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Tonart | Beitrag vom 22.08.2019

Jeff Tweedys Autobiografie "Let's Go"Der Soundtrack seines Lebens

Jutta Petermann im Gespräch mit Mathias Mauersberger

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Jeff Tweedy beim Eaux Claires Music Festival 2017 (picture alliance/ ZUMA Press/ Daniel DeSlover)
Jeff Tweedys Autobiografie "Let's Go (So We Can Get Back)" ist jetzt auf Deutsch erschienen. (picture alliance/ ZUMA Press/ Daniel DeSlover)

Bekannt geworden ist Jeff Tweedy als Sänger und Songschreiber der US-Rockband "Wilco". In seiner Autobiografie "Let's Go (So We Can Get Back)" denkt der Musiker mit skurrilem Humor, aber stets pointiert und tiefgründig über sein Leben nach.

"Niemand will das Auge der Katze essen" – so lautet der erste Satz in Jeff Tweedys ins Deutsche übersetzten Autobiografie. Eine sonderbare Phrase, die Musikredakteurin Jutta Petermann schlagartig "ins Buch gezogen" hat – und die die ganz eigene Prosa des Künstlers verdeutlicht. Tweedys Wortwahl sei gelegentlich deftig, dabei aber immer pointiert, findet Petermann. Was es mit dem Katzenauge auf sich hat? "Ich will nicht zu sehr spoilern, aber es hat mit einem Kuchen zu tun und einem 'Wilco'-Cover vom Album 'Starwars'."

Dieser Hang zu einem gewissen kauzigen, skurrilen Humor sei auf den gut 300 Seiten Musikerbiografie immer wieder zu spüren: "Dieses Buch ist voller Momente, in denen Tweedy aus kleinen Erlebnissen mit der Band oder mit seiner Familie durch seinen schrägen Blick auf die Dinge sehr witzige Szenen kreiert."

Nicht nur fantasievolles "Anekdotenfeuerwerk" 

Tweedys Autobiografie hat allerdings nicht nur fantasievolles "Anekdotenfeuerwerk" zu bieten: Sie lasse tief in die Seele des inzwischen 51-jährigen Musikers blicken, sagt Petermann. Wortgewandt und detailreich schreibe er über seine Kindheit, sein Verhältnis zu seinen Eltern – und was seine Liebe zur Musik entfacht hat.

Er schildert, was ihm die Bands aus der Gegend rund um seine Heimatstadt Belleville in Illinois bedeutet haben und wie er Konzerte früherer Punkrockbands wie "The Replacements", "The Minutemen" oder "Hüsker Dü" besuchte. Vor lauter Begeisterung habe er bei einem Konzert mit anderen Fans sogar einmal ein Loch in den Saalboden getrampelt – und wäre fast hineingestürzt, berichtet Jutta Petermann.

Einblicke in die amerikanischen Gesellschaft

"Beachtlich ist, wie anschaulich Tweedy Menschen und Orte schildert, Charakterzüge oder Gegenstände an diesen Orten", findet die Musikjournalistin. Im Epilog schreibt der Musiker, dass er selbst überrascht war, was alles an Bildern hochkam durch die Arbeit an diesem Buch. Bilder, die jedoch nicht nur an die guten Zeiten in seinem Leben erinnern. So finden die Konflikte mit seinen Bands "Uncle Tupelo" und "Wilco" ihren Platz, ebenso wie seine Medikamentenabhängigkeit.

Jutta Petermann: "Er schildert, wie er in diese Abhängigkeit rutscht, wie er sich die nur sehr schwer eingestehen kann, wie er auch seiner Frau nicht beistehen kann, die an Krebs erkrankt ist. An diesem Punkt ist das Buch mittendrin in diesen ganz aktuellen und tragischen Phänomenen der amerikanischen Gesellschaft, nämlich dieser Opiate-Epidemie."

Es gehe dem Musiker auch darum, Fehler im amerikanischen Medizinsystem anzuprangern, so Petermann. An dieser Stelle sei das Buch sehr persönlich und weise weit über die Musik hinaus.

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