlicher werden als alle bisherigen Eingriffe des Menschen in die Natur. Nur selten ergibt sich die Gelegenheit, so nah dabei zu sein, wenn Spitzenforschung die Welt verändert.

Jennifer A. Doudna/Samuel H. Sternberg: Eingriff in die Evolution. Die Macht der CRISPR-Technologie und die Frage, wie wir sie nutzen wollen
Aus dem Englischen übersetzt von Sebastian Vogel
Springer-Verlag, Berlin 2018
265 Seiten, 19,99 Euro 

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